Willkommensschulen in Bremen - von der Ad-hoc-Maßnahme zur Regelschule?
Als 2022 immer mehr Geflüchtete aus der Ukraine nach Bremen kamen, wurden sogenannte Willkommensschulen als Ad-hoc Maßnahme eingerichtet. 2025 wurden sie im Bremer Schulgesetz befristet verstetigt. Eine Studie der Universität Bremen skizziert erstmals die Entwicklung dieser Schulen.
Als nach Beginn des Ukrainekriegs viele Geflüchtete nach Bremen kamen, stellte dies das Schulsystem Bremens vor große organisatorische Herausforderungen. Um ukrainischen Kindern einen raschen Zugang zu Bildung zu ermöglichen, wurden in der Stadt Bremen als Ad-hoc-Maßnahme „Willkommensschulen“ in notdürftig hergerichteten Gebäuden eingerichtet. Inzwischen sind Willkommensschulen Unterstützungseinrichtungen für 10- bis 15-jährige Deutschlernende unterschiedlicher Nationalitäten. Sie wurden im Schulgesetz befristet verankert und sollen ab 2028 evaluiert werden.
Eine aus Eigenmitteln der Universität Bremen finanzierte Studie stellt erstmals Informationen zur bisherigen Entwicklung der Schulen und ihrer Schüler:innen zur Verfügung. Dazu hat Dita Vogel, Senior Researcher am Arbeitsbereich Bildung in der Migrationsgesellschaft, Dokumente, Medienberichte, Interviews und Schuldaten ausgewertet.
Die Studie weist darauf hin, dass die Schulen nach und nach besser mit Räumen und Personal ausgestattet wurden, ohne aber den Standard von Oberschulen zu erreichen. In einem Bildungssystem, das eigentlich Inklusion zum Ziel hat, gingen Schüler:innen dennoch längerfristig getrennt von in Bremen Aufgewachsenen in die Schule. So zeigen die Statistiken, dass von den Schüler:innen, die im Oktober 2024 an einer Willkommensschule eingeschult waren, ein Jahr später 70 Prozent noch immer dort oder in spezialisierten Kursen für Deutschlernende im Berufsbildungssystem zur Schule gingen. Daten zu Schulabschlüssen werfen die Frage auf, ob das Recht auf qualitativ hochwertige Bildung für Neuzugewanderte im Schulalter gewährleistet wird – nicht nur an Willkommensschulen, sondern auch in den Vorkursen der Regelklassen. Hier besteht weiterer Forschungsbedarf, damit die Bildungspolitik auf wissenschaftlicher Grundlage Änderungen anstoßen kann.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Dr. Dita Vogel
Senior Researcher
FB Erziehungs- und Bildungswissenschaften
Arbeitsbereich Bildung in der Migrationsgesellschaft
Universität Bremen
Tel.: 0421‐218‐69122
E-Mail: dvogel@uni-bremen.de
Originalpublikation:
Dr. Dita Vogel: Willkommensschulen in Bremen – ein Überblick über die Entwicklung einer parallelen Beschulungsform für Neuzugewanderte (ABiM-Arbeitspapier 3/2026)
https://media.suub.uni-bremen.de/entities/publication/ea63d868-04b3-40dc-bc66-2f32433c7385
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