Forschungsergebnisse liefern Lösungen für eine ressourceneffiziente Kunststoff-Kreislaufwirtschaft
Zwei Tage lang standen in Frankfurt am Main innovative Ansätze für eine ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe im Mittelpunkt: Bei der KuRT-Transferkonferenz vom 30. September bis 1. Oktober 2026 präsentierten die sechs Forschungsprojekte der Fördermaßnahme „Ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft – Kunststoffrecyclingtechnologien (KuRT)“ des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt ihre Ergebnisse und diskutierten gemeinsam mit Expert:innen aus Forschung, Wirtschaft und Politik die nächsten Schritte auf dem Weg in die praktische Umsetzung.
Zum Auftakt der Transferkonferenz gab Prof. Dr. Henning Wilts vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie mit seinem Impulsvortrag „Die Transformation der Wertschöpfungskette Kunststoff: Zwischen Technik und Skalierung“ wichtige Denkanstöße. Im Mittelpunkt standen dabei Herausforderungen, die mit der aktuellen Situation der Branche sowie der Transformation der Kunststoffwertschöpfungskette verbunden sind. Dabei zeigte Wilts auch Wege auf, wie innovative Technologien den Sprung aus der Forschung in die wirtschaftliche Anwendung schaffen können: Neben verlässlichen Rahmenbedingungen für einen selbsttragenden Rezyklatmarkt brauche es unter anderem neue Geschäftsmodelle, wie etwa den Handel mit überschüssigen Rezyklatanteilen, eine fokussierte öffentliche Beschaffung, die insbesondere Kommunen unterstützt und klare Signale setzt, sowie eine Beschleunigung von Planungsprozessen für Recyclinganlagen. Die KuRT-Forschungsprojekte zeigten anschließend die Bandbreite technologischer Lösungen für eine ressourceneffiziente Kunststoffwirtschaft. Diese reichten von der Verbesserung der Sortierung und Prozesseffizienz beim mechanischen Recycling von Post-Consumer-Verpackungsabfällen über die Geruchsreduzierung von Kunststoffrezyklaten bis hin zur Kreislaufschließung bei Geokunststoffen und neuen Ansätzen für das chemische Recycling von Kunststoffen.
KuRT-Forschungsprojekte liefern konkrete Ergebnisse
Im Projekt „SmellStop“ wurde die Nachbehandlung von Kunststoffrezyklaten in Form von Heißlufttrocknung, Infrarotdrehrohrbehandlung und Silolagerung für die Reduktion flüchtiger Kontaminanten in Kunststoffrezyklaten erprobt. Die Menge an flüchtigen Kontaminanten ließ sich durch die Kombination dieser thermischen Nachbehandlungsmethoden um bis zu 94 Prozent reduzieren.
Im Projekt „ProGeo-UP“ wurde die Machbarkeit der Kreislaufschließung für Geokunststoffe bestätigt. Wesentliche Bausteine sind hierbei die entwickelte Anbautraverse für den zerstörungsfreien Rückbau und den Wiedereinbau sowie die Herstellung von Rezyklat aus rückgebauten Geokunststoffen, aus dem neue Geokunststoffe produziert wurden.
Im Projekt „ReVise-UP“ wurde ein sensorbasiertes System zum Qualitätsmonitoring für den Output von Leichtverpackungsabfall (LVP)-Sortieranlagen entwickelt und im industriellen Maßstab erprobt. Darüber hinaus wurden relevante Prozesse parametrisiert sowie Möglichkeiten zur gezielten Steuerung und Regelung untersucht und weiterentwickelt. Eine zentrale Fragestellung des Projekts war, ob sich ein zusätzlicher Technikeinsatz entlang der Recyclingkette von Kunststoff-Leichtverpackungen lohnt. Die Projektergebnisse zeigen, dass ein solcher zusätzlicher Technikeinsatz das Wertstoffausbringen um rund 10 Prozent steigern kann.
