Richtfest für Europas größte Laborinfrastruktur für Transfer in der Grünen Chemie
TU Berlin feiert wichtigen Baufortschritt der Chemical Invention Factory
Auf dem Campus Charlottenburg der Technischen Universität Berlin entsteht mit der Chemical Invention Factory – John Warner Center (CIF) ein europaweit einzigartiger Ort für den Transfer in der Grünen Chemie. Am 4. September 2026 feierte die TU Berlin Richtfest für den Neubau – gemeinsam mit Gästen aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft, darunter Dr. Henry Marx, Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung des Landes Berlin.
Nach ihrer Fertigstellung wird die CIF Europas größte Laborinfrastruktur speziell für wissenschaftsbasierte Transfer- und Vorgründungsteams in der Grünen Chemie sein. Forscher*innen sollen hier ihre Erkenntnisse unter praxisnahen Bedingungen weiterentwickeln, für konkrete Anwendungen validieren und den Schritt in die Gründung vorbereiten können.
Auch baulich markiert die CIF für die TU Berlin einen wichtigen Schritt: Nach dem Elektronenmikroskopie-Gebäude TEM ist sie der zweite Neubau seit vielen Jahren, den die Universität in eigener Bauherrenschaft realisiert. Rund 20 Millionen Euro stehen für das Projekt zur Verfügung. Sieben Millionen Euro davon stammen aus dem Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt und Nachhaltigkeitsfonds (SIWANA) des Landes Berlin, rund elf Millionen Euro trägt die TU Berlin. Die Bauarbeiten liegen im Zeit- und Kostenplan, die Fertigstellung ist für 2027 vorgesehen.
Zitate
Prof. Dr. Fatma Deniz, Präsidentin der TU Berlin:
„Die Chemieindustrie steht vor einer grundlegenden Transformation. Viele Technologien für eine klimaneutrale und kreislauforientierte Chemie müssen jedoch erst noch entwickelt werden. An der TU Berlin verbinden wir dafür Chemie und Chemieingenieurwesen mit Innovation und Unternehmertum. Die Chemical Invention Factory – John Warner Center (CIF) schafft künftig einen Raum, in dem spezialisierte Laborinfrastruktur, wissenschaftliche Expertise und ein starkes Innovationsökosystem zusammenkommen. So werden aus exzellenter Forschung konkrete Anwendungen und neue Unternehmen – aus Berlin für Europa.“
Dr. Henry Marx, Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung:
„Berlin setzt auf Chemie – und wir gehen dabei mit hohem Tempo voran. Mit der Chemical Invention Factory setzt Berlin gezielt auf einen Forschungs- und Innovationsbereich, der für industrielle Wertschöpfung, Nachhaltigkeit und die wirtschaftliche Zukunft unseres Standorts von großer Bedeutung ist. Damit knüpfen wir an die Forschungspolitische Strategie des Landes ebenso an wie an die Chemie-Agenda des Bundes. Unser Ziel ist klar: Exzellente Forschung soll schneller zu neuen Technologien, erfolgreichen Ausgründungen und wirtschaftlicher Wertschöpfung führen. Gerade in der Chemie hat Berlin dafür hervorragende Voraussetzungen. Die Chemical Invention Factory schließt die entscheidende Lücke zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und Gründung und schafft dafür einen Ort mit bundesweiter Strahlkraft. Dass wir nicht einmal ein Jahr nach dem Spatenstich bereits Richtfest feiern, zeigt: Berlin investiert nicht nur in dieses Zukunftsfeld – Berlin macht Tempo.“
Prof. Xaver Egger, geschäftsführender Gesellschafter der sehw architektur GmbH:
„Innovation entsteht dort, wo Menschen, Ideen und Disziplinen zusammenkommen. Die CIF verbindet einen offenen Ort der Begegnung mit einem Think Tank für forschungsbasierte Innovationen mit gesellschaftlicher Wirkung und fasst beides unter einem textilen Kleid zu einer gemeinsamen Identität zusammen.“
Holger Schöfisch, Niederlassungsleiter bei Goldbeck:
„Für uns beginnt Innovation nicht erst mit der Nutzung eines Gebäudes, sondern bereits beim Bauen selbst. Mit unserer systematisierten Bauweise schaffen wir die Voraussetzungen, auch anspruchsvolle Projekte effizient, ressourcenschonend und in hoher Qualität umzusetzen. Das heutige Richtfest zeigt, was möglich wird, wenn durchdachte Prozesse, partnerschaftliche Zusammenarbeit und das Engagement aller Beteiligten erfolgreich ineinandergreifen.“
Vom Forschungsergebnis zur praktischen Anwendung
Viele Innovationen der Grünen Chemie entstehen in wissenschaftlichen Laboren. Auf dem Weg in die Anwendung fehlt Transfer- und Vorgründungsteams jedoch häufig die geeignete Infrastruktur: spezialisierte Labore und Geräte sowie Räume, in denen sich neue Verfahren außerhalb des klassischen Forschungsbetriebs erproben lassen. Genau diese Lücke soll die Chemical Invention Factory schließen.
