Drei Forschungsprojekte im Netzwerk Universitätsmedizin unter Heidelberger Leitung starten in die nächste Förderphase
Mit RACOON-LCS, PENGUIN und CanTEN leitet die Medizinische Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg gemeinsam mit jeweils einer weiteren Sprecherhochschule im Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) Projekte zu Lungenkrebsscreening, Penicillinallergien und Pilzinfektionen.
Forschende der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg übernehmen in der dritten Förderphase des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM) gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern an weiteren Universitäten sowie Universitätsklinika die wissenschaftliche Leitung von drei neu gestarteten deutschlandweiten Forschungsprojekten. Die Projekte adressieren unterschiedliche medizinische Herausforderungen: Bei RACOON-LCS entwickeln die Teams einen bundesweiten Datenraum für das Lungenkrebsscreening, bei PENGUIN erforschen sie eine bessere Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Penicillinallergie und bei CanTEN untersuchen sie neue Behandlungsstrategien bei schweren Pilzinfektionen. Das NUM bündelt die Forschungsaktivitäten der deutschen Universitäten und Universitätsklinika und stärkt die standortübergreifende Forschung zu Prävention, Diagnostik und Therapie. Die Gesamtfördersumme aller drei Projekte beträgt insgesamt rund 5,4 Millionen Euro.
RACOON-LCS: Datenraum und KI für das neue Lungenkrebsscreening
Seit April 2026 haben Menschen aus bestimmten Risikogruppen in Deutschland Anspruch auf ein Lungenkrebsscreening mittels Niedrigdosis-Computertomographie. Die dabei entstehenden Bilddaten sollen künftig bundesweit nach einheitlichen Qualitätsstandards ausgewertet und wissenschaftlich genutzt werden. Dafür koordiniert Privatdozent Dr. Matthias A. Fink der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und Oberarzt an der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Universitätsklinikums Heidelberg, gemeinsam mit Professorin Dr. Amanda Tufman vom LMU Klinikum München das Projekt RACOON-LCS. Es knüpft an die RACOON-Infrastruktur an, die während der COVID-19-Pandemie für den standortübergreifenden Austausch radiologischer Bilddaten aufgebaut wurde. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) insgesamt mit rund 850.000 Euro gefördert.
RACOON-LCS schafft den ersten bundesweiten Datenraum für Screeningdaten. Dieser soll die Qualitätssicherung über Standorte hinweg unterstützen und wissenschaftliche Analysen ermöglichen. Ein Schwerpunkt liegt auf KI-gestützten Detektionssystemen: Sie sollen Lungenrundherde frühzeitig erkennen und klassifizieren, die Lungenstruktur analysieren und das Risiko bösartiger Veränderungen besser einschätzen. In dem Projekt prüfen die Forschenden zudem, wie zuverlässig diese Systeme an verschiedenen Universitätsklinika arbeiten. Ergänzend untersuchen sie mit RACOON-LCS, ob große Sprachmodelle medizinische Befunde verständlicher für Patientinnen und Patienten sowie medizinisch vorgebildete Laien aufbereiten können.
Bis Juli 2028 sollen mehr als 4.500 qualitätsgesicherte Datensätze sowie Daten von rund 3.700 neu in die Studie aufgenommenen Patientinnen und Patienten in den Datenraum einfließen. Insgesamt beteiligen sich 36 Universitätsklinika an dem Projekt.
PENGUIN: Falsche Penicillinallergien erkennen und Antibiotikatherapien verbessern
Etwa zehn Prozent der Bevölkerung haben die Diagnose einer Penicillinallergie. Tatsächlich liegt bei mehr als 90 Prozent dieser Patientinnen und Patienten keine echte Penicillinallergie vor. Dennoch bleibt in ihrer Krankenakte häufig das Label „Penicillinallergie“ bestehen – mit signifikanten Folgen: Betroffene erhalten andere, häufig weniger geeignete Antibiotika. Das kann die Behandlung erschweren, Krankenhausaufenthalte verlängern und Antibiotikaresistenzen fördern. Mit dem Projekt PENGUIN will die Wissenschaftlerin Dr. Elham Khatamzas, PhD, der Medizinischen Fakultät Heidelberg, Universität Heidelberg und leitende Oberärztin der Abteilung „Infektions- und Tropenmedizin“ des Zentrums für Infektiologie am Universitätsklinikum Heidelberg, gemeinsam mit Dr. Insa Joost vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Düsseldorf untersuchen, wie sich vermeintliche Penicillinallergien sicher überprüfen und unzutreffende Allergielabel anschließend aus der Krankenakte entfernen lassen. Dieses Vorgehen wird als „Delabeling“ bezeichnet.
