Aus Reststoffen werden Dünger: Neue Nährstoffkreisläufe für eine nachhaltige Landwirtschaft
Hof, 05.08.2026. Wie lassen sich wertvolle Nährstoffe aus der Landwirtschaft besser
nutzen? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Forschungsprojekt ReKorD an der
Hochschule Hof. Ziel ist es, Reststoffe aus der Tierhaltung in hochwertige Dünger
umzuwandeln und so regionale Nährstoffkreisläufe zu schließen. Das Vorhaben soll
die Landwirtschaft unabhängiger von mineralischen Düngemitteln machen und gleichzeitig Ressourcen schonen.
Steigende Energiepreise, geopolitische Unsicherheiten und die begrenzte Verfügbarkeit
mineralischer Rohstoffe stellen die Landwirtschaft vor große Herausforderungen. Gleichzeitig fallen insbesondere in viehstarken Regionen große Mengen nährstoffreicher Reststoffe an, deren Potenzial bislang nur teilweise ausgeschöpft wird. Genau hier setzt ReKorD an. „Wir wollen wertvolle Nährstoffe dort halten, wo sie entstehen, und sie in einer Form verfügbar machen, die sich effizient transportieren und gezielt einsetzen lässt. So schaffen wir die Grundlage für eine ressourcenschonende und zugleich auch wirtschaftliche Landwirtschaft“, erklärt Projektleiter Dr. Harvey Harbach.
Dr. Harvey Harbach hat an der Hochschule Hof den Forschungsschwerpunkt
„Ressourceneffiziente Lebensmittelproduktion“ als eigenständiges Forschungsprofil
aufgebaut und vertritt das Institut für nachhaltige Wassersysteme (inwa) der Hochschule Hof als stellvertretender Institutsleiter. Gemeinsam mit seinem interdisziplinären Team entwickelt er innovative Lösungen an der Schnittstelle von Kreislaufwirtschaft, Wasser- und
Ressourcenmanagement sowie nachhaltiger Lebensmittelproduktion.
Aus Reststoffen entstehen transportfähige Düngerpellets
Das Projekt „ReKorD – Realisierung einer überregionalen Kreislaufwirtschaft durch
Entwicklung eines organo-mineralischen, makrogranulierten Düngemittels auf Basis von
Reststoffen der Tierhaltung“ wird am Institut für nachhaltige Wassersysteme (inwa) der
Hochschule Hof durchgeführt. Im Mittelpunkt stehen sogenannte organo-mineralische Düngerpellets. Dabei handelt es sich um gepresste Dünger, die sowohl organische Bestandteile aus landwirtschaftlichen Reststoffen als auch mineralische Nährstoffe enthalten. Durch ihre Pelletform lassen sie sich einfacher lagern, transportieren und gleichmäßig auf landwirtschaftlichen Flächen ausbringen. Der Ansatz verbindet damit Kreislaufwirtschaft und moderne Verfahrenstechnik mit dem Ziel, eine ressourceneffiziente Alternative zu herkömmlichen mineralischen Düngemitteln zu entwickeln.
Erster wichtiger Meilenstein erreicht
Dem Forschungsteam ist inzwischen ein bedeutender Entwicklungsschritt gelungen:
Erstmals konnten im Labormaßstab erfolgreiche Prototypen der Düngerpellets hergestellt
werden. Mithilfe einer Hydraulikpresse entstanden die ersten funktionsfähigen Pellets, die
das entwickelte Verfahren grundsätzlich bestätigen.
Das Projekt befindet sich derzeit noch in der Proof-of-Concept-Phase – einer
Entwicklungsstufe, in der geprüft wird, ob eine technische Idee grundsätzlich funktioniert und später in die Praxis überführt werden kann. Dieser Erfolg bestätigt aber bereits die
technische Machbarkeit des entwickelten Pelletierungskonzepts und bildet eine wichtige
Grundlage für die weitere Entwicklung. „Die ersten erfolgreichen Pelletprototypen zeigen, dass unser Ansatz funktioniert. Jetzt arbeiten wir daran, die Materialeigenschaften weiter zu verbessern und den Herstellungsprozess so zu optimieren, dass eine wirtschaftliche Produktion möglich wird“, sagt Projektmitarbeiter Vineeth Kalathiparambil Girish Kumar.
Aktuell untersucht das Team unter anderem die optimale Zusammensetzung der Materialien, die mechanische Stabilität der Pellets, ihre Lagerfähigkeit sowie eine kontrollierte Freisetzung der enthaltenen Nährstoffe. Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage für ein späteres industrielles Produktionsverfahren.
Wissenschaft und Praxis arbeiten Hand in Hand
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor des Projekts ist die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft
und Wirtschaft. Insgesamt 13 Konsortialpartner bringen ihre Kompetenzen aus
Landwirtschaft, Materialwissenschaft, Verfahrenstechnik und Umwelttechnologien ein. Ziel ist es, Forschungsergebnisse möglichst schnell in praxistaugliche Lösungen zu überführen.
„Die Stärke von ReKorD liegt in der interdisziplinären Zusammenarbeit. Erst durch das
Zusammenspiel unterschiedlicher Fachrichtungen und unserer Partner gelingt es, innovative Ideen in konkrete Anwendungen für die Landwirtschaft zu überführen“, betont Harbach.
Beitrag zur regionalen Kreislaufwirtschaft
Gefördert wird ReKorD durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) im Rahmen des Programms „Investitionen in Beschäftigung und Wachstum“ Bayern 2021-
2027. Der EFRE unterstützt Projekte, die Innovationen fördern, die Wettbewerbsfähigkeit
stärken und eine nachhaltige Entwicklung in den Regionen voranbringen. Mit ReKorD leistet die Hochschule Hof einen wichtigen Beitrag zur regionalen Wertschöpfung, zur effizienteren Nutzung natürlicher Ressourcen und zu einer zukunftsfähigen Kreislaufwirtschaft in der Landwirtschaft.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Dr. Harvey Harbach
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