Hierarchie war gestern: Pflegemanagement im Spezialklinikum
Das erste Leitungstrio für Intensivpflege am HDZ NRW hat seine Arbeit aufgenommen. Das Team beweist: Moderne Pflegeleitung als gemeinsamer, dynamischer Prozess hat viele Vorteile – vor allem für die Patientinnen und Patienten.
Herz- und Diabeteserkrankungen benötigen eine spezialisierte Versorgung – besonders bei schweren und komplexen Fällen auf der Intensivstation.
„Wir brauchen hochqualifizierte Teams, die sich selbst organisieren - bei klar verteilten Aufgaben“, sagt Christian Siegling, Pflegedirektor im Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen. Das erfordere ein Umdenken: weg vom klassischen, hierarchisch geprägten Führungsstil. „Leitungen, die Zusammenarbeit aktiv vorleben und sich auf Augenhöhe unterstützen, werden immer wichtiger.“
Expertise allein reiche im Pflegealltag nicht aus. „So wie Top-Fußballspieler noch lange keine Mannschaft bilden, gilt es, vielfältige Pflegekompetenzen zukunftsfähig zu bündeln“, betont Siegling. „Niemand weiß mehr alles - aber jeder weiß etwas, das er einbringen kann. Teambildung ist eine dauerhafte Aufgabe.“
Idee, Wissenschaft und Praxis
Dass Denis Beyer, Sarah Lohmeier und Anika Sanio auf der herzchirurgischen Intensivstation E0.1 im HDZ NRW ein Team bilden, sieht man auf den ersten Blick. Gemeinsam tragen sie die Verantwortung für die Organisation, Ausbildung, Evaluierung und Praxis aller pflegerelevanten Maßnahmen auf ihrer Station.
Stationsleiter Denis Beyer beschreibt das so: „Taucht bei mir eine Frage oder ein Verbesserungsvorschlag auf, gehen wir das gemeinsam an. Sarah recherchiert und bewertet Pflegeprozesse, Anika klärt den Schulungsbedarf, ich koordiniere die Abstimmung mit anderen Stationen. So entsteht ein gemeinschaftlich getragenes, evidenzbasiertes Konzept – mit echtem Mehrwert für alle.“
Im Leitungstrio wird die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt – bei klarer Rollen- und Aufgabenverteilung. „Indem wir etablierte Abläufe neu bewerten, theoretisches und praktisches Wissen zusammenführen, gewinnen wir noch dazu Raum, um über Innovationen nachzudenken“, sagen alle drei.
Denis Beyer, Sarah Lohmeier und Anika Sanio haben ihre Fachweiterbildungen und ein Studium mit jeweils individuellem Schwerpunkt abgeschlossen. Bei Beyer war es das Pflegemanagement, bei Lohmeier Pflegewissenschaft und bei Anika Sanio Pflegepädagogik. Erstmals sind sie nun als „Leitungs-Dreieck“ auf ihrer Station tätig. „Das war ein Prozess, an dem wir uns aktiv beteiligen durften“, so das Trio. Gleiche Strukturen sind bereits für weitere sechs Intensivstationen etabliert und in sechs weiteren Stationen und Funktionsbereichen in der Umsetzung.
„Hier gemeinsam auch neue Pflegekonzepte für unsere Patienten zu entwickeln, ist ein guter Weg“, findet Sarah Lohmeier. „Das erhöht die Zufriedenheit im Team, und genau das möchten wir weitergeben.“ Neue gemeinsame Vorhaben und Schulungen plant Anika Sanio als Expertin für die didaktische Umsetzung für alle Beschäftigten der Station systematisch: „Wir füllen den Beruf mit Leben. Entscheidungen gemeinsam zu tragen und jeden Tag mit voller Aufmerksamkeit für unsere Patientinnen und Patienten da zu sein - was könnte es Schöneres geben?“
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Auf einen Blick: Das Leitungstrio der Intensivpflegestation E0.1 (Herzchirurgie):
Denis Beyer B.A., Stationsleitung
Sarah Lohmeier B.Sc., Teamleitung Pflegewissenschaft
Anika Sanio B.A., Teamleitung Pflegepädagogik
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Hintergrundinfo:
Kollektive Kompetenz statt Alleinverantwortung
Als Reaktion auf akuten Personalmangel entstanden bereits Anfang der 1980er-Jahre in den USA erste Konzepte, um Führungs- und Entscheidungskompetenzen im Pflegealltag auf die operativen Teams zu übertragen. Es entwickelten sich flache Hierarchien, gemeinsame Entscheidungsfindung und entsprechende Gremien für Dienstplanung, Qualitätsstandards und Pflegemethoden (Shared Governance/Shared Decision Making). Ab 2003 etablierte sich der Begriff „Shared Leadership“, der ab 2010 von der Organisationspsychologie in das Pflegemanagement übertragen wurde.
Im Gegensatz zu traditionellen Modellen bündelt Shared Leadership die Leitungsverantwortung nicht bei einer einzelnen Person. Stattdessen teilen sich mehrere Führungskräfte die Verantwortung – mit klar definierten fachlichen Schwerpunkten, gemeinsamen Entscheidungen und verbindlicher Gesamtverantwortung.
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Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, mit 43.000 Patientinnen und Patienten jährlich, davon 14.800 in stationärer Behandlung, sowie 1.300 ambulanten Operationen zu den größten und modernsten Zentren seiner Art in Europa.
Aktuell sind mehr als 2.800 Mitarbeitende, davon 1.600 Pflege- und Funktionskräfte, am HDZ NRW beschäftigt. Im Einklang mit moderner Hochleistungsmedizin und menschlicher Nähe wird im interdisziplinären Einvernehmen eine Behandlung sichergestellt, die langfristig die bestmögliche Lebensqualität verspricht. Maßstäbe für die hohe Pflegequalität sind etablierte Standards aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie ein qualitätsorientiertes Aus-, Fort- und Weiterbildungskonzept.
Weitere Informationen:
Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
Medizinische Fakultät OWL (Universität Bielefeld)
Unternehmenskommunikation
Leitung: Anna Reiss, Pressesprecherin (V.i.S.d.P.)
Georgstr. 11
32545 Bad Oeynhausen
Tel. 05731 97-1955
Fax 05731 97-2028
E-Mail: info@hdz-nrw.de
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Dipl. Pflegewirt (FH) Christian Siegling
Pflegedirektor
Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen
Weitere Informationen:
https://youtu.be/pb1iOVfP6Ls
https://www.hdz-nrw.de
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