FAU verleiht Menschenrechtspreis an venezolanische Aktivistin Ligia Bolívar
Preis erstmals unter dem neuen Namen „FAU Rudolf Benario Human Rights Award“ vergeben
Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat den diesjährigen FAU Human Rights Award an die venezolanische Soziologin und Menschenrechtsaktivistin Prof. Ligia Bolívar vergeben. Bolívar nahm ihn am Montag, 28. September 2026, abends im Nürnberger Marmorsaal aus der Hand von FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger persönlich entgegen. Der Preis würdigt Bolívars herausragende weltweite Beiträge zur Förderung der Menschenrechte, insbesondere ihr Engagement für Migrant/-innen und Geflüchtete sowie ihre Bemühungen, Menschenrechtsverletzungen in Venezuela zu dokumentieren. Zugleich markiert die diesjährige Verleihung – die dritte ihrer Art – die Umbenennung des Preises: Künftig trägt er den Namen „FAU Rudolf Benario Human Rights Award“. Für die Umbenennung war mit Dr. Shmuel Hirschmann ein Nachfahre von Rudolf Benario angereist.
„Der FAU Rudolf Benario Human Rights Award verbindet die Erinnerung an einen ermordeten Doktoranden unserer Universität mit der Würdigung von Menschen, die sich heute unter oft schwierigen Bedingungen für Würde, Freiheit und Rechte einsetzen“, erklärte FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger anlässlich der Preisverleihung. „Dass der Preis seit diesem Jahr den Namen Rudolf Benarios trägt, erinnert uns daran, dass Menschenrechte nie nur eine abstrakte Idee sind, sondern eine konkrete Verpflichtung. Mit Professorin Ligia Bolívar ehren wir eine Persönlichkeit, die sich mit Fachwissen, Mut und Verantwortungsbewusstsein für die Rechte von Migrantinnen und Migranten sowie Geflüchteten und für die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen in Venezuela einsetzt. Ihr Wirken zeigt, wie aus Wissen und Mut Handeln wird.“
Preisträgerin Ligia Bólivar wies in ihrer Dankesrede noch einmal sehr entschieden auf geltendes Recht hin: „Asyl und Bewegungsfreiheit sind international anerkannte Rechte – doch die Reaktionen darauf sind aktuell häufig Kriminalisierung, die Externalisierung von Grenzen und die kalkulierte Nutzung des Themas in Wahlkämpfen. Es bleibt unsere Pflicht, von Staaten einzufordern, dass sie sich an die Verträge halten, die sie selbst unterzeichnet haben.“
Umbenennung des Preises zu Ehren von Rudolf Benario
Mit der Umbenennung ehrt die FAU ein Mitglied ihrer eigenen akademischen Gemeinschaft, das sich früh und entschlossen gegen das NS-Regime wandte: Dr. Rudolf Benario. Benario wurde am 20. September 1908 in Frankfurt am Main geboren und studierte ab 1927 Sozial- und Rechtswissenschaften in Erlangen, Würzburg und Berlin. Schon während seines Studiums engagierte er sich in der „Arbeitsgemeinschaft Republikanischer Studenten“ und war Vorsitzender der Jungsozialisten der SPD in Fürth; 1931 trat er zur KPD über.
Am 28. Januar 1933 – nur zwei Tage bevor Reichspräsident Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte – verlieh die Universität Erlangen Benario den Doktortitel für Staatswissenschaften. Wenige Wochen später, in der Nacht des Reichstagsbrands eingeleiteten Massenverhaftungen, wurde Benario am 10. März 1933 verhaftet. Am 11. April wurde er in das Konzentrationslager Dachau überstellt, wo ihn die SS am folgenden Tag, dem 12. April 1933, gemeinsam mit drei weiteren Häftlingen ermordete. Die nationalsozialistische Propaganda verbreitete, die Männer seien „bei einem Fluchtversuch erschossen“ worden. Benario zählt damit zu den ersten dokumentierten Opfern der NS-Mordmaschinerie – und zu den ersten Todesopfern aus der Fürther und Erlanger Region.
