Bundesfamilienministerium fördert Aufbau sorgender Gemeinschaften
KDA startet dreijähriges Projekt PALAS – bundesweites Netzwerk und acht Modellstandorte geplant
Wie können Menschen vor Ort füreinander Sorge tragen – und wie können professionelle Versorgung, Kommunen, Zivilgesellschaft und Nachbarschaften dabei besser zusammenwirken? Mit dem neuen Projekt PALAS - Perspektiven und Angebote für Lokale Akteure in Sorgenden Gemeinschaften - sollen tragfähige Strukturen für sogenannte Caring Communities entwickelt und erprobt werden. Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) finanziert das Vorhaben und hat das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) mit der Umsetzung beauftragt. Das Projekt läuft vorerst bis Juni 2029.
Ausgangspunkt ist eine Herausforderung, die angesichts des demografischen Wandels weiter an Bedeutung gewinnt: Trotz deutlicher Fortschritte in der Hospiz- und Palliativversorgung bestehen in Deutschland regionale Unterschiede beim Zugang zu Unterstützungs- und Versorgungsangeboten. Insbesondere in ländlichen und strukturschwachen Regionen sind spezialisierte Angebote teilweise weniger gut ausgebaut. Gleichzeitig möchten viele Menschen ihre letzte Lebensphase möglichst in ihrem vertrauten sozialen Umfeld verbringen. Angehörige und Zugehörige stoßen bei der Begleitung schwerkranker Menschen jedoch häufig an Grenzen.
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Karin Prien: „In Würde zu Altern ist ein menschliches Grundbedürfnis und eine Aufgabe, für die wir als Gesellschaft gemeinsam Verantwortung tragen. Dafür braucht es verlässliche Strukturen, die allen Menschen offenstehen, unabhängig von ihrem Wohnort oder ihrem familiären Umfeld. Das Projekt PALAS hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, professionelle Angebote, kommunale Verantwortung und bürgerschaftliches Engagement stärker zusammenzubringen. Sogenannte sorgende Gemeinschaften schaffen so Orte, an denen Menschen Unterstützung, Wertschätzung und Zugehörigkeit erfahren – und das in ihrem vertrauten Umfeld. Mein herzlicher Dank gilt allen, die sich bei PALAS, oder darüber hinaus, dafür einsetzen, dass Menschen auch im Alter Teil einer lebendigen Gemeinschaft bleiben können.“
PALAS greift dafür das Konzept der Caring Communities, der sorgenden Gemeinschaften, auf. Der Ansatz hat Wurzeln in der Hospizbewegung: Sterben, Tod und Trauer werden dabei nicht ausschließlich als Aufgabe professioneller Versorgung verstanden, sondern auch als gesellschaftliche und gemeinschaftliche Aufgabe. PALAS entwickelt diesen Gedanken weiter. Sorgegemeinschaften sollen nicht erst am Lebensende greifen, sondern als lokale Unterstützungsstrukturen Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen erreichen.
Dazu baut das KDA ein bundesweites Netzwerk auf, das Akteurinnen und Akteure aus Hospiz- und Palliativversorgung, Kommunen, Sozialraum- und Quartiersarbeit, Zivilgesellschaft, Wohlfahrtspflege und Wissenschaft zusammenführt. Vorgesehen sind regelmäßige Austausch- und Lernformate. Parallel werden bis zu acht Modellstandorte ausgewählt. Dort soll praktisch erprobt werden, wie lokale Caring Communities unter unterschiedlichen Bedingungen, etwa in städtischen, ländlichen oder strukturschwachen Räumen, aufgebaut und nachhaltig verankert werden können.
Dr. Alexia Zurkuhlen, Vorständin des Kuratoriums Deutsche Altershilfe: „Die Modellorte sind für uns Lernorte. Wir wollen herausfinden, was sorgende Gemeinschaften vor Ort erfolgreich macht, wo Hindernisse liegen und welche Rahmenbedingungen es braucht. Dieses Wissen soll nicht an den Modellstandorten bleiben: Unser Ziel ist es, Ansätze herauszuarbeiten, die auch anderen Kommunen und lokalen Akteuren Orientierung geben und sich auf unterschiedliche Bedingungen übertragen lassen.“
Die Ergebnisse sollen bundesweit nutzbar gemacht werden – unter anderem über Good-Practice-Beispiele, ein praxisorientiertes Handbuch sowie Handlungsempfehlungen für Praxis und Politik.
Über PALAS
PALAS steht für „Perspektiven und Angebote für lokale Akteure in Sorgenden Gemeinschaften“. Das vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanzierte und vom Kuratorium Deutsche Altershilfe umgesetzte Projekt läuft von Juli 2026 bis Juni 2029. Ziel ist es, Caring Communities weiterzuentwickeln, ihre Umsetzung in unterschiedlichen lokalen Kontexten zu erproben und Erkenntnisse für eine bundesweite Übertragung zu gewinnen.
Über das KDA
Das Kuratorium Deutsche Altershilfe Wilhelmine Lübcke Stiftung e.V. arbeitet und forscht für eine Verbesserung der Lebensqualität und Selbstbestimmung älterer Menschen. Schirmherr des KDA ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Seit 60 Jahren setzt das KDA gesellschafts- und sozialpolitische Impulse und entwickelt gemeinsam mit Partnern Lösungskonzepte und Modelle, die es dann in Projekten evaluiert und oftmals erfolgreich in die praktische Anwendung bringt. Es trägt durch seine Impulse, Projekte, Beratung, Fortbildungen, Tagungen und Veröffentlichungen wesentlich dazu bei, die Lebens- und Versorgungsqualität älterer Menschen zu verbessern und die Rahmenbedingungen hierfür generationenübergreifend zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Als Ideengeber und Vorreiter für innovative Lösungsansätze leistet es als unabhängige, überparteiliche Organisation wertvolle Dienste für das Gemeinwesen.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Greta Ollertz, Projektleitung: greta.ollertz@kda.de
Originalpublikation:
https://kda.de/bundesfamilienministerium-foerdert-aufbau-sorgender-gemeinschaften/
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