Verwaltungsnachwuchs aus der Region: Landratsamt und Hochschule Nordhausen schließen Kooperationsvertrag
Nordhausen, 8. Oktober 2026. Praxisorientiertes Bachelorstudium verbindet Hörsaal und Kreisverwaltung – die ersten beiden Absolventen sind fertig, Bewerbungen für 2027 sind ab sofort möglich
Die Hochschule Nordhausen und das Landratsamt Nordhausen bilden Nachwuchs für die öffentliche Verwaltung gemeinsam aus. Am 5. Oktober 2026 unterzeichneten Hochschulpräsident Prof. Dr. Jörg Wagner und Landrat Matthias Jendricke einen Kooperationsvertrag zum praxisorientierten Bachelorstudium im Bereich Public Management. Nachwuchskräfte, die das Landratsamt auswählt, studieren damit von Beginn an mit vertraglicher Bindung an die Kreisverwaltung und wechseln während des gesamten Studiums zwischen Hochschule und Behörde.
Das Modell betrifft den Bachelorstudiengang Öffentliche Betriebswirtschaft/Public Management (B.A.). Der Studiengang sieht ohnehin zwei Praxisphasen von insgesamt zwölf Monaten vor, das entspricht 1.800 Arbeitsstunden. Im praxisorientierten Modell absolvieren die Studierenden diese Zeit nicht bei wechselnden Stellen, sondern durchgängig im Landratsamt. Die praktische Arbeit ist von Anfang an fest in den Studienverlauf eingebunden. Der Vertrag regelt die Zusammenarbeit beider Partner, insbesondere bei der Vermittlung von Anwendungswissen und praktischen Erfahrungen. Das Studium bereitet auf Aufgaben im gehobenen Dienst der öffentlichen Verwaltung vor.
Für das Landratsamt ist die Kooperation auch eine Antwort auf den Fachkräftemangel. „Mit den ersten beiden Absolventen sehen wir, dass dieses Modell funktioniert. Acht weitere Nachwuchskräfte sind derzeit noch im Studium“, sagt Landrat Matthias Jendricke. „Der Mangel an Nachwuchs ist auch in der öffentlichen Verwaltung deutlich spürbar. Deshalb ist es für uns wichtig, junge Menschen frühzeitig für unsere Behörde zu gewinnen und sie gemeinsam mit der Hochschule auszubilden.“ Bewerbungen für den Studienstart 2027 nimmt das Landratsamt bereits entgegen. Für Masterstudierende bietet das Landratsamt zudem entsprechende Arbeitszeitmodelle (Teilzeit) an.
Einer der beiden Absolventen zieht eine klare Bilanz: „Ich würde diese Form des Studierens weiterempfehlen. Man verdient schon während des Studiums Geld. Und besonders praktisch: Was man an der Hochschule lernt, nimmt man mit zur Arbeit, und was man bei der Arbeit lernt, nimmt man mit ins Studium.“ Abgeschlossen ist seine Ausbildung damit noch nicht: Er schließt nun den Masterstudiengang Public Management & Governance an der Hochschule Nordhausen an.
Prof. Dr. Stefan Zahradnik, Dekan des Fachbereichs Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, sieht den Nutzen auch in der Lehre: „Wer praxisorientiert studiert, kennt die Abläufe einer Kreisverwaltung aus eigener Erfahrung. Die Studierenden bringen konkrete Fragen aus ihrem Arbeitsalltag mit in die Lehrveranstaltungen, etwa zum Haushaltsrecht, zur Digitalisierung von Verwaltungsprozessen oder zur Personalplanung. Davon profitieren auch ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen, weil Theorie so an echten Fällen überprüft werden kann.“
Hochschulpräsident Prof. Dr. Jörg Wagner ordnet die Kooperation regional ein: „Gut ausgebildete Verwaltungsfachleute sind für eine Region wie Nordhausen keine Nebensache. Von ihnen hängt ab, wie schnell Anträge bearbeitet, Fördermittel abgerufen oder digitale Angebote für Bürgerinnen und Bürger umgesetzt werden. Wenn wir diese Fachkräfte gemeinsam mit dem Landratsamt hier vor Ort ausbilden, steigt die Chance, dass sie auch in der Region bleiben.“
Interessierte, die das praxisorientierte Studium beim Landratsamt Nordhausen beginnen möchten, finden Informationen zur Bewerbung unter www.landkreis-nordhausen.de/ausbildung. Informationen zu den Studiengängen gibt es unter www.hs-nordhausen.de.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. Stefan Zahradnik, Dekan des Fachbereichs Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
https://www.hs-nordhausen.de/kontaktverzeichnis/z/zahradnik-stefan-prof-dr/
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