25 Jahre DKVF & 20 Jahre DNVF: Motor der Versorgungsforschung und evidenzbasierter Versorgung
Der seit 2002 jährlich stattfindende international ausgerichtete Deutsche Kongress für Versorgungsforschung (DKVF) steht für interdisziplinären Austausch, wissenschaftliche Vernetzung und kontinuierliche Weiterentwicklung der Versorgungsforschung. Sein Erfolg führte 2006 zur Gründung des Deutschen Netzwerks Versorgungsforschung (DNVF). DKVF und DNVF haben die Versorgungsforschung etabliert und damit die Evidenzbasis des deutschen Gesundheitssystems gestärkt.
Im Oktober 2002 organisierte das zur Universität Köln gehörende Zentrum für Versorgungsforschung (ZVFK) den ersten Deutschen Kongress für Versorgungsforschung mit dem Schwerpunkthema „Disease Management“. Dieses damals wie heute aktuelle Thema wurde gezielt ausgewählt, um neuere Entwicklungen im Gesundheitswesen aufzugreifen und einer multidisziplinären Diskussion zugänglich zu machen – ein Anspruch, der bis heute sowohl für den Deutschen Kongress für Versorgungsforschung (DKVF) als auch für das Deutsche Netzwerk Versorgungsforschung e.V. (DNVF) gilt. Von Anfang an war das Ziel der Kongressleitung um Präsident Prof. Dr. Holger Pfaff nicht nur, einen einzelnen Kongress, sondern eine ganze Kongressreihe ins Leben zu rufen. Noch aus dem ersten DKVF heraus gründeten 24 medizinische Fachgesellschaften die „Ständige Kongresskommission Deutscher Kongress für Versorgungsforschung“, um fachübergreifend Versorgungsprobleme zu diskutieren und klinische mit methodischen Disziplinen zu vernetzen. In den Folgejahren konnte sich der DKVF schnell als interdisziplinäres Forum für Wissenschaft, Versorgung und Gesundheitspolitik etablieren. Eine Stärke des jährlichen Kongresses war stets die Themenvielfalt. So umfassten die Schwerpunktthemen der ersten vier Kongresse neben „Disease Management“ auch „Psychosoziale Versorgung“, „Patientenorientierung“ und „Bedarfsgerechtigkeit“. Mit der thematischen Schwerpunktsetzung wechselten zugleich die mitveranstaltenden wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Standorte. Dieses Konzept förderte nicht nur die fachliche Breite des Kongresses, sondern trug auch entscheidend dazu bei, die Versorgungsforschung als gemeinsames interdisziplinäres Arbeitsfeld zu profilieren.
Folgerichtig wurde im Mai 2006 die Ständige Kongresskommission Deutscher Kongress für Versorgungsforschung in den gemeinnützigen Verein Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung (DNVF) e. V. überführt. Insgesamt 26 Fachgesellschaften gehörten zu den Gründungsmitgliedern. Mit der Vereinsgründung erhielt das rasch wachsende Forschungsfeld der Versorgungsforschung einen bundesweiten institutionellen Rahmen. Inzwischen vertritt das DNVF 130 institutionelle und 450 persönliche Mitglieder.
Seit seiner Gründung übernahm das DNVF die kontinuierliche organisatorische Rahmung der weiterhin jährlich wechselnd ausgerichteten Kongressreihe. Der DKVF entwickelte sich zur zentralen Plattform für den interdisziplinären Austausch und zu einem identitätsstiftenden Treffpunkt der deutschsprachigen Versorgungsforschung. Der Erfolg zeigte sich bereits 2011. Auf dem 10. Deutschen Kongress für Versorgungsforschung, der erneut in Köln stattfand, zogen DNVF und GAA (Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie) eine positive Bilanz über zehn Jahre Kongressgeschichte. Der DKVF hatte sich in dieser Zeit als zentrale Vernetzungsplattform für methodische und klinische Disziplinen etabliert und die Zusammenarbeit über Fach- und Sektorengrenzen hinweg nachhaltig etabliert und gefördert. Gleichzeitig trug das langjährige Engagement des DNVF wesentlich dazu bei, dass die Versorgungsforschung in eines der Fachkollegien der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) aufgenommen wurde – ein wichtiger Schritt für die wissenschaftliche Anerkennung des Fachgebiets.
