Kunst und Astrophysik im Dialog: Das Universum aus neuen Perspektiven entdecken
Ausstellung „DEEP FIELD. Die Vermessung des Unvorstellbaren“ im MGGU – Museum Giersch der Goethe-Universität. Pressekonferenz am Donnerstag, 5.11.26, 11 Uhr.
FRANKFURT. Woher kommen wir – und welchen Platz nehmen wir im Universum ein? Seit Jahrtausenden blickt der Mensch in den Himmel, um die großen Fragen unserer Existenz zu ergründen. Moderne Teleskope und astrophysikalische Forschungsmethoden eröffnen heute Einblicke in den Kosmos, die lange unvorstellbar waren. Doch je weiter wir ins Universum vordringen, desto deutlicher werden auch die Grenzen unseres Wissens und unserer Wahrnehmung. Die Ausstellung „DEEP FIELD. Die Vermessung des Unvorstellbaren“ verbindet vom 6. November 2026 bis zum 30. Mai 2027 im MGGU – Museum Giersch der Goethe-Universität zeitgenössische Kunst mit aktueller astronomischer und astrophysikalischer Forschung.
Im Zentrum stehen Arbeiten von Katie Paterson und Armin Linke, die im Austausch mit Prof. Dr. Camilla Juul Hansen und Prof. Dr. Hannah Elfner, Wissenschaftlerinnen der theoretischen und angewandten Physik an der Goethe-Universität, entstanden sind. Gemeinsam mit der Künstlerin Nina Caviezel sowie der Medienwissenschaftlerin Prof. Dr. Estelle Blaschke eröffnen sie neue Perspektiven auf die Erforschung des Universums, die Entstehung wissenschaftlicher Bilder und die künstlerische Vermittlung kosmischer Phänomene.
Der Begriff „Deep Field“ bezeichnet lang belichtete Aufnahmen entfernter Himmelsbereiche, die selbst lichtschwache Galaxien sichtbar machen. Das erste Deep Field entstand 1995 mit dem Hubble-Weltraumteleskop. Heute ermöglicht auch das James-Webb-Weltraumteleskop solche tiefen Einblicke ins Universum. Die Ausstellung nimmt diese Perspektive zum Ausgangspunkt, um das Verhältnis von wissenschaftlicher Erkenntnis, visueller Wahrnehmung und künstlerischer Interpretation zu erkunden.
Kosmische Dimensionen und flüchtige Gedanken
Im ersten Obergeschoss sind Arbeiten der britischen Künstlerin Katie Paterson zu sehen. Sie erkundet die Beziehungen zwischen menschlicher Existenz, planetaren Entwicklungen und kosmischen Zeiträumen. Für drei neue Arbeiten hat sie mit den Astrophysikerinnen Prof. Dr. Camilla Juul Hansen und Prof. Dr. Hannah Elfner sowie deren Forschungsgruppen zusammengearbeitet. Die Lichtinstallation „Night“ verdichtet das Farbspektrum von rund 9.000 mit bloßem Auge sichtbaren Sternen zu einer leuchtenden Skulptur. In „Icarus“ übersetzt Paterson das Licht eines extrem weit entfernten Sterns in einen subtilen Blauton. Die Installation „Ideas“ lässt poetische Satzfragmente aufleuchten, die kurz darauf wieder verschwinden. Inspiriert von der Forschung zu Quantenzuständen im frühen Universum, verbindet die Arbeit die Flüchtigkeit von Gedanken mit der Unfassbarkeit kleinster Teilchen.
Weitere Werke Patersons übersetzen Phänomene wie Licht, Zeit und Himmelsbewegungen in künstlerische Versuchsanordnungen.
Wie wird Licht zu Wissen?
Im zweiten Obergeschoss untersucht Armin Linke mit seiner raumübergreifenden Installation „Light, refracted“ die Entstehung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Fotografien, Filme, Texte und wissenschaftliche Objekte geben Einblick in astronomische Beobachtungsprozesse. Gemeinsam mit Prof. Dr. Camilla Juul Hansen, Prof. Dr. Estelle Blaschke und Nina Caviezel beleuchtet Linke, wie Daten entstehen, verarbeitet, archiviert und in Wissen übersetzt werden. Licht ist ein zentraler Informationsträger der Astronomie. Teleskope sammeln die Strahlung weit entfernter Himmelskörper. Mithilfe der Spektralanalyse lassen sich daraus unter anderem Rückschlüsse auf die chemische Zusammensetzung und Entwicklung astronomischer Objekte ziehen. Linkes Installation richtet den Blick auch auf die Voraussetzungen dieser Forschung: auf die Menschen hinter den Daten, die abgelegenen Standorte der Observatorien und die technischen Prozesse, durch die wissenschaftliche Bilder entstehen. Sie zeigt, wie eng Beobachtung, Darstellung und Erkenntnis miteinander verbunden sind.
