10 Jahre GMbC: Kieler Initiative zur Bewahrung der globalen Mikrobiomvielfalt
CAU-Mikrobiomforschende Mathilde Poyet und Mathieu Groussin bringen seit einem Jahrzehnt das Global Microbiome Conservancy-Projekt voran, das der Sammlung, Erforschung und Konservierung der weltweiten Artenvielfalt des Darmmikrobioms dient.
Die mikrobielle Besiedlung des Körpers, speziell des Darms, ist von zentraler Bedeutung für die menschliche Gesundheit. Die Gesamtheit der darin enthaltenen Mikroorganismen, das sogenannte Mikrobiom, ist an zahlreichen Lebensprozessen zentral beteiligt; ist es gestört, können verschiedene Krankheiten wie zum Beispiel chronische Entzündungen entstehen. Das Mikrobiom ist sehr variabel und unterscheidet sich zum Beispiel zwischen verschiedenen Individuen, je nach geografischer Herkunft oder Lebensstil einer Bevölkerungsgruppe. Allerdings geht die Vielfalt an Mikroorganismen, die in Mikrobiomen enthalten sein können, in industrialisierten Regionen stetig zurück; wahrscheinlich aufgrund aktueller Veränderungen in Ernährung und Lebensstil – und diese Verarmung des Darmmikrobioms könnte sich negativ auf die menschliche Gesundheit auswirken.
Globale Initiative zur Bewahrung der mikrobiellen Artenvielfalt
An der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, ist eine Initiative beheimatet, die sich der Bewahrung dieser Vielfalt an Mikroorganismen verschrieben hat. Vor 10 Jahren gründeten Professorin Mathilde Poyet und Professor Mathieu Groussin von CAU und UKSH die Global Microbiome Conservancy (GMbC), damals noch als wissenschaftliche Mitarbeitende am Massachusetts Institute of Technology (MIT).
Die GMbC ist seitdem stetig gewachsen und als globale Initiative tätig, die in verschiedenen Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen an der Sammlung von Mikrobiomproben von unterrepräsentierten und nicht-industrialisierten Bevölkerungsgruppen arbeitet. In Zusammenarbeit mit Partnerinstitutionen in rund 30 Ländern tragen die GMbC-Mitglieder damit umfangreich zur Konservierung der gesamten Vielfalt des menschlichen Darmmikrobioms bei. Kürzlich feierten die GMbC-Mitglieder gemeinsam mit zahlreichen internationalen Kolleginnen und Kollegen das zehnjährige Jubiläum mit einem wissenschaftlichen Symposium zu den Ursprüngen und der weiteren Entwicklung des erfolgreichen Projekts. Die zweitägige Veranstaltung brachte Hunderte von Teilnehmende aus rund 60 Ländern weltweit zusammen.
Poyet und Groussin sind seit 2022 am Institut für Experimentelle Medizin (IEM) und Institut für Klinische Molekularbiologie (IKMB) der Medizinischen Fakultät der CAU und des UKSH gemeinsam mit ihren Forschungsgruppen tätig. Für ihre wegweisenden Forschungsarbeiten zum Mikrobiom hat das renommierte US-amerikanische TIME Magazine sie in der Kategorie „Innovators“ in die TIME100 Next-Liste aufgenommen. Die TIME100 Next-Liste zeichnet weltweit 100 aufstrebende Führungspersönlichkeiten und Talente aus. In den letzten zehn Jahren haben Poyet und Groussin gemeinsam mit lokalen Forschenden und Gemeinschaften Mikrobiomproben von mehr als 2.000 Menschen aus mehr als 70 Gemeinschaften in Amerika, Afrika, Asien und Europa gesammelt. Daraus haben sie über 10.000 Bakterienstämme aus mehr als 450 Artengruppen kultiviert und sequenziert – darunter auch einige, von denen man lange Zeit annahm, dass sie im Labor nicht gezüchtet werden können. Die Sammlung steht Forschenden weltweit zur Verfügung und soll die gemeinschaftliche Weiterentwicklung der Mikrobiomforschung unterstützen.
Sammlung, Erforschung und Konservierung von Mikrobiomen
Kernaufgaben der GMbC sind neben der Sammlung von Mikrobiomproben aus aller Welt vor allem die Aufbewahrung der daraus gewonnenen Isolate verschiedener, teils bis dato unbekannter Bakterienarten. Die umfangreiche GMbC-Biobank in Kiel, die sowohl Isolate, als auch vollständige Mikrobiomproben enthält, dient als Grundlage für eine umfangreiche Erforschung der Zusammenhänge von Mikrobiomzusammensetzung und Gesundheit.
