Uni Kiel setzt ihren Entwicklungsweg nach Exzellenzbewerbung fort
Zentrale Impulse aus „Connecting Horizons“ sollen weiterverfolgt werden
Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) erhält nicht den Status einer Exzellenzuniversität. „Natürlich hätten wir uns ein anderes Ergebnis gewünscht“, sagt Vizepräsident Prof. Dr. Eckhard Quandt. „Aber wir haben die Bewerbung von Anfang an auch als Chance verstanden, unsere strategische Entwicklung als Universität voranzutreiben. Vieles, was in diesem Prozess entstanden oder bereits angestoßen worden ist, bleibt für die CAU richtig und von Bedeutung.“
Vizepräsidentin Prof. Dr. Catherine Cleophas dankt den Wissenschaftler*innen, den Beschäftigten in Wissenschaft und Verwaltung, den Studierenden sowie den zahlreichen Partner*innen, die an der Bewerbung mitgewirkt haben. „Die Bewerbung hat viele Menschen aus unterschiedlichen Bereichen der Universität und darüber hinaus zusammengebracht. Senat und Präsidium, Wissenschaft und Verwaltung haben diesen Prozess gemeinsam getragen. Dabei sind neue Ideen und Kooperationen entstanden, aber auch Vertrauen, Kontakte und ein besseres Verständnis füreinander gewachsen.“
„Für Wissenschaftler*innen in frühen und mittleren Karrierephasen hat der Exzellenzwettbewerb neue Möglichkeiten geschaffen, die Entwicklung der CAU aktiv mitzugestalten“, sagt Prof. Dr. Jan Steinkühler, Inhaber des Lehrstuhls für Bio-inspired Computation und in die Vor-Ort-Begutachtung durch die Expertenkommission eingebunden. „Dabei sind viele neue Verbindungen über Fächer und Forschungsschwerpunkte hinweg entstanden. Diese Dynamik schafft neue Möglichkeiten für gemeinsame Forschung.“
„Der Exzellenzwettbewerb hat gezeigt, wie viel Potenzial in der CAU steckt und wie wichtig es ist, dass Studierende die Entwicklung einer Universität mitgestalten“, sagt Lea-Marie Lopau, Vorstandsmitglied des Allgemeinen Studierendenausschusses und ebenfalls an der Vor-Ort-Begutachtung beteiligt. „Wir wünschen uns, dass die wertvollen Impulse aus der Exzellenzbewerbung weiterverfolgt werden, besonders für ein Studium, das fächerübergreifend denkt, Wissen in die Gesellschaft kommuniziert und von Lehrenden und Lernenden gemeinsam weiterentwickelt wird.“
Vom Ostseeraum aus globale Herausforderungen angehen
Mit ihrem Zukunftskonzept „Connecting Horizons. From the Baltic Perspective to Global Impact.“ hat die CAU ihre Lage im Ostseeraum zum Ausgangspunkt ihrer institutionellen Strategie gemacht. Die Region ist für die Universität dabei mehr als ein geografischer Bezugspunkt: Ökologische, technologische, gesellschaftliche und geopolitische Veränderungen werden hier wie unter einem Brennglas sichtbar. Viele dieser Herausforderungen überschreiten nationale und disziplinäre Grenzen und lassen sich nur im Zusammenspiel unterschiedlicher wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Perspektiven bearbeiten. Die CAU versteht den Ostseeraum deshalb als gemeinsamen Forschungs- und Kooperationsraum.
Die „Baltic Perspective“ verbindet dementsprechend Forschung, Studium und Lehre, Transfer und Talententwicklung mit einem gemeinsamen Ziel: Herausforderungen von regionaler Bedeutung inter- und transdisziplinär zu bearbeiten und daraus Erkenntnisse und Lösungsansätze zu gewinnen, die auch über den Ostseeraum hinaus relevant und wirksam sind. Dafür hat die CAU fünf miteinander verbundene strategische Ziele und entsprechende Maßnahmen entwickelt.
„Der Ostseeraum bietet uns herausragende Möglichkeiten, komplementäre wissenschaftliche Expertisen ebenso zusammenzubringen wie unterschiedliche kulturelle und gesellschaftliche Perspektiven“, sagt Quandt. „Dabei können wir auf langjährig gewachsene Partnerschaften und neue Verbindungen in der Region bauen. Diese Beziehungen wollen wir strategisch weiterentwickeln, um drängende Forschungsfragen gemeinsam anzugehen und neue Forschungsverbünde auf den Weg zu bringen.“
Ein Beispiel für die Maßnahmen, die zu diesem Ziel weiterhin beitragen werden, ist der Baltic DenkRaum. In diesem international und interdisziplinär ausgerichteten Forschungsinkubator werden Wissenschaftler*innen unterschiedlicher Disziplinen und Karrierestufen sowie internationale Partner*innen für je ein Semester zu ausgewählten Themen zusammengebracht. Daraus sollen neue Forschungsansätze und Kooperationen entstehen, die perspektivisch in gemeinsame Verbundvorhaben und Konsortien münden können.