Wenn sich der Verdacht auf eine Penicillinallergie nicht bestätigt, sollen Patientinnen und Patienten wieder häufiger mit geeigneten Penicillin-Antibiotika behandelt werden können. Mit PENGUIN wird außerdem untersucht, wie sich dieses Vorgehen nachhaltig im Klinikalltag etablieren lässt. Für die multizentrische Beobachtungsstudie sind insgesamt 437 Patientinnen und Patienten vorgesehen. Zwölf Universitätsklinika beteiligen sich an PENGUIN. Das Projekt wird mit insgesamt rund 1,3 Millionen Euro gefördert.
CanTEN: Behandlungsdauer bei schweren Pilzinfektionen auf dem Prüfstand
Eine Candidämie ist eine seltene, aber lebensbedrohliche Infektion, bei der Hefepilze in die Blutbahn gelangen. Aktuelle Leitlinien empfehlen, die Behandlung mit einem Medikament gegen Pilzinfektionen (Antimykotikum) noch 14 Tage fortzusetzen, nachdem im Blut keine Pilze mehr nachweisbar sind. Ob diese Behandlungsdauer tatsächlich notwendig ist, wurde bislang jedoch nie in einer klinischen Studie untersucht. Ziel ist es, Patientinnen und Patienten nur so lange wie medizinisch notwendig einer Therapie auszusetzen. Gemeinsam mit Universitäts-Professor Dr. Oliver A. Cornely vom Europäischen Exzellenzzentrum für Pilzerkrankungen an der Klinik I für Innere Medizin der Uniklinik Köln möchte Privatdozentin Dr. Susanne Picardi der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und Oberärztin an der Klinik für Anästhesiologie des Universitätsklinikums Heidelberg, deshalb im Projekt CanTEN prüfen, ob eine kürzere Behandlungsdauer bei unkomplizierter Candidämie möglich ist. Das Projekt wird vom BMFTR mit rund 3,3 Millionen Euro gefördert.
Zunächst untersuchen die Forschenden bei CanTEN, ob eine zehntägige Behandlung ebenso wirksam und sicher ist wie die bisherige 14-tägige Standardtherapie. Ist das der Fall, folgt im zweiten Schritt die Prüfung einer siebentägigen Behandlung. Darüber hinaus untersuchen sie unter anderem, wie häufig die Infektion erneut auftritt, wie gut die Patientinnen und Patienten genesen und wie verträglich das Medikament ist. Die Studie ist randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert: Die Patientinnen und Patienten werden per Zufall verschiedenen Behandlungsgruppen zugeteilt. Weder sie noch die behandelnden Ärztinnen und Ärzte wissen, wer das Medikament wie lange erhält und wer ein Placebo bekommt. So sollen möglichst verlässliche Studienergebnisse erzielt werden.
Da die Candidämie eine seltene Erkrankung ist, lässt sich eine ausreichend große Zahl an Patientinnen und Patienten nur durch die standortübergreifende Zusammenarbeit der Universitätsklinika erreichen. An CanTEN beteiligen sich 25 Universitätsklinika deutschlandweit. Je nach Studienverlauf sollen zwischen 106 und 420 Patientinnen und Patienten an der Studie teilnehmen.
Über das Netzwerk Universitätsmedizin (NUM)
Im NUM führen erstmalig alle 37 deutschen Standorte der Universitätsmedizin gemeinsam große interdisziplinäre klinische Forschungsprojekte durch. Gestartet, um die COVID-19-Forschung der deutschen Universitätsmedizin zu koordinieren, liegt der Schwerpunkt heute auf der gemeinsamen Erhebung und Nutzung komplexer medizinischer Forschungsdaten im klinischen Kontext. Dafür hat das Netzwerk spezialisierte Forschungsinfrastrukturen aufgebaut.
Weitere Informationen:
https://www.netzwerk-universitaetsmedizin.de/
https://www.netzwerk-universitaetsmedizin.de/forschung/racoon-lcs
https://www.netzwerk-universitaetsmedizin.de/forschung/penguin
https://www.netzwerk-universitaetsmedizin.de/
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