„Blind Spots“: Datenlücken machen die Medizin der Zukunft ungerecht
Die Wanderausstellung „Blind Spots – Tote Winkel in der Medizin“ der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) macht sichtbar, wer in medizinischen Datensätzen fehlt – und warum das für KI-gestützte Diagnostik und Therapie folgenreich ist.
Medizinische Daten bilden die Vielfalt der Bevölkerung nur unzureichend ab. Das hat Folgen für digitale Gesundheitstechnologien: Wer aufgrund von Geschlecht, Alter und sozialer Lage in Daten fehlt, wird im KI-Zeitalter schlechter erkannt und behandelt. Die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) macht dieses Problem mit der Ausstellung „Blind Spots“ im Wissenschaftsjahr 2026 – Medizin der Zukunft des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt öffentlich sichtbar.
Historisch gewachsene Lücken, konkrete Folgen
Jahrzehntelang galt der männliche Körper als Norm der medizinischen Forschung etwa bei Dosierungen, Nebenwirkungen und Diagnosekriterien. Das prägt die zukünftige Gesundheitsversorgung: KI-gestützte Verfahren, die etwa EEG-Muster, Wearable-Daten oder Sprache auswerten, werden intensiv erforscht und sollen künftig Diagnose und Therapieplanung unterstützen. Ihre Qualität steht und fällt aber mit der Datengrundlage. „Wenn die Trainingsdaten überwiegend von männlichen Personen stammen, würde ein darauf trainiertes Modell die Versorgungslücke bei Frauen im schlechtesten Fall nicht schließen, sondern eher verstärken“, sagt Dr. Anna Szép, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Marburg.
Eine Ausstellung, die Fragen stellt
„Blind Spots“ zeigt an zehn Beispielen, wie der Ausschluss bestimmter Personengruppen sowie stereotype Fehleinschätzungen die Gesundheitsversorgung prägen – und wie wir das ändern können. Dafür verwandelt die Ausstellung scheinbar klassische Gemälde in interaktive Geschichten über das, was in der Medizin fehlt. Die Besuchenden werden gleichzeitig dazu angeregt, sich ihrer eigenen Rolle für die Schließung von Datenlücken bewusst zu werden. Zu Beginn der Ausstellung erhält jede Person eine Chipkarte, mit der sie gesundheitsrelevante Angaben, etwa zum Schlaf- und Vorsorgeverhalten, verknüpft. Mit dieser Karte kann nur ein Teil der ausgestellten Exponate aktiviert werden. So stehen die Besuchenden mehrfach vor der persönlichen Entscheidung: Bin ich bereit, meine Daten für die Forschung zu spenden? „Mit dem Vorhaben möchte die GI nicht nur ein Bewusstsein für die Bedeutung von Datenlücken in der Medizin schaffen. Sie möchte auch aufzeigen, wie wir alle zu einer gerechteren Gesundheitsversorgung beitragen können“, sagt Julia Meisner-Dieffendahl, Projektleitung von „Blind Spots“ und Themenfeldleitung KI & Ethik bei der GI.
„Blind Spots“ richtet sich insbesondere an junge Menschen, die die Gesundheitsbranche zukünftig mitgestalten, und ist an Schulen, in Bibliotheken und Kulturzentren zu sehen. Die nächsten Stationen: Berufliches Schulzentrum „Julius Weisbach“ Freiberg (27.–30. Oktober), Staatliches Berufsbildendes Schulzentrum Jena-Göschwitz (2.–6. November) und Berufsbildende Schule Gesundheit, Soziales und Sozialpädagogik Gera (9.–12. November). Interessierte Medienvertreter*innen sind herzlich eingeladen, die Ausstellung zu besuchen. Gerne vermitteln wir Gespräche mit dem Projektteam.
Online ist die Ausstellung unter blindspots.gi.de zugänglich. Weitere Einblicke gibt es auf Instagram unter @blindspots_wj26.
Über das Projekt
„Blind Spots – Tote Winkel in der Medizin“ ist eine Wanderausstellung der Gesellschaft für Informatik e. V. im Wissenschaftsjahr 2026 – Medizin der Zukunft, einer Initiative des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) in Zusammenarbeit mit Wissenschaft im Dialog. Das Projekt wird vom BMFTR gefördert.
Über die GI
Die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) ist die größte Fachgesellschaft für Informatik im deutschsprachigen Raum. Seit 1969 vertritt sie die Interessen der Informatiker*innen in Wissenschaft, Gesellschaft und Politik und setzt sich für eine gemeinwohlorientierte Digitalisierung ein. Mit 14 Fachbereichen, über 30 aktiven Regionalgruppen und unzähligen Fachgruppen ist die GI Plattform und Sprachrohr für alle Disziplinen in der Informatik. Die GI hat sich Ethische Leitlinien gegeben, die ihren Mitgliedern als Orientierung dienen. Weitere Informationen finden Sie unter www.gi.de.
Ihr Kontakt bei „Blind Spots“
Julia Meisner-Dieffendahl, Themenleitung KI & Ethik
julia.meisner@gi.de
Pressekontakt Wissenschaftsjahr 2026 – Medizin der Zukunft
Kathrin Legermann | Cornelius Beutling
Pressebüro Wissenschaftsjahr 2026 – Medizin der Zukunft
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Tel.: +49 228 9957-2442
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Wissenschaftsjahr 2026 – Medizin der Zukunft
Gesundheit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein gutes Leben. Im Wissenschaftsjahr 2026 – Medizin der Zukunft steht die Frage im Fokus, wie Forschende mit ihren Ideen und Lösungen schon heute die Medizin von morgen formen. Wie lassen sich in Zukunft Krankheiten diagnostizieren? Welche Ideen gibt es für die medizinische Versorgung? Wird KI die Medikamentenentwicklung revolutionieren? Wie können innovative Technologien Pflege unterstützen, ohne den Menschen aus dem Blick zu verlieren? Wie lassen sich Präventionsstrategien verbessern, sodass wir seltener und weniger schwer erkranken? Ein besonderer Fokus im Wissenschaftsjahr liegt auf geschlechtersensibler Forschung, denn bis heute fehlt für viele Krankheiten die Datengrundlage für eine geschlechtsspezifische Behandlung und Versorgung. Dies gilt ganz besonders für Erkrankungen und Gesundheitsthemen, die gerade Frauen betreffen, darunter Endometriose oder Wechseljahre.
Das Wissenschaftsjahr ist die größte bundesweite Plattform für disziplinübergreifende Kommunikation aktueller Forschungsthemen, an der sich pro Jahr 400 bis 800 Forschungsinstitute, Universitäten, Verbände, Vereine, Unternehmen und Stiftungen mit bis zu 1.000 Veranstaltungen und Aktionen beteiligen. Dazu gehören ein bundesweiter Hochschulwettbewerb, Formate wie SchulKinoWochen, MINTmachtage und die MS Wissenschaft, ein Ausstellungsschiff, das von Mai bis September bis zu 30 Städte in Deutschland anfährt. Die Wissenschaftsjahre werden seit dem Jahr 2000 ausgerufen und sind eine Initiative des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gemeinsam mit Wissenschaft im Dialog (WiD).
Das ganze Jahr über lädt das Wissenschaftsjahr mit Veranstaltungen, Projekten und Aktionen dazu ein, Einblicke in die aktuelle Medizinforschung zu gewinnen und in den Austausch mit Wissenschaft, Wirtschaft, Medien, Politik und Gesellschaft zu kommen. Auch Social Media-Formate, monatliche Challenges und prominente Botschafterinnen und Botschafter werden das Wissenschaftsjahr 2026 intensiv begleiten.
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