Fraunhofer IMM entwickelt Systemlösung für Ammoniak-Antriebe in der Binnenschifffahrt
Wie lässt sich regenerativ erzeugtes Ammoniak an Bord von Schiffen nicht nur speichern, sondern sicher und energieeffizient für den Antrieb nutzbar machen? Mit dieser Frage befasst sich das durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie BMWE geförderte Verbundprojekt AmHyPower, dessen zugrundeliegende Technik das Fraunhofer-Institut für Mikrotechnik und Mikrosysteme IMM vom 1. bis 4. September 2026 auf der SMM in Hamburg, Halle A4, Stand 231, in den Mittelpunkt seines Messeauftritts stellt. Das Fraunhofer IMM entwickelt im Projekt einen Ammoniakcracker, der Wasserstoff beziehungsweise wasserstoffhaltiges Spaltgas für einen Gasmotor mit einer Leistung von 200 kW bereitstellen wird.
Damit adressiert AmHyPower eine wesentliche Herausforderung beim Einsatz alternativer Kraftstoffe: Für die maritime Praxis genügt es nicht, einen klimafreundlicheren Energieträger bereitzustellen. Er muss unter den besonderen Anforderungen an Bord sicher gelagert, effizient genutzt und in bestehende beziehungsweise künftige Antriebssysteme integriert werden können. Das Projekt betrachtet deshalb bewusst die gesamte Systemkette – von der Kraftstoffspeicherung bis zur mechanischen Antriebsleistung.
Ammoniak als Kraftstoff in ein Gesamtsystem integrieren
Regenerativ erzeugtes Ammoniak gilt insbesondere deshalb als interessanter Energieträger, weil es ohne Kohlenstoff im Brennstoff auskommt. Gleichzeitig stellt seine Nutzung hohe Anforderungen an Sicherheit, Lagerung und Systemtechnik. Das Projekt verbindet deshalb die Entwicklung des Antriebssystems mit einem Konzept für einen platzsparenden Leichtbau-Freiformtank. Ziel ist es, den vorhandenen Bauraum eines Binnenschiffs besser auszunutzen und damit mehr Kraftstoff an Bord unterbringen zu können.
Im Rahmen des Verbundvorhabens entwickelt das Fraunhofer IGP zusammen mit weiteren Projektpartnern Lösungen für einen Leichtbau-Freiformtank aus Faserverbundwerkstoffen. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die Beständigkeit der Materialien und Klebverbindungen gegenüber Ammoniak sowie die strukturelle Sicherheit des Tanks.
Integrierter Ansatz mit breitem Anwendungspotenzial
AmHyPower verfolgt einen integrierten Entwicklungsansatz, bei dem Kraftstoffspeicherung, Aufbereitung, Motor, Steuerung und Sicherheit als zusammenhängendes System betrachtet werden. Dadurch entstehen Erkenntnisse, die über einzelne Komponenten hinausreichen und sowohl für die weitere Auslegung von Ammoniak-Antriebssystemen als auch für deren Integration in unterschiedliche maritime Anwendungen relevant sind. Zugleich schafft das Projekt Grundlagen für weiterführende Fragen der technischen Qualifizierung, Zulassung und Normung. Perspektivisch lassen sich einzelne Lösungsansätze zudem auf weitere Einsatzfelder übertragen, etwa auf die Hochseeschifffahrt sowie auf Nutz- und Schienenfahrzeuge.
Fraunhofer IMM auf der SMM 2026
Das Fraunhofer IMM zeigt auf der SMM vom 1. bis 4. September 2026 in Halle A4, Stand 231, wie unterschiedlich Ammoniak als Energieträger für maritime und weitere schwer elektrifizierbare Anwendungen genutzt werden kann. Neben AmHyPower geben die Forschenden Einblicke in weitere Entwicklungsansätze des Instituts – etwa im EU-Projekt GAMMA, in dem Ammoniak und grünes Methanol an Bord eines Frachtschiffs in Wasser-stoff umgewandelt werden sollen, sowie in der Zusammenarbeit mit First Ammonia Motors, bei der ein Verbrennungsmotor mit Ammoniak betrieben wird und der für die Verbrennung benötigte Wasserstoff direkt an Bord erzeugt wird. Kommen Sie mit den Expertinnen und Experten ins Gespräch und diskutieren Sie, welcher technologische Ansatz sich für Ihre Einsatzprofile eignet.
Weitere Projektpartner: Neptun Ship Design GmbH, BaltiCo GmbH, NORIS Automation GmbH, ScanDiesel GmbH, Technologie und AnlagenBau (TAB), Engineering- und Managementgesellschaft.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Dr. Daria Gashnikova
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