Wie politisch dürfen Universitäten sein – welche gesellschaftliche Verantwortung haben sie?
Podcast-Reihe von Wissenschaftskommunikator*innen der Freien Universität Berlin
Wie kann die Universität als Institution Haltung zeigen, Demokratie aktiv schützen, sich gegen undemokratische Positionen stellen? Darf sie auswählen, mit wem sie spricht – oder muss sie alle Stimmen aushalten? Welche Rechte und Pflichten haben ihre Mitglieder, wer darf was in welcher Rolle? Welche Rolle spielt für die Wissenschaft die finanzielle Abhängigkeit von ihrer jeweiligen Landesregierung?
Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt und vor Berlin und Mecklenburg-Vorpommern stellen sich diese Fragen mit noch größerer Dringlichkeit. Sie beschäftigen gleichermaßen Hochschulleitungen und ihre Kommunikator*innen in ihrer täglichen Arbeit – und das nicht erst jetzt. Ein Team der Stabsstelle Kommunikation und Marketing der Freien Universität Berlin sucht in der Podcast-Reihe „Die politische Universität. Neutralität heißt nicht Gleichgültigkeit“ (https://www.fu-berlin.de/news/schwerpunkte/schwerpunkt-politische-universitaet/index.html) Antworten auf diese Fragen.
Alle Folgen (Podcasts und Transkripte):
Folge 1: Zwischen Auftrag und Abwägen: Wie positioniert sich eine Universität zu politischen Fragen? (55:38 Min.) https://www.fu-berlin.de/news/schwerpunkte/schwerpunkt-politische-universitaet/podcast-politische-universitaet/02/index.html
Wann dürfen sich Universitäten politisch äußern – und wo liegen die rechtlichen Grenzen? Wie unterscheiden sich Meinungsfreiheit, Wissenschaftsfreiheit und parteipolitische Neutralität?
Gesprächspartner*innen: Julia Wandt, Expertin für Hochschul- und Wissenschaftskommunikation, und Stephan Schuck, Rechtsanwalt
Für Julia Wandt werden diese Begriffe in öffentlichen Debatten häufig vermischt oder instrumentalisiert. Wichtig sei: „Wissenschaft ist keine Meinung.“ Hochschulen müssten parteipolitisch neutral bleiben, daraus folge aber keineswegs, dass sie sich gesellschaftlicher Debatten grundsätzlich enthalten müssten. Auf die Frage, ob eine sprechende Hochschule die Demokratie besser schützen könne als eine schweigende, sagt sie: „Auf jeden Fall.“ Auch der Jurist Stephan Schuck sieht für Hochschulen deutlich mehr Spielraum, als der Begriff „Neutralität“ oft vermuten lässt: „Die Hochschule hat unglaublich viele Möglichkeiten, sich zu äußern.“ Entscheidend sei, dass ein Bezug zu ihren Aufgaben besteht und rechtliche Spielregeln eingehalten werden.
Folge 2: Vom Seminar ins Klassenzimmer: Wie lernen Studierende, Politik zu unterrichten? (55:01 Min.): https://www.fu-berlin.de/news/schwerpunkte/schwerpunkt-politische-universitaet/podcast-politische-universitaet/03/index.html
Soll man in einer Vorlesung über Rassismus die „Stadtbild“-Debatte aufgreifen? Wie diskutiert man im Seminar über Antisemitismus und den Nahostkonflikt? Wo endet Kontroversität – und wann braucht es klar formulierte demokratische Haltung?
Gesprächspartner*innen: Prof. Dr. Sabine Achour, Politikdidaktik, und Prof. Dr. Martin Lücke, Geschichtsdidaktik
Für Sabine Achour hat Lehrerbildung eine doppelte Aufgabe: „Es geht darum, die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer zu demokratischen Menschen zu machen“ – und sie zu befähigen, demokratische Haltung bei Schülerinnen und Schülern zu fördern.“ Geschichtsdidaktiker Martin Lücke beschreibt Schule als „sehr politisierten Raum“, in dem Fragen von Gerechtigkeit täglich neu verhandelt werden. Universitäten müssten Lehrkräfte auf solche Konflikte vorbereiten und zugleich die Freiheit von Forschung und Lehre verteidigen. Er sagt: „Demokratie verteidigt man ja nicht im Rückwärtsgang.“
Folge 3: Studentisches Engagement im Realitätscheck: Was bringt meine Stimme? (45:12 Min.); https://www.fu-berlin.de/news/schwerpunkte/schwerpunkt-politische-universitaet/podcast-politische-universitaet/04/index.html
Wie politisch ist der Campus? Welche Rolle spielt studentische Mitbestimmung in der Gremienarbeit der Freien Universität Berlin?
