„Die Vernunft wird menschlicher“: HHL ehrt Hanna und Antonio Damasio für Lebenswerk
Zum Auftakt des 5. Public Value Festivals in Lissabon hat die HHL Leipzig Graduate School of Management die Neurowissenschaftler Prof. Dr. Hanna Damasio und Prof. Dr. Antonio Damasio mit dem Public Value Lifetime Achievement Award ausgezeichnet. Das Forscherpaar untersucht, wie Gefühle, Entscheidungen und Bewusstsein im Gehirn entstehen. Ihre Arbeiten prägen Neurowissenschaft, Psychologie und Philosophie weltweit. Ein internationales Konsortium unter wissenschaftlicher Leitung der HHL veranstaltet das Festival.
Am 12. und 13. Oktober 2026 diskutieren Forschende und Praktizierende unter der Leitfrage „AI for the People: Changing What We Value?“, wie Künstliche Intelligenz verändert, was Menschen und Gesellschaft für wertvoll halten. Im Mittelpunkt: die Zukunft von Arbeit, Bildung und Verwaltung, die Macht über Daten und Entscheidungen sowie der Wert menschlicher Kompetenz.
Hanna und Antonio Damasio erforschen, wie Gefühle unser Bewusstsein formen
Das Forscherpaar stammt aus Lissabon und arbeitet heute an der University of Southern California in Los Angeles. Hanna Damasio leitet dort das Dana and David Dornsife Cognitive Neuroscience Imaging Center. Mit Computertomographie und Magnetresonanztomographie macht sie Aufbau und Funktion des lebenden Gehirns sichtbar. Antonio Damasio leitet das Brain and Creativity Institute. Er erforscht, wie das Gehirn Gefühle, Entscheidungen und schließlich Bewusstsein hervorbringt.
Warum die Vernunft das Gefühl braucht
In seiner Laudatio würdigte Prof. Dr. Timo Meynhardt, Inhaber des Dr. Arend Oetker Lehrstuhls für Wirtschaftspsychologie und Führung an der HHL, wie das Werk des Forscherpaares Biologie und Gemeinwohl verbindet. Ihre zentrale These: Bewusstsein entsteht aus den Vorgängen in einem lebendigen Körper, der sich fortwährend selbst regulieren muss. Gefühl, Geist und Bewusstsein bleiben damit Teil der Natur. Antonio Damasio spricht von „natürlicher Intelligenz“.
Für Meynhardt korrigiert dieser Ansatz eine Übertreibung der Aufklärung: die Vorstellung einer Vernunft, die frei und unabhängig vom Körper entsteht. Die Damasios zeigen auf, dass Vernunft an einen verletzlichen Organismus gebunden ist, an Gefühle und an die ständige Arbeit, am Leben zu bleiben. Zugleich zieht ihr Werk eine Grenze zum Irrationalen. Es kennt weder körperlose Seelen noch Kräfte jenseits der Wissenschaft. Auch Gefühle sind körperlich und lassen sich erforschen.
Für die Gemeinwohlforschung ist diese Einsicht zentral. Antonio Damasio beschreibt Kultur und soziale Ordnungen als Fortsetzung jener Selbstregulation, die jedes Leben sichert. Wie ein Organismus sein Gleichgewicht immer wieder herstellt, müssen auch Gesellschaften laufend austarieren, was sie zusammenhält. Für Meynhardt wurzelt Gemeinwohl deshalb darin, was Menschen erleben und als fair, vertrauenswürdig und lebenswert empfinden. In einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz scheinbar ohne zu fühlen rechnet und urteilt, erinnert die Arbeit der Damasios daran, worauf menschliches Urteilen beruht: „Die Vernunft wird nicht schwächer, wenn sie ihre Wurzeln im Gefühl anerkennt“, sagt Meynhardt. „Sie wird menschlicher.“
Die Verleihung fand am 11. Oktober bei einem Galadinner an der ISEG – Lisbon School of Economics and Management statt.
Public Value Festival
Das Public Value Festival wurde 2022 vom Lehrstuhl für Wirtschaftspsychologie und Führung der HHL und der Stadt Lissabon initiiert. Jährlich versammelt es ein internationales Fachpublikum aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung, um neue Ansätze für das Gemeinwohl zu besprechen. Die HHL leitet das Festival wissenschaftlich. Organisiert wird es von einem internationalen Konsortium, darunter die HHL, die Lissaboner Stadtgemeinde Estrela, ISEG – Lisbon School of Economics and Management, TIAS School for Business and Society, Forum Gemeinwohl e.V., Guts ‘n Values und die Niederländisch-Portugiesische Handelskammer. Weitere Informationen unter https://publicvalue.pt/
Die HHL Leipzig Graduate School of Management
ist eine universitäre Hochschule mit Promotions- und Habilitationsrecht. Laut Financial Times-Ranking zählt sie zu den führenden internationalen Business Schools und erreicht global Top-Platzierungen in den Bereichen Karriereberatung, Alumni-Netzwerk und Gehalt nach Graduierung. Ziel der ältesten betriebswirtschaftlichen Hochschule Deutschlands ist die Ausbildung unternehmerisch denkender, verantwortungsbewusster und leistungsfähiger Führungspersönlichkeiten. Die HHL zeichnet sich aus durch exzellente Lehre, klare Forschungsorientierung und praxisnahen Transfer sowie hervorragenden Service für ihre Studierenden. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft hat die HHL 2025 zum siebten Mal in Folge als Gründerhochschule Nummer 1 in Deutschland ausgezeichnet. Aus der HHL sind in den letzten 30 Jahren über 550 Unternehmensgründungen hervorgegangen mit mehr als 40.000 Mitarbeitenden. Als erste deutsche private Business School wurde die HHL durch die international renommierte AACSB akkreditiert und erlangte diesen Qualitätsstatus seither fünf Mal in Folge. Mehr Daten zur HHL unter https://www.hhl.de/de/die-hhl/
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