Eiszeit erforschen, Zukunft gestalten: Senckenberg-Forschungsstation Weimar umfassend modernisiert
Nach mehreren Jahren intensiver Planungs-, Bau- und Modernisierungsarbeiten ist die Senckenberg Forschungsstation für Quartärpaläontologie Weimar für die kommenden Jahrzehnte bestens aufgestellt. Heute wurde der Abschluss der Modernisierung feierlich begangen. Die Gebäude wurden umfassend ertüchtigt, energetisch verbessert und sicherheitstechnisch modernisiert. Gleichzeitig wurde die Sammlungskapazität deutlich erweitert. Damit verfügt der traditionsreiche Wissenschaftsstandort wieder über optimale Bedingungen für die langfristige Bewahrung wertvoller Fossilien und die paläontologische Forschung.
„Nach fünf Jahren mit Provisorien, Einschränkungen und vielen organisatorischen Herausforderungen ist es ein besonderer Moment, unsere Sammlungen wieder vollständig zugänglich zu haben und die modernisierten Gebäude in Betrieb zu nehmen“, freut sich Standortleiterin Dr. Martina Stebich. „Wir haben viel erreicht: Die Gebäude sind sicherer, energetisch deutlich besser aufgestellt und unsere Sammlungskapazitäten sind für den erwarteten Zuwachs der nächsten Jahrzehnte vorbereitet.“
Die umfangreichen Bau- und Modernisierungsmaßnahmen liefen von 2019 bis 2026. Die eigentlichen Bauarbeiten begannen im Juli 2021. Eine besondere Herausforderung stellten dabei geologische und klimabedingte Probleme im Baugrund dar, die zu Rissbildungen an beiden Gebäuden geführt hatten. Die Fundamente wurden deshalb mit einem speziellen Verpressungsverfahren stabilisiert. Parallel zu den Bauarbeiten lief der Forschungsbetrieb weiter – mit entsprechend hohen Anforderungen an Logistik, Arbeitsschutz und den Schutz der wissenschaftlichen Sammlungen.
„Für mehrere Jahre waren unsere Sammlungsbestände vollständig eingehaust. Die Maßnahme schützte das wertvolle Material vor Staub, Schmutz und unbefugtem Zugriff, machte es jedoch vorübergehend auch für die wissenschaftliche Arbeit unzugänglich. Inzwischen sind die Sammlungen glücklicherweise wieder ausgepackt und für die Forschung verfügbar“, erzählt Stebich. Die Sammlungen der Weimarer Forschungsstation bilden eine zentrale Infrastruktur für die Erforschung der Entwicklung von Tier- und Pflanzengemeinschaften sowie vergangener Ökosysteme und Umweltbedingungen während des Quartärs, also der vergangenen 2,6 Millionen Jahre. In den Sammlungsschränken befinden sich inzwischen knapp 87.000 Funde, Präparate und Serien – seit dem Umzug in die heutigen Gebäude im Jahr 2005 hatte sich die Sammlung nahezu vervierfacht.
Im Zuge der Modernisierung wurden 112 zusätzliche Sammlungsschränke aufgestellt. Damit ist die weitere Entwicklung der Sammlungen für die nächsten 20 bis 30 Jahre abgesichert. Zu den heutigen Beständen gehören unter anderem Fossilien pleistozäner Großsäugetiere, wie Mammute, Säbelzahnkatzen oder Steppennashörner. Die paläobotanischen Sammlungen dokumentieren die Vegetationsgeschichte Eurasiens und werden durch umfangreiches rezent-biologisches Referenzmaterial ergänzt.
„Unsere Sammlungen sind das Gedächtnis vergangener Lebenswelten und zugleich eine unverzichtbare Forschungsinfrastruktur für die Gegenwart und Zukunft“, betont Prof. Dr. Andreas Mulch, Direktor vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt, zu welchem die Forschungsstation gehört und fährt fort: „Mit der Modernisierung schaffen wir hervorragende Voraussetzungen dafür, dieses einzigartige wissenschaftliche Erbe langfristig zu bewahren und für neue Forschungsfragen zugänglich zu machen. Zudem verstärken seit diesem Jahr zwei neue Sektionsleiterinnen, Dr. Ana Balcarcel und Dr. Julia Galán García, unsere wirbeltierpaläontologische Expertise am Standort.“
Neben dem Schutz der Sammlungen und der Verbesserung der Arbeitsbedingungen stand die Nachhaltigkeit im Mittelpunkt der Modernisierung. Die Gebäude wurden energetisch verbessert und mit einer neuen Innenisolierung ausgestattet. „Bereits während der sommerlichen Hitzewellen in diesem Jahr zeigte sich deren Wirkung: Die Temperaturen im Dachgeschoss blieben deutlich angenehmer als vor der Sanierung“, ergänzt Stebich.
Die Forschungsstation beteiligt sich zudem am Nachhaltigkeitsabkommen Thüringen und arbeitet an einer künftig CO₂-neutralen Energieversorgung des Standorts. Auch Aspekte des Denkmal- und Naturschutzes werden dabei berücksichtigt – unter anderem der Schutz von Gebäudebrütern.
„Die Modernisierung endet für uns nicht bei der energetischen Sanierung der Gebäude. Unser Anspruch ist es, den Standort nachhaltig und zukunftsfähig weiterzuentwickeln – von der Energieversorgung über den Denkmalschutz bis zum Schutz der Arten, die unser Gelände und Gebäude als Lebensraum nutzen“, erklärt John-Albrecht Keiler, Technisch-Konservatorische Leiter in Weimar.
„Unser besonderer Dank gilt unseren Zuwendungsgebern, dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt sowie dem Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, für die Bereitstellung der Fördermittel und die konstruktive Begleitung dieses anspruchsvollen Projekts. Mit dem Abschluss der Modernisierung ist die Senckenberg Forschungsstation für Quartärpaläontologie Weimar bestens für die Zukunft gerüstet. Damit schaffen wir hervorragende Voraussetzungen, um diese einzigartigen Sammlungen langfristig zu bewahren, mit ihnen neue wissenschaftliche Fragestellungen zu bearbeiten und für die Zukunft zu lernen“, schließt Mulch.
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