„Zombie Leadership“: Was ein veralteter Führungsstil anrichten kann
Der australische Psychologieprofessor Alexander Haslam spricht zum Start der Kollegforschungsgruppe „Goethe Leadership Center“ an der Goethe-Universität.
Zum 1. Oktober hat die Kolleg-Forschungsgruppe „Goethe Leadership Centre“ die Arbeit aufgenommen. Der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft für zunächst vier Jahre geförderte interdisziplinäre Verbund aus Psychologie und Wirtschaftswissenschaften untersucht, welche Rolle der Führungsstil von Vorgesetzten für die gesamtgesellschaftliche Stimmung und die Demokratie spielen kann und wie er in Form von „Identity Leadership“ (identitätsbasierte Führung) in deren Interesse zu verbessern wäre. Zum Auftakt lädt das Kolleg zum öffentlichen Vortrag eines der Pioniere dieser Forschungsrichtung: Prof. Alexander Haslam von der University of Queensland spricht am
Mittwoch, 28. Oktober, um 16:15 Uhr
im Hörsaal A im Gebäude Sprach- und Kulturwissenschaften
(Rostocker Straße 1) am Campus Westend
zum Thema „Zombie Leadership: Dead ideas that pander to elites, cultivate powerlessness and erode democracy“ („Zombie-Führung: Veraltete Ideen, die den Eliten nach dem Mund reden, Ohnmacht fördern und die Demokratie untergraben“). Der Vortrag findet in englischer Sprache statt.
Die heutige organisatorische und politische Landschaft werde von „Zombie-Führung“ dominiert, so Haslams These. Diese basiere auf Denkweisen, die schon häufig widerlegt worden seien, sich aber hartnäckig hielten. Führungspersonen würden bestimmte individuelle Eigenschaften zugesprochen, es gebe heroische Vorstellungen von Einfluss und Macht, die mit Führungsaufgaben verbunden seien. Dieses Bild lebe deshalb weiter, weil es den Eliten schmeichele und ihre besondere Position betone, ebenso den Netzwerken um sie herum. „Zombie-Führung“ untergräbt nach seiner Auffassung jedoch die Zusammenarbeit und die Demokratie, indem sie die Allgemeinheit zu machtlosen Zuschauern macht. Alex Haslam stellt Identity Leadership als Gegenmittel zur „Zombie-Führung“ vor. Diese moderne Führungskonzeption hebt auf gemeinsame soziale Identität, gruppenbasierte Beziehungen und kollektive Ziele ab.
Alex Haslam ist Professor für Psychologie und Laureate Fellow an der University of Queensland. Er hat 16 Bücher und mehr als 350 Artikel verfasst, in denen er den Beitrag von Gruppen- und Identitätsprozessen zum sozialen und organisatorischen Funktionieren untersucht – mit einem besonderen Augenmerk auf Führung und Gesundheit. Seine jüngsten Veröffentlichungen: „The New Psychology of Leadership: Identity, Influence and Power“, „The New Psychology of Health: Unlocking the Social Cure“ und „The New Psychology of Sport and Exercise“. Alex Haslam hat zahlreiche wissenschaftliche Auszeichnungen erhalten. Im Jahr 2022 wurde er für seine Verdienste um die Psychologie zum Mitglied des Order of Australia ernannt.
Die Kolleg-Forschungsgruppe „Führung neu denken: Identitätsbasierte Führung als gruppenorientiertes Instrument zur Analyse und Bewältigung der Herausforderungen unserer Zeit“ oder eben Goethe Leadership Centre wurde gemeinsam von dem Wirtschaftswissenschaftler Prof. Michael Kosfeld und dem Psychologen Prof. Rolf van Dick beantragt, letzterer ist derzeit auch Sprecher des Verbundes. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Führungskräfte das Gemeinschaftsgefühl der Beschäftigten fördern können, um so Kooperationsbereitschaft, Wohlbefinden und Resilienz zu verbessern. Die Forschungen bauen auf umfangreichen Vorarbeiten der beiden Sprecher auf.
Das Projekt umfasst ein Fellowship-Programm mit Rudolf Kerschreiter (FU Berlin) und Axel Haslam als dauerhaften Fellows, 20 weiteren Senior- und Juniorfellows sowie 60 Kurzzeitgästen. Drei neue Postdoc-Stellen sind bereits besetzt, eine W1-Professur (mit Tenure Track) zur Entlastung von Prof. van Dick von Lehraufgaben ist ausgeschrieben. Die Mitglieder der Kolleg-Forschungsgruppe werden am 9. und 10. November im Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Bad Homburg zusammenkommen, um am gemeinsamen Forschungskonzept zu arbeiten. Für 2027 und 2028 ist jeweils eine Konferenz geplant. Und im Jahr 2029 soll eine umfangreiche internationale Studie durchgeführt werden, die Identity Leadership unter dem Aspekt unterschiedlicher Kulturen, Disziplinen und Methoden in den Blick nehmen wird. Auch öffentliche Vorträge und eine Kooperation mit dem Museum Giersch der Goethe-Universität gehören fest zum Programm.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. Rolf van Dick
Institut für Psychologie
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Telefon 069 798-35285
E-Mail van.Dick@psych.ui-frankfurt.de
https://www.goethe-leadership.org
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