Münchner Umweltökonom Sebastian Tonke erhält Joachim Herz Preis
Für sein Forschungsvorhaben zu einem nachhaltigeren Umgang mit Trinkwasser erhält Prof. Dr. Sebastian Tonke von der Technischen Universität München heute in Hamburg den Joachim Herz Preis 2026. In seiner Studie kombiniert er digitale Wasserzähler mit einer Smartphone-App und macht den Trinkwasserverbrauch in Haushalten in Echtzeit sichtbar. So untersucht er, welche Anreize zu einem sparsameren Wasserverbrauch führen. Seine Erkenntnisse sollen Wasserversorgern und Politik helfen, wirksame Maßnahmen zu entwickeln. Der mit 500.000 Euro dotierte Joachim Herz Preis zählt zu den höchstdotierten Wissenschaftspreisen Deutschlands. Er zeichnet anwendungsbezogene, interdisziplinäre Forschung aus.
Dem Statistischen Bundesamt zufolge werden rund 80 Prozent des Trinkwassers in Deutschland in Privathaushalten und kleinen Betrieben verbraucht. Pro Tag und Person sind es 126 Liter. Zwar verfügt Deutschland insgesamt noch über ausreichende Wasserressourcen, aber regionale und saisonale Wasserknappheit tritt bereits heute immer häufiger auf. In den letzten 25 Jahren hat Deutschland laut Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) 60 km3 Wasser verloren – das entspricht etwa zwanzigmal der Wassermenge des Starnberger Sees. Jeder unnötig verbrauchte Liter kann den Druck auf Trinkwassergewinnung, Infrastruktur und Ökosysteme erhöhen. Das Bundesumweltamt geht davon aus, dass sich die Versorgungslage durch den Klimawandel auch in Deutschland drastisch verschlechtern wird und es zu Nutzungskonflikten zwischen Landwirtschaft, Industrie und Privathaushalten kommen kann.
Hier setzt das Forschungsprojekt WETTER (Water Efficiency through Technology, Targeting, and Experimental Research) von Prof. Dr. Sebastian Tonke an. Dazu werden 4.000 Haushalte über einen Zeitraum von zwei Jahren mit digitalen Wasserzählern ausgestattet. Diese erfassen den Verbrauch nahezu in Echtzeit und machen ihn für die Nutzer:innen unmittelbar sichtbar. Über eine Smartphone-App erhalten die Teilnehmenden unterschiedliche Impulse – etwa finanzielle Anreize, Rückmeldungen zum eigenen Verbrauch oder konkrete Wasserspartipps. Auf diese Weise will Tonke herausfinden, welche Maßnahmen den Verbrauch tatsächlich senken, bei welchen Haushalten sie besonders wirksam sind und warum. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen Versorgungsunternehmen und politischen Entscheidungsträger:innen dabei helfen, wirksame und skalierbare Strategien für einen nachhaltigeren Umgang mit Trinkwasser zu entwickeln.
„Sebastian Tonke verbindet exzellente wirtschaftswissenschaftliche Forschung mit einer Fragestellung von hoher gesellschaftlicher Relevanz. Besonders überzeugt hat uns, dass die Erkenntnisse seines Projekts weit über den Wassersektor hinaus nutzbar sein können und sich potenziell auch auf den Umgang mit anderen Ressourcen wie Strom oder Gas übertragen lassen. Genau solche mutigen Forschungsvorhaben mit klarem Anwendungspotenzial fördern wir mit dem Joachim Herz Preis“, so Prof. Dr.-Ing. Dr. Sabine Kunst, Vorstandsvorsitzende der Joachim Herz Stiftung.
Der Joachim Herz Preis
Die Joachim Herz Stiftung zeichnet mit dem Joachim Herz Preis herausragende Wissenschaftler:innen aus, die mit interdisziplinären Ansätzen Impulse für eine nachhaltige Zukunft geben. Der mit 500.000 Euro dotierte Forschungspreis prämiert innovative Vorhaben von Forschenden in einer frühen Karrierephase, die ihre Forschung vertiefen möchten oder den Transfer ihrer Forschungsvorhaben in die praktische Anwendung verfolgen. Der Joachim Herz Preis ist einer der höchstdotierten Forschungspreise in Deutschland.
Über Sebastian Tonke
Prof. Dr. Sebastian Tonke ist Professor für Environmental Economics an der an der TUM School of Life Sciences (https://www.ls.tum.de/ls/startseite/) und TUM School of Management (https://www.ls.tum.de/ls/startseite/). Seine Forschung liegt an der Schnittstelle von Umwelt- und Verhaltensökonomie. Er untersucht die Motive ökonomischen Handelns und evaluiert deren Auswirkungen auf politische Maßnahmen zur Bewältigung von Umweltproblemen –insbesondere beim nachhaltigen Umgang mit Wasser und Abfall. In großangelegten Studien untersucht er, wie verschiedene Maßnahmen wirken, welche Schwächen sie haben und ob sie sich gegenseitig beeinflussen. Tonke promovierte 2019 in Volkswirtschaftslehre an der Universität zu Köln. Von 2019 bis 2026 war er als Senior Research Fellow am Max-Planck-Institut für Verhaltensökonomie in Bonn tätig. Im Frühjahr 2024 war er Visiting Research Fellow an der Harvard University.
Über die Joachim Herz Stiftung
Die Joachim Herz Stiftung (https://www.joachim-herz-stiftung.de/) setzt sich für Innovation und Transfer aus der Spitzenforschung ein, damit mehr Forschungsergebnisse in die Praxis gelangen und einen gesellschaftlichen Nutzen erzeugen. Die Stiftung stärkt Gründerökosysteme und unterstützt eine neue Generation von unternehmerischen Talenten, radikale Innovation und nachhaltige Geschäftsmodelle zu entwickeln. Mit der Förderung von Nachwuchsfachkräften in einer sich durch KI und Digitalisierung wandelnden Berufswelt, trägt die Stiftung dazu bei, die berufliche Bildung zu erneuern. Ziel ist es, wirksame Lösungen für aktuelle Herausforderungen wie Klimaschutz, mehr Ressourceneffizienz oder die Fachkräftesicherung zu ermöglichen. Die Aktivitäten der Stiftung nutzen Impulse aus den USA und stärken den deutsch-amerikanischen Dialog. Die Joachim Herz Stiftung wurde 2008 in Hamburg gegründet und gehört zu den großen deutschen Stiftungen.
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