Poyet und Groussin sind zudem als Sprecherin und Sprecher des Kiel Metaorganism Centers (KMC) im Rahmen des CAU-Forschungsschwerpunkt Kiel Life Science (KLS) aktiv, das auf Kooperationen mit den renommiertesten europäischen Forschungseinrichtungen im Bereich der Mikrobiomforschung abzielt. Sie sind außerdem Mitglieder im Sonderforschungsbereich (SFB) 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“, sowie im Exzellenzcluster „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI) aktiv. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit im GMbC-Projekt liegt in der Frage, wie geografische Herkunft, Lebensstil und Mikrobiomzusammensetzung zusammenhängen. Im Exzellenzcluster PMI bringen Poyet und Groussin ihre Expertise in die Entzündungsforschung ein: Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen untersuchen sie, welche Funktionen des Mikrobioms chronische Entzündungen fördern oder ihnen entgegenwirken.
Weiterhin zielt die GMbC darauf ab, die gewonnenen Erkenntnisse und potenzielle Nutzen nach ethischen Standards im Sinne des Nagoya-Protokolls mit den Ursprungsländern zu teilen. Zusätzlich sind verschiedene Maßnahmen zum Capacity Building in den am Projekt beteiligten Ländern eine zentrale Säule des Projekts. „Im Namen der Kieler Lebenswissenschaften möchte ich Mathilde Poyet und Mathieu Groussin zum 10-jährigen Bestehen der GMbC-Initiative gratulieren: Beide spielen eine entscheidende Rolle, um die Kieler Metaorganismusforschung auf der internationalen Bühne zu vertreten und eine enge Vernetzung mit unseren Kolleginnen und Kollegen auf der ganzen Welt voranzutreiben - und so entscheidend zur Bewahrung der mikrobiellen Diversität beizutragen“, betont KLS-Sprecher Professor Thomas Bosch.
„Poyet und Groussin haben mit der GMbC eine weltweit einzigartige Forschungsgrundlage geschaffen, um die globale Vielfalt des menschlichen Mikrobioms zu erfassen und seine Bedeutung für Gesundheit und Krankheit besser zu verstehen. Dies zeigt eindrucksvoll, auf welchem Niveau in Kiel geforscht wird und schafft die Voraussetzung für neue Ansätze in der Prävention und Behandlung von Krankheiten“, so Professor Joachim Thiery, Dekan der Medizinischen Fakultät der CAU und Vorstand für Forschung und Lehre des UKSH, Campus Kiel.
Bilder stehen zum Download bereit:
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Bildunterschrift: Vor 10 Jahren gründeten Professorin Mathilde Poyet und Professor Mathieu Groussin von CAU und UKSH die Global Microbiome Conservancy (GMbC), eine globale Initiative zur Bewahrung der mikrobiellen Artenvielfalt.
© privat/Mathieu Groussin/Fotostudio Renard
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Bildunterschrift: Die GMbC-Mitglieder haben gemeinsam mit lokalen Forschenden und Gemeinschaften Mikrobiomproben von mehr als 2.000 Menschen aus mehr als 70 Gemeinschaften in Amerika, Afrika, Asien und Europa gesammelt.
© GMbC
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Bildunterschrift: Poyet und Groussin haben gemeinsam mit ihren Forschungsteams über 10.000 Bakterienstämme aus mehr als 450 Artengruppen kultiviert und sequenziert – diese Sammlung soll die gemeinschaftliche Weiterentwicklung der Mikrobiomforschung weltweit unterstützen.
© GMbC
Weitere Informationen:
Global Microbiome Conservancy (GMbC):
https://microbiomeconservancy.org
Forschungsschwerpunkt Kiel Life Science (KLS), CAU:
https://www.kls.uni-kiel.de
Cluster of Excellence „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI):
https://www.precisionmedicine.de
Sonderforschungsbereich (SFB) 1182
„Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“, CAU:
https://www.metaorganism-research.com
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Prof. Mathieu Groussin
Genomics and Functions of Host Microbiome Systems (Leitung)
Institut für Klinische Molekularbiologie,
Medizinische Fakultät, CAU/UKSH
Tel.: 0431-500 -15198
E-Mail: m.groussin@ikmb.uni-kiel.de / Website:
https://mmmicrobiomelab.org
Prof. Mathilde Poyet
Intestinal Microbiology, (Leitung)
Institut für Experimentelle Medizin,
Medizinische Fakultät, CAU/UKSH
Tel.: 0431-500 -15140
E-Mail: m.poyet@iem.uni-kiel.de / Website:
https://mmmicrobiomelab.org
Weitere Informationen:
https://microbiomeconservancy.org
https://www.kls.uni-kiel.de
https://www.precisionmedicine.de
https://www.metaorganism-research.com
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