Forschungsstärken neu verbinden
Die stärkere Verbindung von Disziplinen und Forschungsbereichen ist ein weiteres zentrales Anliegen von „Connecting Horizons“. An den Schnittstellen ihrer vier etablierten Forschungsschwerpunkte hat die CAU sechs sogenannte „Emerging Fields“ mit besonderem Potenzial für fachübergreifende Forschung identifiziert: Evolutionsbiologie, Medizintechnik, Küstensensorik, Energiewendeforschung, Agrarsensorik sowie Frieden und Sicherheit. Diese Forschungsfelder greifen wissenschaftlich dynamische Themen mit hoher gesellschaftlicher Relevanz auf, für deren Bearbeitung Expertise aus mehreren Forschungsschwerpunkten zusammengeführt werden muss. Damit rücken neben den etablierten Forschungsstärken zunehmend auch deren Verbindungen untereinander in den Blick.
„Gerade im Ostseeraum zeigt sich, wie eng Landwirtschaft, Wasserqualität und Biodiversität zusammenhängen“, sagt Prof. Dr. Sandra Spielvogel, Professorin für Bodenkunde und wissenschaftliche Leiterin des ersten Baltic DenkRaum-Projekts. „Der Bewerbungsprozess hat uns darin bestärkt, im Emerging Field Agrarsensorik Expertise über Fach- und Ländergrenzen hinweg zusammenzuführen. So können im Ostseeraum gemeinsam Lösungen entstehen, die auch Erkenntnisse für vergleichbare Herausforderungen in anderen Regionen der Welt liefern.“
„Im Zuge der Bewerbung haben wir sehr genau darauf geschaut, wo unsere besonderen Stärken liegen, wo neue wissenschaftliche Potenziale entstehen und wie wir diese miteinander verbinden können“, sagt Cleophas. „Entscheidend ist für uns, aus wissenschaftlicher Stärke auch Wirkung zu entfalten – in Forschung und Lehre, aber ebenso im Austausch mit Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Darin sehen wir als Landesuniversität eine besondere Verantwortung.“
Wissenschaftliche Stärke als Basis institutioneller Entwicklung
Die aktuelle Bewerbung knüpft an eine Entwicklung an, die die CAU seit rund 20 Jahren konsequent verfolgt. Aus der fakultätsübergreifenden Bündelung wissenschaftlicher Stärken entstanden die vier Forschungsschwerpunkte, die heute das Rückgrat des Forschungsprofils bilden.
Aus der Profilbildung ist die Erfolgsgeschichte der Exzellenzcluster in den Bereichen Entzündungsmedizin und Archäologie hervorgegangen. Beide Cluster-Teams konnten 2025 zum vierten Mal mit ihrer Forschung im nationalen Wettbewerb überzeugen. Flankierend entwickelte die CAU ihre institutionellen Strukturen weiter, unter anderem in Internationalisierung, Transfer und Digitalisierung. „Connecting Horizons“ zeigt auf, wie diese strategische Linie konsequent fortgeführt werden könnte, um die künftige Entwicklung der CAU strategisch auszurichten.
Mit der Entscheidung der Exzellenzkommission endet damit die aktuelle Bewerbung der CAU als Exzellenzuniversität, nicht aber die strategische Entwicklung, in die sie eingebettet ist.
An diese Entwicklung möchte auch der designierte Präsident der CAU Prof. Dr. Michal Kucera anknüpfen, der sein Amt am 1. November 2026 antritt: „Mit zwei Exzellenzclustern gehört die CAU nach wie vor zu den erfolgreichen Forschungsuniversitäten des Exzellenzwettbewerbs. Die CAU verfügt über ein klares und international sichtbares wissenschaftliches Profil und hat ein dichtes Netz an Partnerschaften aufgebaut. Gerade im Ostseeraum liegt großes Potenzial, den strategischen Austausch zwischen Universitäten und Forschungsinstituten weiterzuentwickeln und sich gemeinsam den globalen Herausforderungen zu stellen. Im Rahmen der Exzellenzbewerbung sind viele neue hervorragende Ideen, Verbindungen und Perspektiven entstanden. Sie bilden einen starken Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung der Universität.“
Weitere Informationen:
https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/174-exzellenzverkuendung
Ähnliche Pressemitteilungen im idw