Wissenschaftlerinnen der Universität Koblenz untersuchen Toxizität im Gaming
Prof. Dr. Tamara Bodden und Patricia Bau vom Institut für Germanistik der Universität Koblenz sowie Christina Liemann von der Waseda University in Tokyo haben den Sammelband „Poisoned Play" herausgegeben. Der Sammelband fokussiert aus interdisziplinären Perspektiven Toxizität im Gaming sowie in Diskursen über Games/Gaming.
Gaming-Communities werden in der öffentlichen Debatte oft der Toxizität bezichtigt. Toxisches Verhalten findet sich in Spielen in semiotischen Praktiken, also in konkreten, handlungsbezogenen Verwendungsweisen von Zeichen und Symbolen, mit denen Menschen in bestimmten Situationen Bedeutung erzeugen. Dies sind zum Beispiel „Tea Bagging“ – damit wird eine Verhaltensweise bezeichnet, bei dem Spieler*innen sich wiederholt über einem am Boden liegenden Charakter ducken. Meistens ist dieser Charakter vorher von den Spieler*innen besiegt worden. Auch „Looting“, das Sammeln von Gegenständen, Ausrüstung oder Währung besiegter Gegner spielt eine Rolle, ebenso wie „Griefing“, das bewusste Verursachen von Frust, oft durch Sabotage oder destruktives Verhalten wie Team-Killing, um anderen Spielern das Erlebnis zu verderben.
Auch in der Kommunikation im (Sprach-)Chat, auf Plattformen wie Twitch und Discord oder in Diskursen über Spiele in sozialen Netzwerken fanden die Autor*innen der Sammelbandbeiträge toxisches Verhalten.
Gaming ist längst kein Nischenphänomen mehr, daher ist das Verständnis toxischer Praktiken entscheidend, um darüber aufzuklären und ihnen entgegenzuwirken. Mit interdisziplinären Ansätzen wie Diskursanalyse, Umfragen und multimodalen Untersuchungen befassen sich die Autor*innen mit Phänomenen wie sexistischen männlichen Online-Räumen, Alt-Right-Bewegungen, die Gaming-Diskurse als Vehikel für Ideologien nutzen, oder toxischen Arbeitspraktiken in der Spieleentwicklung.
So wird beispielsweise der Diskurs über das Videospiel “No Mercy”, dessen Spielinhalt die Vergewaltigung weiblicher Nicht-Spieler-Charaktere darstellt, beleuchtet. Außerdem untersucht ein Beitrag eine Gruppe der Spieleplattform Steam – „Woke Content Detector" – , in der vermeintlich „woke" Spiele diskutiert werden.
Alt-Right-Bewegungen und politische Ideologien werden unter anderem durch die Analyse politischer Äußerungen in Communities von Alt-History-Mods für das Videospiel "Hearts of Iron IV” analysiert. Dabei wird herausgearbeitet, wie ironische Doppeldeutigkeit als Strategie der rechtsextremen Metapolitik genutzt wird.
Ein Beitrag untersucht toxische Arbeitspraktiken in Form eines Praxiseinblicks. Hier wird aus Interviews mit Studierenden und Lehrenden im Game Design herausgearbeitet, welche toxischen Arbeitsbedingungen herrschen und Handlungsempfehlungen werden formuliert.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. Tamara Bodden
Universität Koblenz
Universitätsstraße 1
56070 Koblenz
Tel.: 0261 287 2066
E-Mail: tbodden@uni-koblenz.de
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