„Mit der Benennung des Preises nach Rudolf Benario verbinden wir die Würdigung gegenwärtiger Menschenrechtsarbeit mit dem Gedanken an jene, die Widerstand geleistet haben – und dafür mit dem Leben bezahlt haben“, sagt Prof. Dr. Eva Pils, Humboldt-Professorin, Vorständin des FAU Research Center for Human Rights Erlangen-Nürnberg sowie Inhaberin des Lehrstuhls für Human Rights Law an der FAU.
Dr. Shmuel Hirschmann, Nachfahre von Rudolf Benario, war persönlich zur Preisverleihung angereist. In einem sehr persönlich geprägten Beitrag erinnerte er an Benario und machte deutlich, welch große Relevanz die Umbenennung des Preises gerade in aktuellen Zeiten hat.
Über die Preisträgerin Ligia Bolívar
Ligia Bolívar ist eine der einflussreichsten Menschenrechtsstimmen Lateinamerikas. Als Gründerin des Venezolanischen Programms für Bildung und Aktion im Bereich Menschenrechte (PROVEA) hat sie maßgeblich an der Entwicklung der Menschenrechtsbewegung in Venezuela mitgewirkt; PROVEA gilt heute als eine der führenden Nichtregierungsorganisationen in Südamerika.
Bolívar war Direktorin des Zentrums für Menschenrechte der Universidad Católica Andrés Bello (UCAB) in Caracas, an der sie heute als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig ist. Zudem war sie regionale Vertreterin von Amnesty International für Lateinamerika und die Karibik, Spanien und Portugal. In dieser Funktion wie auch als Beraterin verschiedener Organisationen – darunter das Interamerikanische Institut für Menschenrechte – setzte sie sich über Jahrzehnte für die Stärkung zivilgesellschaftlicher Menschenrechtsarbeit ein. Auch leitete sie ein Projekt zur Beteiligung der Zivilgesellschaft im Rahmen der Justizreforminitiative des Obersten Gerichtshofs von Venezuela.
Aufgrund der politischen Verfolgung lebt Bolívar derzeit im Exil in Kolumbien. In den vergangenen Jahren hat sie sich nachdrücklich gegen autoritäre Tendenzen sowohl in der aktuellen Maduro-Regierung in Venezuela als auch in der Trump-Regierung in den Vereinigten Staaten ausgesprochen. Ihr Einsatz unter prekären Bedingungen und bei erheblichem persönlichem Risiko war für die Jury ein zentrales Argument: Sie berücksichtigte bei ihrer Entscheidung die Beiträge der Nominierten zur akademischen wie zur aktivistischen Menschenrechtsarbeit, die Schwere des Drucks, denen sie ausgesetzt sind, sowie das Anliegen, auf eine besonders dringliche globale Menschenrechtssituation aufmerksam zu machen.
Von 14. September bis zum 12. Dezember 2026 forscht Ligia Bolívar im Rahmen des DFG-finanzierten FAU-Exzellenzclusters „Transforming Human Rights“ als Gastwissenschaftlerin an der FAU.
Bilder von der Verleihung zum Download:
https://www.fau.de/2026/09/news/universitaet/fau-verleiht-menschenrechtspreis-an-venezolanische-aktivistin-ligia-bolivar/
Mehr zum Preis und zur Veranstaltung:
https://www.humanrights.fau.de/2026/09/02/fau-rudolf-benario-human-rights-award-feierliche-preisverleihung-an-ligia-bolivar/
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Stabsstelle Presse und Kommunikation
Tel.: 09131/85-70229
presse@fau.de
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
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Weitere Informationen:
https://www.fau.de/2026/09/news/universitaet/fau-verleiht-menschenrechtspreis-an-venezolanische-aktivistin-ligia-bolivar/ Bilder von der Verleihung zum Download
https://www.humanrights.fau.de/2026/09/02/fau-rudolf-benario-human-rights-award-feierliche-preisverleihung-an-ligia-bolivar/ Mehr zum Preis und zur Veranstaltung
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