Automobil- und Maschinenbau: So kommen Innovationen von der Forschung in die industrielle Praxis
Künstliche Intelligenz, digitale Zwillinge und softwarebasierte Fahrzeuge eröffnen neue Chancen für Produktion und Mobilität. Für Unternehmen ist dabei die entscheidende Frage, wie Technologien schnell in die praktische Anwendung kommen. Beim Transformations-Gipfel 2026 zeigten Wirtschaft, Wissenschaft und Innovationsnetzwerke dafür konkrete Wege auf. Mehr als 300 Teilnehmende diskutierten auf Einladung des InnovationsCampus Mobilität der Zukunft (ICM) und des von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS) koordinierten Transformationsnetzwerks CARS 2.0 neue Transferformate, digitale Produktionslösungen und internationale Technologiekooperationen.
„Kleine und mittlere Betriebe aus Automobil- und Maschinenbau brauchen einen unkomplizierten Zugang zu neuen Technologien, Forschungsergebnissen und den richtigen Partnern, um den technologischen Wandel zu meistern“, erklärt Michael Kaiser, Geschäftsführer der WRS. „Gerade der Zugang zu wissenschaftlicher Unterstützung ist etwas, mit dem sich kleinere Unternehmen oft schwertun. Hier setzt der Transformations-Gipfel an. Vertreter*innen von Unternehmen können sich hier auf Augenhöhe mit Wissenschaftler*innen austauschen und gemeinsam Herausforderungen angehen.“
Stärken des Standorts für einen wirksamen Transfer verbinden
Baden-Württemberg verfügt über eine starke Forschungslandschaft, eine leistungsfähige Industrie und etablierte Innovationsnetzwerke. Entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts ist es, diese Kompetenzen noch enger zu verknüpfen und vorhandenes Wissen schneller in wirtschaftliche Anwendungen zu überführen.
„Wir wollen, dass aus exzellenter, interdisziplinärer Forschung Zukunftstechnologien werden, die in Gesellschaft und Wirtschaft nachhaltig Wirkung entfalten“, betont Prof. Manfred Bischoff, Prorektor für Forschung und nachhaltige Entwicklung der Universität Stuttgart. „Baden-Württemberg bietet hierfür hervorragende Voraussetzungen. Entscheidend ist, dass wir die Kompetenzen aus der Forschung, der Industrie und aus unserem Innovationsökosystem noch enger miteinander verbinden. Der Transformations-Gipfel schafft dafür den Raum.“
So konnten Unternehmen eigene Fragestellungen direkt in die Forschung einbringen, neue technologische Ansätze kennenlernen, internationale Partner finden und Kontakte zu wissenschaftlichen Einrichtungen und Innovationsnetzwerken aufbauen.
Unternehmen und Forschung gemeinsam Lösungen finden lassen
Der Gipfel beschäftigte sich vor allem mit der Frage, wie vorhandene Forschungskompetenz gezielt für die gegenwärtigen Herausforderungen baden-württembergischer Unternehmen nutzbar gemacht werden kann. Hierfür stellte der ICM seinen neuen Transfer-Booster vor: Unternehmen bringen technologische Fragestellungen ein und entwickeln gemeinsam mit Forschenden der Universität Stuttgart und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) Lösungsansätze für die industrielle Praxis.
Die InnovationChallenges sollen Unternehmen ansprechen, die neue Technologien nutzen möchten, für die Entwicklung neuer Lösungen aber zusätzliche wissenschaftliche Expertise oder geeignete Kooperationspartner benötigen.
„Wissenschaft und Technik müssen der Gesellschaft etwas zurückgeben. Die InnovationChallenges bringen Unternehmen und Forschende zusammen, um reale industrielle Herausforderungen gemeinsam zu bearbeiten. So entsteht ein direkter Austausch, der neue Erkenntnisse schneller in die Anwendung bringt“, sagt Professor Thomas Hirth, Vizepräsident für Transfer und Internationales des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).
Neue Ansätze für die digitale Produktion
Wie dieser Transfer praktisch aussehen kann, zeigten verschiedene Sessions des Transformations-Gipfels. Im Themenfeld Digitalisierung der Produktion ging es unter anderem darum, Fertigungsprozesse mithilfe digitaler Zwillinge, strukturierter Daten und intelligenter Verfahren zu optimieren. Expert*innen stellten neue Ansätze vor, die direkt nutzbar sind – von der KI-gestützten Maschinenentwicklung über standardisierte Datenmodelle bis hin zur sensorbasierten Prozessüberwachung. „Die industrielle Transformation verlangt von der Industrie, unter hoher Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben und zugleich neue Geschäftsfelder zu erschließen,“ sagt Max Hoßfeld, Geschäftsführer des ICM. “Gerade darin liegt auch eine Chance: Wenn wir Produktion konsequent in Fähigkeiten denken und von starren Maschinen- und Prozesszuordnungen lösen, entstehen neue technische Optionen, zusätzliche Wege zur Wertschöpfung und mehr Spielraum für unsere Unternehmen.“
Zukunftsperspektiven für Elektromobilität, Fahrzeugtechnik, Weiterbildung und Qualifizierung
Auch neue Möglichkeiten durch internationale Kooperationen standen im Fokus: Eine Session zur Elektromobilität brachte deutsche und kanadische Unternehmen gezielt miteinander ins Gespräch. Die Teilnehmenden konnten potenzielle Technologie- und Entwicklungspartner kennenlernen und Möglichkeiten für gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte ausloten. Die Kontakte können ein Ausgangspunkt für gemeinsame Fördervorhaben, technologische Kooperationen und einen Markteinstieg in Kanada sein.
Abgerundet wurde das Programm durch Zukunftsperspektiven für die Fahrzeugtechnik, Weiterbildung und die Qualifizierung von Mitarbeitenden. Es standen Technologien wie angepasste Absicherungsmethoden und -prozesse im Mittelpunkt, die im Software-Defined Vehicle zukünftig an Bedeutung gewinnen. Sie bringen neue Anforderungen mit sich, eröffnen der Automobilindustrie zugleich aber auch neue Chancen. Zum anderen ging es um neue Kompetenzanforderungen, die mit der zunehmenden Digitalisierung für Beschäftigte einhergehen, und um flexible Lernformate, mit denen sie neue Technologien kennenlernen und deren Einsatz praxisnah im eigenen Unternehmen erproben können.
Zu ICM und CARS2.0:
Der InnovationsCampus Mobilität der Zukunft (ICM) ist die gemeinsame Forschungsplattform der Universität Stuttgart und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) für Mobilität und Produktion und wird durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg gefördert.
Das Gemeinschaftsprojekt CARS2.0 wird von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS) koordiniert, gemeinsam mit dem Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft e. V., der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart sowie der IG Metall Baden-Württemberg umgesetzt und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.
Das Matchmaking mit kanadischen Unternehmen wurde zusammen mit dem National Research Council of Canada (NRC) und mit Unterstützung der e-mobil BW GmbH durchgeführt.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Dr.-Ing. Max Hoßfeld, Geschäftsführer, InnovationsCampus Mobilität der Zukunft, Tel.: +49 711 685-60947, E-Mail: info@icm-bw.de
Weitere Informationen:
https://www.uni-stuttgart.de/universitaet/aktuelles/meldungen/Innovationen-von-der-Forschung-in-die-Industrie-bringen/
https://www.icm-bw.de/
https://cars.region-stuttgart.de/
https://www.uni-stuttgart.de/forschung/profil/production-technologies/
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