„Es braucht eine nachhaltige Förderung von Cochrane Deutschland“
Berlin, 14. Oktober 2026 · Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) warnt vor einer Verschlechterung der Versorgungsqualität für Patientinnen und Patienten durch weitere Kürzungen im Bereich der wissenschaftlichen Medizin in Deutschland. Die AWMF fordert eine nachhaltige Finanzierung von Cochrane Deutschland und die bundesweite Förderung evidenzbasierter medizinischer Entscheidungshilfen.
„Die AWMF begrüßt alle Maßnahmen, die die nachhaltige Sicherung und Weiterentwicklung von Cochrane Deutschland unterstützen“, erklärt Prof. Rolf-Detlef Treede, Präsident der AWMF. „Cochrane Deutschland erstellt hochwertige systematischer Übersichtsarbeiten und trägt damit maßgeblich dazu bei, wissenschaftliche Evidenz für klinische Entscheidungen zu vermitteln und diese in der Leitlinienentwicklung der medizinischen Fachgesellschaften zu implementieren. Wenn die Finanzierung der nationalen Cochrane-Struktur nicht verstetigt wird, sind Qualitätseinbußen bei der Gesundheitsversorgung unvermeidlich“, führt Prof. Treede aus.
„Die zunehmende Informationsdichte und die wachsenden Anforderungen an die Qualität gesundheitsbezogener Entscheidungen erfordern eine unabhängige und wissenschaftlich fundierte Bewertung der verfügbaren Evidenz. Cochrane Deutschland erfüllt hierbei eine zentrale Funktion für Kliniker, Forschende, Gesundheitsberufe, Entscheidungstragende sowie für Patientinnen und Patienten“, sagt Prof. Ina Kopp, Leiterin des AWMF-Instituts für Medizinisches Wissensmanagement (IMWi).
In diesem Frühjahr wurden im Rahmen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes bereits Kürzungen beim Innovationsfonds am Gemeinsamen Bundesausschusses beschlossen. „Diese Kürzungen betreffen unmittelbar die Entwicklung medizinischer Leitlinien und geben bereits Anlass zur Sorge um die Förderung wissenschaftlicher Evidenz in der Versorgung, fügt Prof. Kopp hinzu.
„Wir sehen immer mehr Kürzungen in Bereichen, die wissenschaftliche Entscheidungshilfen ermöglichen. Dies verhält sich konträr zu den Bestrebungen der Bundesregierung, eine Gesundheitsversorgung, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht, zu fördern. Wir fordern daher eine nachhaltige finanzielle Förderung dieser Strukturen und Projekte“, so Prof. Treede abschließend.
Hintergrund
Cochrane Deutschland erstellt hochwertige systematische Übersichtsarbeiten und verpflichtet sich dabei hohen Qualitätsstandards und der Unabhängigkeit von kommerziellen Interessen. Diese bilden die Basis für die Entwicklung diagnostischer und therapeutischer Leitlinien. Medizinische Leitlinien tragen dazu bei, die Qualität medizinischer Versorgung in Deutschland sicherzustellen. Mit dem steigenden Aufkommen von evidenzbasierter Medizin erhielten Leitlinien eine methodische Grundlage, um folglich klinische Entscheidungen stärker auf empirisch überprüfte Daten zu stützen. Leitlinien dienen insbesondere Ärztinnen und Ärzten sowie dem medizinischen Personal als Entscheidungsunterstützung bei der Prävention, Diagnostik und Therapie. Leitlinien basieren auf der bestverfügbaren wissenschaftlichen Evidenz und klinischen Expertise. Die systematische Recherche, die kritische Bewertung und die transparente Zusammenführung besitzen gleichermaßen eine hohe Bedeutung. Damit trägt Cochrane Deutschland maßgeblich zur Sicherstellung der Aufgabe der AWMF im Rahmen evidenzbasierter Leitlinien, koordiniert durch das AWMF-Institut für Medizinisches Wissensmanagement (IMWi), bei.
Weitere Informationen
— Stellungnahme der AWMF zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz
— Positionen der AWMF zur Gesundheitspolitik zum 21. Deutschen Bundestag
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Prof. Rolf-Detlef Treede
Prof. Ina Kopp
Weitere Informationen:
https://www.awmf.org/aktuelles/awmf-aktuell/stellungnahme-der-awmf-zum-entwurf-eines-gkv-beitragssatzstabilisierungsgesetzes
https://www.awmf.org/fileadmin/user_upload/dateien/stellungnahmen/2025/2025-03-04_AWMF_Positionspapier_Langf_Gespol-Forderungen-2025_V05.pdf
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