Ein Satellit im Frankfurter Osthafen: Nina Caviezel
In Kooperation mit dem Atelierfrankfurt präsentiert das MGGU erstmals einen Ausstellungssatelliten im Frankfurter Osthafen. In der RAMPE im AF zeigt Nina Caviezel vom 30. Oktober 2026 bis zum 11. Februar 2027 ihre Neuproduktion „From Dust to Data“. Fotografien, Archivmaterial und die 22-minütige Videoarbeit beleuchten die Reinraumtechnologien und Datenprozesse, die Weltraumteleskope wie Hubble und James Webb ermöglichen.
Zweiter Satellit im All: Rashiyah Elanga in der Studiengalerie 1.357
Vom 4. November bis zum 9. Dezember 2026 zeigt die Studiengalerie 1.357 die Videoarbeit „Another dream under the Troposphere“ von Rashiyah Elanga. In dem 18-minütigen Werk reist die Astronautin Eli zum Jupitermond Europa, um die Möglichkeiten einer menschlichen Besiedlung zu erforschen. Von Afrofuturismus und DIY-Ästhetiken inspiriert verbindet Elanga die Geschichte einer zunehmend brüchigen Weltraumutopie mit Fragen nach Schwarzer Identität, Zugehörigkeit und kolonialen Kontinuitäten.
Podcast: Über das Universum sprechen und neue Fragen stellen
Ein sechsteiliger Podcast begleitet die Ausstellung und vertieft ihre Themen. Künstler:innen, Wissenschaftler:innen und das kuratorische Team sprechen über die Entstehung der Ausstellung, ihre Zusammenarbeit und unterschiedliche Zugänge zur Erforschung des Universums. Die Podcast-Folgen sind vor Ort sowie online über Spotify und Apple Podcasts verfügbar.
Auch die Besucher:innen sind eingeladen, sich aktiv einzubringen: An einer eigens eingerichteten Teaching Wall können sie Fragen, Gedanken und Ideen hinterlassen, die von den beteiligten Wissenschaftler:innen der Goethe-Universität regelmäßig aufgegriffen und beantwortet werden. Wer tiefer einsteigen möchte, findet auf einer begleitenden Website Erklärungen zur Forschung, auf der die Werke aufbauen.
Workshops für Schulklassen ergänzen das Programm. Kinder und Jugendliche erforschen darin die Rolle von Licht und Farbe im Kosmos und experimentieren selbst mit fotografischen Verfahren. „DEEP FIELD. Die Vermessung des Unvorstellbaren“ bringt wissenschaftliche Erkenntnis und künstlerische Vorstellungskraft zusammen. Die Ausstellung lädt dazu ein, Grenzen der Wahrnehmung zu erkunden, die Entstehung von Wissen zu hinterfragen und den eigenen Platz im Universum neu zu betrachten.
Partner:innen:
Goethe-Universität Frankfurt am Main, STIFTUNG GIERSCH, Hessische Kulturstiftung, Atelierfrankfurt, Studiengalerie 1.357, GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung, FAIR – Facility for Antiproton and Ion Research, studium digitale, Lebenshilfe Frankfurt, Sammlungen an der Goethe-Universität, Physikalischer Verein, Masterstudiengang „Filmkultur: Archivierung, Programmierung, Präsentation“, DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum
Pressekonferenz – Donnerstag, 5.11.26, 11 Uhr
Einführung & Rundgang mit:
• Nina Caviezel (Künstlerin und Wissenschaftlerin)
• Prof. Dr. Hannah Elfner (Wissenschaftlerin)
• Prof. Dr. Camilla Juul Hansen (Wissenschaftlerin)
• Dr. Katrin Kolk (Kuratorin)
• Armin Linke (Künstler)
• Ina Neddermeyer (Direktorin)
• Katie Paterson (Künstlerin)
• Dr. Tim Pickartz (Kurator für Vermittlung und Diskurs)
• Max Zimmermann (Kurator)
MGGU – Museum Giersch der Goethe-Universität, Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt am Main.
Weitere Veranstaltungen, Führungen und Workshops finden Sie immer aktuell auf https://www.mggu.de/
Ansprechpartnerin für die Presse
Christine Karmann
Fon: 069/138210121 // E-Mail: presse@mggu.de
Texte und Bilder zum Download für die Presse: www.mggu.de/presse
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