Kreislaufgerechtes Bauen: In-LUST erweitert Forschung um technische Gebäudeausrüstung
Das Forschungsprojekt „RE-LOOP-TGA“ der Hochschule Düsseldorf untersucht, wie technische Gebäudekomponenten aus Heizungs-, Lüftungs- und Elektrosystemen aufbereitet und wiederverwendet werden können. Ziel ist es, durch digitale Plattformen, standardisierte Prüfverfahren und neue Geschäftsmodelle Ressourcen zu schonen und CO₂-Emissionen im Bauwesen zu reduzieren. Das vom Institut In-LUST koordinierte Projekt läuft bis Mai 2029 und wird vom Bund mit rund 897.000 Euro gefördert.
Das Institut für lebenswerte und umweltgerechte Stadtentwicklung (In-LUST) der Hochschule Düsseldorf (HSD) erweitert mit dem Forschungsprojekt „RE-LOOP-TGA“ seinen Forschungsschwerpunkt zum kreislaufgerechten Bauen um die technische Gebäudeausrüstung (TGA). Gemeinsam mit Partnern aus der Praxis untersucht das Institut, wie Komponenten etwa aus Heizungs-, Lüftungs- oder Elektrosystemen systematisch aufbereitet und wiederverwendet werden können. Damit nimmt das Projekt einen bislang wenig betrachteten Bereich des kreislaufgerechten Bauens in den Blick: Obwohl die TGA lediglich rund ein bis vier Prozent der Gebäudemasse ausmacht, kann sie für bis zu 50 Prozent der grauen CO₂-Emissionen eines Gebäudes verantwortlich sein. Das dreijährige Vorhaben hat ein Gesamtvolumen von rund 1,12 Millionen Euro und wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) mit rund 897.000 Euro gefördert. Die Projektlaufzeit hat im Juni 2026 begonnen; Ende Juli kamen die Projektbeteiligten zum offiziellen Kick-off am In-LUST zusammen.
„Mit RE-LOOP-TGA erweitern wir unseren Forschungsschwerpunkt zum kreislaufgerechten Bauen um einen Bereich, der bislang noch vergleichsweise wenig Beachtung findet. Gerade die technische Gebäudeausrüstung bietet trotz ihres geringen Anteils an der Gebäudemasse ein großes Potenzial, Ressourcen und graue Emissionen einzusparen. Wir wollen deshalb die Voraussetzungen dafür schaffen, hochwertige Komponenten nicht nur einmal zu nutzen, sondern sie systematisch in neue Nutzungskreisläufe zu überführen“, sagt Prof. Dr.-Ing. Eike Musall, Leiter des In-LUST und Verbundkoordinator des Projekts.
Während die Wiederverwendung im Bauwesen bislang vor allem bei konstruktiven Bauteilen und im Innenausbau eine Rolle spielt, werden Komponenten der technischen Gebäudeausrüstung trotz des hohen Ressourceneinsatzes häufig nur einmal genutzt und anschließend stofflich recycelt. Viele dieser Komponenten sind jedoch standardisiert und grundsätzlich für einen Rück- und Wiedereinbau geeignet. Dafür fehlen bislang unter anderem einheitliche Prüfverfahren, Möglichkeiten zur digitalen Rückverfolgbarkeit, geeignete Zwischenlager und wirtschaftlich tragfähige Geschäftsmodelle.
Hier setzt RE-LOOP-TGA an: Im Projekt entsteht eine integrierte Daten- und Logistikplattform, die relevante Akteur*innen entlang der Prozesskette vom Rückbau bis zum Wiedereinbau miteinander vernetzt. TGA-Komponenten sollen systematisch rückgebaut, geprüft und kategorisiert sowie ihre Lebenszyklus- und Nutzungsdaten digital erfasst werden. Dafür erarbeiten die Projektpartner standardisierte Prüf- und Qualitätsprozesse, interoperable Schnittstellen und digitale Produktpässe. In Pilotanwendungen und Workshops werden anschließend die logistischen Abläufe, Plattformfunktionen und mögliche Geschäftsmodelle erprobt und validiert. Auch der Aufbau eines Online-Marktplatzes für zirkuläre TGA-Komponenten ist vorgesehen.
Die Hochschule Düsseldorf übernimmt über das In-LUST die Verbundkoordination. Projektpartner sind die Wilhelm Knepper GmbH & Co. KG und die Concular GmbH. Eine besondere Rolle kommt dem Handwerk zu: Rückbauunternehmen können geeignete Komponenten für eine weitere Nutzung gewinnen und Handwerksbetriebe diese anschließend wieder in den Nutzungskreislauf zurückführen. Damit will das Projekt zusätzliche ressourcenschonende Alternativen zum Einsatz neuer Komponenten in öffentlichen und privaten Bauvorhaben schaffen. Gleichzeitig sollen insbesondere kleine und mittlere Unternehmen von neuen Geschäftsmodellen und Marktchancen rund um wiederverwendbare TGA-Komponenten profitieren.
Das Projekt läuft bis zum 31. Mai 2029. Mit RE-LOOP-TGA wollen die Beteiligten Voraussetzungen dafür schaffen, hochwertige TGA-Komponenten länger im Nutzungskreislauf zu halten, indem sie digitale, logistische und wirtschaftliche Prozesse miteinander verbinden. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, zirkuläre Wertschöpfung stärker im Bauwesen zu verankern.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Professor Eike Musall: eike.musall@hs-duesseldorf.de
Weitere Informationen:
https://lust.hs-duesseldorf.de/projekte/re-loop-tga/Seiten/default.aspx
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