Tenure-Track, Tandem-Mentoring, Lehrerbildung: Neue Ergebnisse aus der Hochschulforschung
Wie fair sind Tenure-Track-Verfahren, hilft Mentoring Ärztinnen und Ärzten in ihren Forschungskarrieren, und wie reagiert das Lehramtsstudium auf sich ändernde Anforderungen des Berufs? Diese und weitere Themen finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Open-Access-Zeitschrift Beiträge zur Hochschulforschung, herausgegeben vom Bayerischen Staatsinstitut für Hochschulforschung und Hochschulplanung.
„Die Beiträge dieser Ausgabe behandeln hochaktuelle Fragestellungen sowohl wissenschaftlich fundiert als auch praxisrelevant“, sagt Dr. Maike Reimer, geschäftsführende Herausgeberin der Zeitschrift. „Wir danken den Gutachterinnen und Gutachtern, die in Zeiten einer viel diskutierten Krise des Peer Review erneut unverzichtbare Arbeit geleistet und die Artikel dieser Ausgabe auf das Niveau gehoben haben, auf dem wir sie ihnen präsentieren.“
Wie fair sind die Evaluationssysteme ausgestaltet, die bei den Tenure-Track-Verfahren an deutschen Universitäten zum Einsatz kommen? Carolin Vogler, Claudia Begemann, Jasmin M. Kizilirmak und Julia Röwert analysieren institutionelle Regelungen sowie individuelle Erfahrungen. Unter Verwendung eines mehrdimensionalen Fairnesskonzeptes legen sie dar, dass ein Spannungsverhältnis zwischen fairer Verfahrensgestaltung und hochschulspezifischer Autonomie besteht, auch wenn das Evaluationssystem von Bewerberinnen und Bewerbern oft positiv bewertet wird.
Wie kann ein Tandem aus Mentorinnen oder Mentoren mit unterschiedlichen Profilen die Forscherkarrieren klinisch tätiger Ärztinnen und Ärzte (Clinician Scientists) unterstützen? Christina Elhalaby, Maike Reimer und Bianca Burkert zeigen anhand von Befragungsdaten, dass das Tandem-Modell in der Phase der Facharztweiterbildung, in der sich viele aufgrund der hohen Belastung von der wissenschaftlichen Laufbahn abwenden, sehr positiv eingeschätzt wird. Die Anforderungen an das wissenschaftliche Mentoring und das klinische Mentoring sind dabei in vielfacher Hinsicht ähnlich; es gibt jedoch auch subtile Unterschiede, die mit den unterschiedlichen Kontexten der Zusammenarbeit zusammenhängen.
(Wie) wird empirische Evidenz in der Qualitätsentwicklung von Studium und Lehre an Hochschulen genutzt, und wovon hängt dies ab? Zwischen Hochschulen bestehen deutliche Unterschiede darin, ob Forschungsergebnisse überhaupt zur Kenntnis genommen oder sogar systematisch in Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Die auf Basis einer Interviewstudie gewonnenen Ergebnisse von Julia Rathke, Kerstin Janson und René Krempkow zeigen, dass es dabei auf die Einbettung in vorhandene zentrale und dezentrale Strukturen sowie die Anschlussfähigkeit an konkrete Fragestellungen ankommt.
Wie umfassend bereiten hochschulische und berufsbildende Curricula auf die Herausforderungen und Besonderheiten der Ganztagsgrundschule vor? Dieses Thema ist bisher in den Studienordnungen nur punktuell vorhanden, wie Jil Schmetz-Wolf, Nicole Bellin-Mularski, Kim Hartung, Simone Dunekacke und Marianne Schüpbach untersucht haben. Aus Sicht der Autorinnen ist eine gute multiprofessionelle Kooperation für das Erreichen der mit dem Ausbau der Ganztagsschule verbundenen gesellschaftlichen Ziele unabdingbar ist. Daher empfehlen sie eine systematische Integration der zentralen Themen in allen relevanten Qualifizierungsangeboten.
Studienzufriedenheit im Sportlehramt – welche Faktoren sind hier ausschlaggebend? An Studierende im Sportlehramt werden zusätzlich zu den kognitiven auch sportmotorische Leistungsanforderungen gestellt. Zudem identifizieren sich Studierende häufig besonders stark mit ihrem Fach. Vor diesem Hintergrund zeigen Andre Magner, Alexander Greif und Kathrin Kohake Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Studierenden auf und diskutieren Handlungsoptionen von Hochschulen, um eine höhere Studienzufriedenheit und geringere Belastung aller Studierenden zu erreichen.
Warum ist in den letzten Jahren der Anteil von Professorinnen an privaten Hochschulen für angewandte Wissenschaften deutlich stärker gestiegen als an staatlichen? Okka Zimmermann und Ester Höhle belegen, dass zum einen die unterschiedlichen Fächerstrukturen eine Rolle spielen, zum anderen eine Entwicklung stattfindet, bei der viele Professuren an privaten Hochschulen durch neu berufene, jüngere Personen besetzt werden.
Wie hat sich das digitale Mediennutzungsverhalten von Studienanfängerinnen und -anfängern an einer Technischen Universität von 2022 bis 2024 verändert? Einhergehend mit der Verbreitung von generativen KI‑Tools konstatieren Sandra Schön, Martin Ebner, Bettina Mair und Walther Nagler eine Verschiebung bezüglich Bekanntheit, Nutzung und Einstellung gegenüber unterschiedlichen digitalen Werkzeugen und diskutieren diese im Hinblick auf die digitale Souveränität im Hochschulbereich.
Die Beiträge zur Hochschulforschung zählen zu den führenden wissenschaftlichen Zeitschriften im Bereich der Hochschulforschung im deutschsprachigen Raum. Die Open-Access-Zeitschrift zeichnet sich durch hohe Qualitätsstandards, ein anonymes Peer-Review-Verfahren, ein breites Themenspektrum und eine große Reichweite aus. Präsentiert werden unterschiedliche Formate wie quantitative und qualitative empirische Analysen, Vergleichsstudien, Überblicksartikel, Einblicke in die Praxis und Standpunkte. Die Zeitschrift wird vom IHF herausgegeben.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Ansprechpartnerin am IHF ist Dr. Maike Reimer, Tel. 089 21234 315, E-Mail: beitraege@ihf.bayern.de
Originalpublikation:
Das Heft 02/2026 ist ab sofort frei verfügbar unter https://openjournals.fachportal-paedagogik.de/bzh/issue/view/11
Weitere Informationen:
https://Eine Druckfassung kann per E-Mail angefordert werden (beitraege@ihf.bayern.de).
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