Der Neubau wird moderne Labor-, Analyse- und Büroräume für Teams bereitstellen, die unter anderem nachhaltige Materialien, Produktionsverfahren und chemische Prozesse entwickeln. Dabei knüpft die CIF an die Erfahrungen des INKULAB auf dem Campus Charlottenburg an. Das Pilotprojekt mit chemischen Laborcontainern, finanziert im Rahmen der IHK-Bildungsprojekte, hat früh gezeigt, wie groß der Bedarf an spezialisierter Infrastruktur für den Transfer in der Chemie ist und wie sehr räumliche Nähe und enge Zusammenarbeit innovative Lösungsansätze weiter vorantreibt.
Ein Ökosystem für Grüne Chemie
Die CIF ist Teil eines umfassenden Berliner Transferökosystems für Grüne Chemie. Universitäten, Forscher*innen, Student*innen, Start-ups, Unternehmen und weitere Partner*innen arbeiten darin gemeinsam daran, chemische Innovationen schneller in nachhaltige und kreislauforientierte Anwendungen zu überführen.
Mit der Chemical Invention Factory und dem INKULAB steht dafür spezialisierte Laborinfrastruktur zur Verfügung. Die von der Berlin University Alliance gegründete innovate! lab gGmbH ergänzt sie um einen unternehmerischen Rahmen, in dem von ihr geförderte Talente wissenschaftliche Erkenntnisse der Grünen Chemie zu gesellschaftlich und wirtschaftlich relevanten Anwendungen weiterentwickelt werden können. Mit einer Förderung von 5 Millionen Euro schafft die Joachim Herz Stiftung (JHS) die finanzielle Grundlage für den Aufbau dieses unternehmerisch geprägten Transferökosystems.
In der vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderten greenCHEM T!Raum-Initiative entwickeln die TU Berlin, die Freie Universität Berlin und die Humboldt-Universität zu Berlin gemeinsam neue Transferformate und qualifizieren Student*innen und Forscher*innen für den Weg von der Wissenschaft in die Anwendung.
So entsteht eine durchgängige Transferkette: von der Aktivierung und Qualifizierung wissenschaftlicher Talente über die Entwicklung neuer Transfer- und Gründungsmodelle bis hin zur technischen Validierung und Skalierung in spezialisierten Laboren.
TU Berlin übernimmt wieder selbst Bauverantwortung
Der Neubau der Chemical Invention Factory wird von der Bauabteilung der TU Berlin in eigener Bauherrenschaft umgesetzt. Im Mai 2025 unterzeichnete die Universität den Vertrag mit dem Generalunternehmen Goldbeck, bereits im September desselben Jahres begannen die Bauarbeiten. Ein Jahr später steht der Rohbau – das Projekt liegt damit weiterhin im vorgesehenen Zeit- und Kostenrahmen. Der Entwurf für den Neubau stammt vom Berliner Architekturbüro sehw architektur, das sich in einem Wettbewerb durchgesetzt hatte.
Die CIF ist zugleich Teil einer Reihe größerer Bauvorhaben, bei denen die TU Berlin wieder selbst als Bauherrin Verantwortung übernimmt. Auf dem Hauptcampus entsteht derzeit auch der Museums- und Ausstellungsbau TULIUM, für den Ende September Richtfest gefeiert wird. Ebenfalls noch im September beginnt mit der Sanierung des ehemaligen Gebäudes des Bauingenieurwesens, des Gebäudes B, ein weiteres umfangreiches Bauprojekt in Verantwortung der Universität.
Weitere Informationen zur Chemical Invention Factory: https://www.chemicalinventionfactory.com/
Kontakt:
Steffi Terp
Pressesprecherin
TU Berlin
E-Mail: pressestelle@tu-berlin.de
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