Exoskelette auf der RehaCare: Wege zurück in den Beruf
Exoskelette können Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen dabei
helfen, in ihrem Beruf zu bleiben oder dorthin zurückzukehren. Auf der
RehaCare 2026 zeigt das Fraunhofer IPA, wie arbeitsunterstützende Exoskelette
die berufliche Wiedereingliederung praktisch unterstützen können –
und warum die Auswahl des passenden Systems dabei entscheidend ist.
Wer im Beruf viel heben, tragen, gehen oder schwere Gewichte bewegen muss,
braucht körperliche Kraft und Ausdauer. Wenn eine Erkrankung, eine Behinderung
oder eine zunehmende körperliche Einschränkung genau das erschwert, werden
alltägliche Arbeitswege und Routinen schnell zur Belastung. Diese alltäglichen Faktoren
können bereits darüber entscheiden, ob jemand weiter arbeiten kann oder sich Schritt
für Schritt aus dem Berufsleben zurückziehen muss. Auf der RehaCare in Düsseldorf
vom 23. bis 26. September 2026 zeigt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik
und Automatisierung IPA in Halle 1 auf Stand G 29, wie Exoskelette in solchen Situationen
zur beruflichen Wiedereingliederung beitragen können.
Exoskelette sind körpergetragene technische Systeme, die Bewegungen oder Haltungen
unterstützen. In der Industrie werden sie bisher vor allem im Bereich der
Primärprävention eingesetzt, um körperliche Belastungen zu verringern und Beschwerden
vorzubeugen. Das Fraunhofer IPA richtet den Blick nun stärker auf einen anderen
Anwendungsfall: den individuellen Behinderungsausgleich im Arbeitsleben im Bereich
der Sekundär- und Tertiärprävention. Dabei geht es um die konkrete Frage, ob ein
Exoskelett einer einzelnen Person helfen kann, ihren Arbeitsplatz zu behalten oder
nach einer gesundheitlichen Krise wieder in den Beruf einzusteigen.
Nicht jedes Exoskelett passt zu jeder Person
Genau hier liegt die Herausforderung. Der Markt bietet inzwischen mehr als 100 unterschiedliche Systeme. Sie unterstützen verschiedene Körperregionen, arbeiten passiv
oder aktiv und die Eignung ist abhängig von der Einsatzumgebung und der Tätigkeit.
Was auf dem Papier sinnvoll erscheint, muss im Alltag noch lange nicht funktionieren.
Entscheidend ist, ob ein System zu den körperlichen Voraussetzungen, zur Tätigkeit,
zum Arbeitsumfeld und auch zur persönlichen Akzeptanz passt.
»Die Frage ist nicht, ob Exoskelette grundsätzlich unterstützen können, sondern unter
welchen Bedingungen sie am besten eingesetzt werden sollten«, sagt Urban Daub vom Fraunhofer IPA. »Wenn Exoskelette als Maßnahme für die berufliche Wiedereingliederung
in Betracht gezogen werden, kann man nicht ein beliebiges System wählen. Es
muss zur Person, zur Aufgabe und zum Arbeitsalltag passen.«
Praktische Hürden für den Einsatz von Exoskeletten sind beispielsweise enge Räume
oder das Zusammenspiel mit Arbeitskleidung und vorhandenen Hilfsmitteln. Bei Vorerkrankungen müssen darüber hinaus medizinische Voraussetzungen geklärt werden.
Hinzu kommen psychosoziale Faktoren: Nur wenn die Tragenden das System im Alltag
akzeptieren und sich damit sicher fühlen, kann es langfristig eingesetzt werden.
Strukturierter Auswahlprozess
Gemeinsam mit 13 Inklusions- und Integrationsämtern entwickelt das Fraunhofer IPA
in einem Modellprojekt einen strukturierten Prozess, um Exoskelette für Menschen mit
Schwerbehinderung systematisch zu bewerten. Ausgangspunkt ist nicht die Technik,
sondern die individuelle Arbeitssituation.
Der Auswahlprozess umfasst mehrere Schritte: Zunächst wird die konkrete individuelle
und arbeitsplatzspezifische Ausgangslage erfasst. Darauf basierend wird eine Vorauswahl
geeigneter Systeme getroffen. Anschließend findet eine von Fraunhofer IPA
begleitete Testung der Exoskelette direkt am Arbeitsplatz statt. Hier wird ein geeignetes
System definiert und anschließend startet eine fragebogenbegleitete zweiwöchige
Erprobung. Am Ende steht eine gemeinsame Bewertung mit Betroffenen, technischen
Beratungsdiensten, Schwerbehindertenvertretungen sowie Ärztinnen und Ärzten.
Die Ergebnisse des Projekts dienen außerdem als Entscheidungshilfen. Sie sollen
Inklusions- und Integrationsämter künftig dabei unterstützen, Exoskelette fundiert als
Maßnahme zur Teilhabe am Arbeitsleben zu prüfen.
Der Nutzen reicht über den Einzelfall hinaus: Werden geeignete Systeme früher erkannt
und passgenauer ausgewählt, lassen sich Fehlentscheidungen vermeiden. Das spart
Zeit und Ressourcen, erhöht die Erfolgschancen und verbessert die Grundlage für
nachvollziehbare Entscheidungen in Beratung und Bewilligung. Für Unternehmen kann
das bedeuten, erfahrene Beschäftigte länger im Betrieb zu halten. Für Betroffene kann
es berufliche Teilhabe sichern.
Auf der Messe ausprobieren und ins Gespräch kommen
Auf dem Gemeinschaftsstand mit mehreren Exoskelett-Herstellern haben Besucherinnen
und Besucher die Möglichkeit, unterschiedliche Systeme kennenzulernen und
auszuprobieren. Wie unterscheidet sich das Tragegefühl der verschiedenen Systeme
und wie unterstützen diese Bewegungen? Darüber können sie sich mit den Experten
des Fraunhofer IPA austauschen und die Vielseitigkeit der Systeme und individuelle
Faktoren diskutieren.
Gemeinsam berufliche Teilhabe ermöglichen
Mit dem Auftritt auf der RehaCare will das Fraunhofer IPA auch den Austausch über
berufliche Teilhabe fördern. Die Messe bringt Betroffene, Fachkräfte aus Rehabilitation
und Arbeitsmedizin, Leistungsträger, Beratungsstellen, Unternehmen und Hersteller
zusammen. Gerade bei einem Thema, das stark vom Einzelfall abhängt, ist dieser
Dialog entscheidend.
Zugleich besteht weiterer Forschungsbedarf. Es braucht fortlaufende Erhebungen, bei
welchen Krankheitsbildern, Tätigkeiten und Arbeitsbedingungen Exoskelette langfristig
sinnvoll eingesetzt werden können. Auch Fragen der Finanzierung und der Begleitung
im Arbeitsalltag müssen weiter durch die Beteiligten geklärt werden.
Daran arbeitet das Fraunhofer IPA gemeinsam mit seinen Partnern. Die Ergebnisse des
Modellprojekts sollen helfen, Exoskelette gezielt dort einzusetzen, wo sie tatsächlich
einen Unterschied machen – und so den Weg zurück in den Beruf zu erleichtern.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Urban Daub | Telefon +49 711 970-3645 | urban.daub@ipa.fraunhofer.de | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA | www.ipa.fraunhofer.de
Weitere Informationen:
https://www.ipa.fraunhofer.de/de/aktuelle-forschung/biomechatronische-systeme/Industrielle_Exoskelette.html
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