Zwei Millionen Seemeilen im Dienst der Forschung
Am 26. August 2026 hat die Polarstern eine stolze Marke erreicht: Satte zwei Millionen Seemeilen hat der deutsche Forschungseisbrecher des Alfred-Wegener-Instituts seit seiner Indienststellung am 9. Dezember 1982 zurückgelegt. Immer an Bord ist natürlich die Schiffscrew aus gut 40 Personen, die für den zuverlässigen Betrieb sorgt; bis zu 55 Forschende untersuchen in internationalen Teams Prozesse vom Meeresgrund über die Wassersäule und das Meereis bis in die Atmosphäre.
„Die stolze Marke von zwei Millionen Seemeilen war am 26. August 2026 um 14:31 Bord- und deutscher Zeit bei 85°05,7'N, 018°57,0'E erreicht“, berichtet Kapitän Felix Kentges von Bord der Polarstern. Gemeinsam mit der AWI-Geophysikerin und wissenschaftlichen Fahrtleiterin Dr. Catalina Gebhardt und den Expeditionsteilnehmenden plant er eine Feier anlässlich des Jubiläums, die am kommenden Samstag stattfinden soll und über die dann in der Polarstern-App (https://onexpedition.awi.de/polarstern/) berichtet wird. Ort für die Feierlichkeiten wird der Blaue Salon, die gute Stube der Polarstern. Dort waren schon viele Persönlichkeiten zu Gast, darunter beispielsweise Helmut und Loki Schmidt oder Nick Shackleton, ein direkter Nachfahre Earnest Shackletons, wie das Bord-Gästebuch verrät.
Die zurückgelegte Strecke von zwei Millionen Seemeilen entspricht etwa 3,7 Millionen Kilometern und somit gut 92 Erdumrundungen auf Höhe des Äquators. Das ist etwa die zehnfache Entfernung von der Erde bis zum Mond (360.000 bis 410.000 Kilometer, je nach elliptischer Umlaufbahn). Wie viele weitere Meilen die Polarstern noch zurücklegen wird, ist fraglich. Mit über 40 Dienstjahren (https://www.awi.de/ueber-uns/service/presse/presse-detailansicht/40-jahre-polarstern.html) ist sie zwar dank des umsichtigen Betriebs noch immer eine zuverlässige Forschungsplattform, aber die Wartungs- und Betriebskosten sowie neue Anforderungen führen dazu, dass ein Nachfolgeschiff (https://polarstern.awi.de/) sie im Jahr 2030 ersetzen soll.
Große Distanzen zurückzulegen ist jedoch nicht die Kernaufgabe des Schiffes: Wenn Greifer oder Bohrer Sedimente vom Meeresboden gewinnen oder der Kranzwasserschöpfer literweise Wasser aus hunderten Metern Wassertiefe an Deck befördert, positioniert die Schiffscrew die Polarstern möglichst auf einer wissenschaftlich besonders spannenden Stelle. Etwas mehr Bewegung erfordert der Einsatz von Geräten wie das Kamera- und Sonarsystem OFOBS („Ocean Floor Observation and Bathymetry System“), das die Polarstern mit geringer Geschwindigkeit nur wenige Meter über dem Grund schleppt – und so beispielsweise Millionen von Fischnestern in der Antarktis entdeckt hat (https://www.awi.de/ueber-uns/service/presse/presse-detailansicht/weltweit-groesstes-fischbrutgebiet-in-der-antarktis-entdeckt.html). Viele Langzeituntersuchungen des Alfred-Wegener-Instituts hängen von regelmäßigen Polarstern-Expeditionen ab.
Aktuell erforscht das Flaggschiff des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) die Geologie des Arktischen Ozeans. Mehrere hundert Meter dicke Sedimentablagerungen am Meeresboden bis zur ozeanischen Erdkruste werden mit geophysikalischen Methoden abgebildet und mit Kerngeräten beprobt. Catalina Gebhardt erläutert: „Wir untersuchen zum Beispiel, wie der bis zu 3000 Meter über den tiefen Meeresboden hochragende Lomonossow-Rücken, der sich einmal quer über den kompletten Arktischen Ozean erstreckt, die Ozeanströmung in der Vergangenheit und heute beeinflusst. Aus unseren Messungen können wir ableiten, wie sich die Arktis während vergangener Warmzeiten veränderte und damit können wir verlässliche Randbedingungen und Parameter für Klimamodelle liefern – wichtige Informationen, um die Dynamik von Eisschilden besser zu verstehen, vergangene Warmzeiten zu erforschen und so etwas über die Zukunft der Eisschilde zu erfahren.“ Für solche geophysikalischen Messungen unternimmt die Polarstern sogenannte Profilfahrten, bei denen sie mit bis zu fünf Knoten Geschwindigkeit unterwegs ist. Auf einer Expedition kommen so schnell mehrere tausend Kilometer Strecke zusammen.
Zusätzlich ist die Polarstern eine wahre Pendlerin zwischen den Polen, denn ihr Einsatzgebiet sind Arktis und Antarktis gleichermaßen. Auf den Transitstrecken durch den Atlantik sammelt das Schiff sogenannte Unterwegsdaten, beispielsweise zu Meteorologie, Luftchemie und Meeresbodenbeschaffenheit, die wichtige Datenpunkte für globale Wettervorhersagesysteme und die Umweltforschung liefern. Außerdem dienen die Transits der Ausbildung wissenschaftlicher Nachwuchskräfte. In der Antarktis versorgt die Polarstern regelmäßig die deutsche Neumayer-Station mit Betriebsmitteln, wissenschaftlicher Ausrüstung und Proviant. Für ihre Reisen ausgerüstet sowie gewartet und bei Bedarf repariert wird sie regelmäßig in ihrem Heimathafen Bremerhaven. Die Strecke, die das Schiff von dort aus zurücklegt, variiert je nach den wissenschaftlichen Fragestellungen – und viele Seemeilen kommen auch auf den An- und Abreisen in die Untersuchungsgebiete zusammen. Im Durchschnitt legt die Polarstern so jährlich etwa 50.000 Seemeilen zurück und ist dafür rund 305 Tage pro Jahr unterwegs.
Weitere Informationen:
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