Neue DFG-Forschungsgruppe untersucht Bedeutung des Widersprechens in demokratischen Gesellschaften
Die DFG fördert eine neue Forschungsgruppe, die untersucht, welche Bedeutung das Widersprechen für demokratische Gesellschaften hat – und unter welchen Bedingungen es Teilhabe ermöglicht oder gefährdet. In sieben Teilprojekten erforscht die Gruppe „Medienpraktiken des Widersprechens in vernetzten Öffentlichkeiten“. Die DFG fördert den Verbund für zunächst vier Jahre, eine Verlängerung um weitere vier Jahre ist möglich. Sprecherin der Forschungsgruppe ist Prof. Dr. Margreth Lünenborg (Freien Universität Berlin). Außerdem ist von der FU Prof. Dr. Carola Richter, außerplanmäßige Professorin für Internationale Kommunikation als Projektleiterin und stellvertretende Sprecherin beteiligt.
Die Möglichkeit zu widersprechen, ist ein essentieller Bestandteil demokratischer Gesellschaften. Im Widersprechen kommen zuvor ungehörte Stimmen zu Wort und Autoritäten die zuvor als unantastbar galten, werden in Frage gestellt. Formen des Widersprechens sind keineswegs neuartige Phänomene, aber mit digitalen Medien sind deren Möglichkeiten und Formen vielfältiger, lauter und schneller geworden. Öffentlichkeiten werden damit zeitlich unbeständiger, dynamisch und fragil. Diese Prozesse fordern gesellschaftliche Verständigungsprozesse in hohem Maße heraus, denn aggressive, lautstarke und verletzende Formen des Widersprechens stellen zugleich die Bedingungen des demokratischen Diskurses in Frage. So lässt sich Widersprechen als paradoxe Intervention in Öffentlichkeiten verstehen.
Die Forschungsgruppe umfasst sieben Projektleiterinnen aus der Kommunikations- und Medienwissenschaft aus ganz Deutschland: Neben Wissenschaftlerinnen der Freien Universität Berlin sind Forschende der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, der Universität Augsburg, der Universität Münster sowie der Filmuniversität Babelsberg beteiligt. Gemeinsam werden sie zeitgenössische digitale, aber auch historische Formen des Widersprechens mit und in Medien untersuchen.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Analyse von Praktiken des Widersprechens unter Bedingungen gesellschaftlicher Ungleichheit, etwa in Bezug auf Geschlecht, kulturelle Zugehörigkeit, soziale Klasse sowie ökonomische Teilhabe. Die Forschenden gehen der Frage nach, wer in öffentlichen Debatten Gehör findet, wer widersprechen kann und wessen Stimmen eingeschränkt oder zum Schweigen gebracht werden. Dabei nehmen sie sowohl die Strukturen der Medien selbst in den Blick – etwa Plattformökonomien und deren Regeln sowie Formen der Zensur – als auch gesellschaftliche Bedingungen, die die Handlungsmöglichkeiten verschiedener Akteur*innen beeinflussen.
Die beiden Projekte an der Freien Universität Berlin widmen sich unterschiedlichen historischen und aktuellen Formen des Widersprechens. Ein Projekt untersucht, wie migrantische Journalist*innen seit den 1960er Jahren versucht haben, zu widersprechen und später diesen Widerspruch zu institutionalisieren. Das zweite Vorhaben befasst sich mit den Medienpraktiken pro-palästinensischer Aktivist*innen und untersucht, wie deren öffentliche Artikulationsmöglichkeiten durch Plattform-Politiken oder durch politische Interventionen eingeschränkt werden.
„Ziel unserer Forschungsgruppe ist es, unser Verständnis von Öffentlichkeiten weiterzuentwickeln. Konflikte, Interventionen und Widersprechen sind keineswegs zwangsläufig problematisch, sondern oftmals erforderlich, um marginalisierte Positionen hörbar zu machen. Doch wir müssen genauer verstehen, unter welchen Bedingungen Widersprechen zur Inklusion bislang ungehörter Stimmen führt und wann es demokratische Strukturen gefährdet“, erklärt Prof. Dr. Margreth Lünenborg. „Angesichts aktueller, oftmals in scharfer Kontroverse geführter öffentlicher Debatten, kann unsere Forschungsgruppe wichtige Beiträge liefern zu einem besseren Verständnis der Gelingensbedingungen demokratischer Teilhabe am Diskurs.“ (cxm)
Weitere Informationen
- zur DFG-Pressemitteilung: https://www.dfg.de/de/aktuelles/neuigkeiten-themen/pressemitteilungen/2026/pressemitteilung-nr-36
Kontakt:
- Prof. Dr. Margreth Lünenborg, Freie Universität Berlin, Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, E-Mail: margreth.luenenborg@fu-berlin.de
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. Margreth Lünenborg, Freie Universität Berlin, Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, E-Mail: margreth.luenenborg@fu-berlin.de
Weitere Informationen:
https://www.dfg.de/de/aktuelles/neuigkeiten-themen/pressemitteilungen/2026/pressemitteilung-nr-36
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