Gesprächspartner*innen: Antonia Luigs, „Studis gegen Rechts“, und Florian Bonkowski, Jusos
Für Antonia Luigs und Florian Bonkowski ist Universität weit mehr als ein Ort von Forschung und Lehre. Politische Debatten finden in Gremien statt, ja – aber: „Die wahre Diskussion findet meiner Meinung nach auf jeden Fall hier auf den Gängen unseres Campus statt“, sagt Florian Bonkowski. Er findet Universitäten im öffentlichen Diskurs bislang „viel zu leise“. Die beiden Studierenden wünschen sich eine Universität, die gesellschaftliche Debatten stärker mitprägt. Antonia Luigs sieht angesichts des Erstarkens rechter Kräfte eine besondere demokratische Verantwortung: „Diese Demokratie ist nicht selbstverständlich. Die kann jederzeit weg sein.“
Folge 4: Zwischen Haltung und Hashtag: Wie wirkt politische Kommunikation auf Social Media? (42:48 Min.): https://www.fu-berlin.de/news/schwerpunkte/schwerpunkt-politische-universitaet/podcast-politische-universitaet/05/index.html
Wie funktioniert politischer Streit auf Social Media? Warum wirken Kommentarspalten oft polarisierter, als die Gesellschaft tatsächlich ist? Wann sollte eine Universität Haltung zeigen – wann besser schweigen?
Gesprächspartner: Prof. Dr. Christian von Sikorski, Kommunikationswissenschaftler und Medienwirkungsforscher
Für Christian von Sikorski bieten soziale Medien wichtige Räume für politischen Austausch, bilden die öffentliche Meinung aber keineswegs zuverlässig ab. Für Universitäten sei deshalb entscheidend, sich nicht von der lautesten Debatte treiben zu lassen. Im Mittelpunkt der Hochschulkommunikation sieht Sikorski die „Kernwährung“ Wissenschaft: Universitäten könnten politische Entwicklungen wissenschaftlich einordnen und zugleich ihre freiheitlich-demokratischen Werte deutlich machen.
Folge 5: Sprechen oder schweigen? Politische Kommunikation in der Praxis? (41:02 Min.): https://www.fu-berlin.de/news/schwerpunkte/schwerpunkt-politische-universitaet/podcast-politische-universitaet/06/index.html
Müssen Universitäten zu politischen Krisen Stellung beziehen? Wie sollten sie auf Debatten reagieren, die in sozialen Medien plötzlich viral gehen?
Gesprächspartnerin: Dr. Theresa Hein, Kommunikationswissenschaftlerin und Medienunternehmerin
Für Theresa Hein gehört politische Kommunikation nicht zum Kerngeschäft von Universitäten – angesichts einer beschleunigten Öffentlichkeit werde sie aber immer wichtiger. Allerdings dürften sich Universitäten nicht von der Dynamik öffentlicher Debatten treiben lassen. Ihre Kernaufgabe sei, die „DNA“ der Universität aus Forschung, Lehre und Transfer zu bewahren. Auf die Frage, ob Universität politischer Raum oder neutraler Ort der Debatte sein sollte, antwortet Hein: „Neutraler Debattenort.“
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Sotirios Agrofylax, Politische Strategie und Kommunikation, Stabsstelle Kommunikation und Marketing, Freie Universität Berlin, E-Mail: sotirios.agrofylax@fu-berlin.de; Telefon: +49 30 838 64960
Originalpublikation:
https://www.fu-berlin.de/presse/informationen/fup/2026/fup_26_110_podcast-politische-uni-2_-bewerbung/index.html
Weitere Informationen:
https://www.fu-berlin.de/news/schwerpunkte/schwerpunkt-politische-universitaet/index.html
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