Mit dem weiteren Wachstum des Kongresses wurden schließlich auch seine organisatorischen Strukturen angepasst. Die Mitgliederversammlung des DNVF beschloss, die Ausrichtung des DKVF ab 2015 vom bisherigen „Huckepack-Modell“, bei dem der Kongress immer an die Jahrestagung einer Mitgliedsgesellschaft gekoppelt war, auf ein eigenständiges Veranstaltungsmodell umzustellen. Der 14. DKVF in Berlin wurde damit erstmals vollständig unter eigener Regie durchgeführt und inhaltlich von einer breit besetzten DNVF-Programmkommission gestaltet.
Ein bedeutender Meilenstein war die ebenfalls 2015 erfolgte Einführung des Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Zuge des GKV-Versorgungsstärkungsgesetzes. Der Fonds ist bis heute eine der wesentlichen finanziellen Stützen der Versorgungsforschung in Deutschland. Seit 2023 ist der Innovationsausschuss konstant auf dem DKVF vertreten. So auch in diesem Jahr mit dem gemeinsamen Innovationsfonds-Symposium von G-BA und DNVF.
Seit 2018 bereichert der Patient:innentag den DKVF als fester Bestandteil des Programms. Seit 2021 wird der Patient:innentag gemeinsam mit Mitgliedern des Patientenbeirats des DNVF sowie mit Vertreter:innen von Patientenorganisationen gestaltet. Damit wird die Einbindung von Patient:innenperspektiven auf allen Ebenen der Versorgungsforschung systematisch gestärkt.
In den 2020er Jahren blieb der DKVF seiner Rolle als zentrale Plattform der Versorgungsforschung treu. Die COVID-19-Pandemie erforderte in den Jahren 2020 und 2021 eine vollständige Umstellung auf ein digitales Kongressformat. Gleichzeitig entwickelte sich das Netzwerk kontinuierlich weiter, entwickelte 2023 mit dem Projekt REGIBA (Fortbildung Registerbasierte Forschung) und 2024 mit dem Projekt REGINT (Registerbasierte Interventionsstudien in Deutschland) neue, vom BMG geförderte Projekte und erweiterte seine wissenschaftliche Infrastruktur um das eigene Fachjournal „Health Care Research and Implementation“. Somit sind DKVF und DNVF sind der Motor der Entwicklung der Versorgungsforschung in Deutschland.
In den letzten Jahren waren immer zahlreiche junge Versorgungsforschende auf dem Kongress vertreten. Masterstudierende, Pre-Docs und Promovierende nehmen den DKVF als wichtige Plattform war und gestalten das Programm durch ihre Beiträge aktiv mit. Im letzten Jahr erreichte der 24. DKVF am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf mit knapp 1.100 Teilnehmenden seinen bisherigen Teilnehmenden-Rekord. Die steigenden Teilnehmendenzahlen verweisen auf die zunehmende Relevanz der Versorgungsforschung. Die Herausforderungen etwa durch den demografischen und epidemiologischen Wandel und die Klimakrise, Kostendruck, Fachkräftemangel und die Umwälzung der Gesellschaft durch die rasante Entwicklung von künstlicher Intelligenz machen eine Anpassung des Gesundheitssystems zwingend erforderlich. Die dafür anstehenden gesundheitspolitischen Richtungsentscheidungen sollten forschungsnah und evidenzbasiert erfolgen. Die Versorgungsforschung steht hierfür als Partner bereit! Das DNVF wird den Deutschen Kongress für Versorgungsforschung als Begegnungsraum für Wissenschaft, Politik und Gesellschaft weiterentwickeln.
Das Deutsche Netzwerk Versorgungsforschung e.V. (DNVF)
Der gemeinnützige Verein „Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e.V.“ wurde am 2. Mai 2006 in Berlin gegründet. Aktuell sind 55 medizinische, pflegebezogene und gesundheitswissenschaftliche Fachgesellschaften, 52 wissenschaftliche Institute und Forschungsverbünde, 21 sonstige Institutionen und über 450 Wissenschaftler:innen Mitglieder im DNVF. Das DNVF ist ein interdisziplinäres Netzwerk, das allen Institutionen und Arbeitsgruppen offensteht, die mit der Sicherung der Gesundheits- und Krankenversorgung unter wissenschaftlichen, praktischen oder gesundheitspolitischen Gesichtspunkten befasst sind.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung (DNVF) e. V.
Geschäftsstelle, Kuno-Fischer-Straße 8, 14057 Berlin, Telefon: +49(0)30-1388-707
E-Mail: info@dnvf.de
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