Im Projekt „pool-in-loop“ wird ein Verfahren für die katalytische Spaltung von polyolefinhaltigen Abfällen weiterentwickelt, dessen Produkte für die Herstellung von Kunststoffneuware eingesetzt werden können. Laborversuche am kontinuierlichen Reaktor belegen, dass Polyolefin und Heizwert bezogene Ausbeuten von über 70 Prozent möglich sind. Dies soll im kommenden Jahr an einer Referenzanlage im Technikumsmaßstab bestätigt werden.
Das Projekt „HydroCycling“ entwickelt ein katalytisches Verfahren zur Hydrierung von gemischten Altkunststoffen, um daraus petrochemische Grund- und Rohstoffe zu gewinnen. Eine Patentanmeldung liegt bereits vor.
Im Projekt „CircuTray-UP“ wurden mechanische und lösungsmittelbasierte Recyclingverfahren für Post Consumer PET Trays untersucht und entwickelt. Das Ergebnis ist ein Rezyklat mit hoher PET-Reinheit, aus dem sich Tiefzieh-Folien und Trays mit Migrationsbarriere herstellen lassen, die sich für Lebensmittel eignen.
Neben den technologischen Entwicklungen richtete die Transferkonferenz den Blick auch auf projektübergreifende Fragestellungen. Impulse zu den Querschnittsthemen Nachhaltigkeitsbewertung, Abfallmärkte und Umsetzung einer Circular Economy machten deutlich, dass eine erfolgreiche Kreislaufwirtschaft nicht allein eine technologische Herausforderung ist. Entscheidend sind das Zusammenspiel verschiedener Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette sowie geeignete wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen.
Diskussionsforum zeigt weiteren Handlungsbedarf auf
Ein Höhepunkt der Veranstaltung war das abschließende Diskussionsforum „Was bleibt, was fehlt?“. Gemeinsam mit Expert:innen aus Wissenschaft, Normung und Industrie wurde diskutiert, welche Erkenntnisse aus den Forschungsprojekten für die weitere Entwicklung einer zirkulären Kunststoffwirtschaft genutzt werden können und an welchen Stellen noch Handlungsbedarf besteht.
Die Transferkonferenz machte dabei deutlich: Innovative Lösungen für ein ressourceneffizientes Kunststoffrecycling sind vorhanden. Nun gilt es, diese Erkenntnisse in die wirtschaftliche Praxis zu überführen und erfolgreiche Ansätze zu skalieren. Dafür braucht es eine enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.
Ergänzend zu den Fachvorträgen wurde im Rahmen der Transferkonferenz erstmals der KuRT-Imagefilm https://youtu.be/aEF5pjtcuQQ gezeigt. Der Film stellt Forschungsprojekte der Fördermaßnahme, ihre jeweiligen Forschungsschwerpunkte und die unterschiedlichen technologischen Ansätze für ein ressourceneffizientes Kunststoffrecycling vor.
Über KuRT
Im Rahmen der Fördermaßnahme „Ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft – Kunststoffrecyclingtechnologien (KuRT)“ des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt werden neue Ansätze und Technologien für eine Qualitätssteigerung des Kunststoffrecycling entwickelt, um die ressourceneffiziente Kreislaufführung von Kunststoffen voranzubringen. Das Programm läuft von September 2021 bis August 2028 und verfügt über ein Fördervolumen von rund 23 Millionen Euro. In dieser Zeit werden sechs Forschungsprojekte sowie das Vernetzungs- und Transfervorhaben KuRT_Plus gefördert.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Katja Wendler (katja.wendler(at)dechema.de), Celine Schielke (celine.schielke(at)dechema.de), Marc Weitbrecht (marc.weitbrecht(at)dechema.de), Robin Geiger (robin.geiger(at)dechema.de & Johanna Valasko Gassenheimer (johanna.gassenheimer(at)dechema.de)
Weitere Informationen:
https://bmftr-kurt.de/ - Informationen zu den Projekten der Fördermaßnahme KuRT
https://bmftr-kurt.de/News/KuRT+Transferkonferenz.html - Vorträge der KuRT-Transferkonferenz
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