Energieversorgung widerstandfähig gestalten: Energietechnik-Symposium an der THWS
Cybersicherheit und Schutz vor Stromausfällen: Drittes regionales Energietechnik-Symposium
Wie verwundbar ist unsere Energieversorgung gegenüber Cyberangriffen, Sabotage oder länger andauernden Stromausfällen? Welche Rolle spielen Netzbetreiber, Unternehmen, Kommunen und Bevölkerung bei der Vorsorge? Mit diesen Fragen hat sich das dritte regionale Energietechnik-Symposium an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) beschäftigt. An der Organisation waren das Institut für Energie- und Hochspannungstechnik (IEHT) der THWS, die IHK Würzburg-Schweinfurt sowie der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) beteiligt.
Unter dem Titel „Cybersicherheit und Schutz vor Stromausfällen“ standen nicht nur technische Schutzmaßnahmen im Mittelpunkt des Symposiums, sondern auch organisatorische Vorsorge, Krisenkommunikation, rechtliche Rahmenbedingungen und die Frage, wie Gesellschaft, Wirtschaft und öffentliche Einrichtungen im Ernstfall handlungsfähig bleiben können.
Prof. Dr. Jan Schmitt, THWS-Vizepräsident für Forschung und Gründung, betonte die Bedeutung des Austauschs zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Kommunen und Sicherheitsakteuren. Die Energieversorgung sei eine zentrale Grundlage für nahezu alle Bereiche des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens. Entsprechend wichtig sei es, Forschungsergebnisse, praktische Erfahrungen und Anforderungen aus der Region zusammenzubringen.
Prof. Dr. Markus H. Zink, Leiter des IEHT und Sprecher des VDE für Unterfranken, ordnete das Thema in die Reihe der bisherigen Symposien ein. Im Jahr 2024 lag der Schwerpunkt auf „Zellulare Energiesysteme“ und 2025 standen „Speicher im Energiesystem“ im Fokus: Der Umbau des Energiesystems führe zu mehr dezentralen Anlagen, mehr digitaler Vernetzung und einer stärkeren Kopplung der Sektoren Strom, Wärme und Mobilität. „Strom wird immer mehr zur tragenden Säule unserer Energieversorgung. Gleichzeitig entstehen durch Digitalisierung und Vernetzung neue Abhängigkeiten und Angriffspunkte“, so Prof. Dr. Zink. Ziel müsse es daher sein, die Energiewende nicht nur nachhaltig und wirtschaftlich, sondern auch resilient zu gestalten.
Cyberresilienz: Vorbereitung auf Angriffe
Andreas Heger von der ÜZ Mainfranken eG beleuchtete in seinem Vortrag „Cyberresilienz bei kritischer Infrastruktur – Sicherheit für die Stromversorgung“ Veränderungen im Bereich Netzführung und Sicherheit. Früher abgeschottete Systeme seien heute vernetzt, was Effizienz und Steuerbarkeit erhöhe, jedoch auch höhere Anforderungen an Sicherheitsmaßnahmen mit sich bringe. Ein zentraler Punkt sei die Vorbereitung auf Cyberangriffe: Es genüge nicht mehr, Angriffe nur zu verhindern; sie müssen erkannt und der Betrieb trotz Schwierigkeiten aufrechterhalten werden. Zur Umsetzung dieser Cyberresilienz nutzt die ÜZ Mainfranken ein umfassendes Sicherheitskonzept. Andreas Heger betonte, dass vollständige Sicherheit unmöglich ist, aber Prävention und Vorbereitung entscheidend seien, um resilient gegenüber Angriffen zu sein. Er hob hervor, dass es keine hundertprozentige Sicherheit geben könne. Entscheidend sei eine gute Vorbereitung: Cyberresilienz sei nicht allein eine Aufgabe der IT, sondern betreffe Technik, Organisation, Personal, Lieferketten und letztlich die gesamte Gesellschaft.
KI in der Cybersicherheit: Zwischen Bedrohung und Prävention
Prof. Dr. Sebastian Biedermann, Leiter des auf Cybersicherheit spezialisierten Technologietransferzentrums Würzburg der THWS (TTZ-WUE), diskutierte die Auswirkungen neuer KI-Agenten auf Cybersicherheit. Künstliche Intelligenz (KI) könne Angriffe vorbereiten und Schwachstellen aufdecken, aber auch zur Prävention und Sicherheitsanalyse genutzt werden. Anhand von Hackerangriffen in der Ukraine und Polen zeigte Prof. Dr. Biedermann, dass Cyberangriffe auf kritische Infrastruktur Realität sind. Häufig entstünden Sicherheitsvorfälle durch vermeidbare Schwachstellen wie ungeschultes Personal und unsichere Hardware. „Rund 80 Prozent der Vorfälle ließen sich auf solche menschlichen oder organisatorischen Versäumnisse zurückführen“, erklärte Prof. Dr. Biedermann. „KI erhöht die Angriffsgeschwindigkeit, bietet aber auch Chancen für die Prävention. Es ist entscheidend, technische Maßnahmen mit Schulung und Sensibilisierung zu kombinieren.
Sichern und Wiederherstellen nach Cyberangriffen
Benjamin Kraus von der Trips GmbH erläuterte, wie Unternehmen ihre digitale Handlungsfähigkeit mit Fokus auf Back-up-Strategien sichern können. Ein einzelnes Back-up biete keinen ausreichenden Schutz, da es durch Schadsoftware oder Fehlkonfigurationen gefährdet sein könne. Eine effektive Strategie umfasse daher mehrere Datenversionen, die auf unterschiedlichen Plattformen gespeichert und mindestens eine Offline-Sicherung umfassen. Kraus betonte: „Ein Back-up allein ist nur die halbe Lösung.“ Entscheidend sei es, vorab Wiederherstellungsstrategien zu entwickeln und regelmäßig zu testen. Unternehmen müssen wissen, welche Systeme in welcher Reihenfolge wiederhergestellt werden sollen, um nach einem Angriff schnell wieder arbeitsfähig zu sein.
Personalmanagement bei Stromausfällen
Prof. Dr. Peter Bradl, Leiter des THWS-Instituts für Rettungswesen, Notfall- und Katastrophenmanagement (IREM), thematisierte die Rolle des Personals bei Stromausfällen und betonte, dass Notfallpläne nicht nur auf Technik beschränkt sein sollten. Unternehmen müssen berücksichtigen, wie Mitarbeitende reagieren, welche Kommunikationswege bleiben und welche Aufgaben priorisiert sind. „Im Ernstfall kann es sein, dass bis zu 40 Prozent des geplanten Personals, für Aufgaben im Bevölkerungsschutz nicht greifbar ist“, erklärte er, etwa aufgrund von Doppelfunktionen oder familiären Verpflichtungen. Dennoch könnten vorhandene Ressourcen im System anders genutzt werden, wenn IT-Infrastrukturen ausfallen und gewohnte Arbeiten nicht möglich sind.
All diese Aspekte bedürfen vorausschauender Planung und durchdachten Handelns. „Es ist besser, diese Überlegungen und Strategien vor dem Eintritt eines Ernstfalls anzustellen.“, so Prof. Dr. Zink resümierend zum ersten Teil des Symposiums.
Podiumsdiskussion
Die Teilnehmenden hatten in der Podiumsdiskussion die Möglichkeit, Fragen an die Referenten zu stellen und mitzudiskutieren. Neben den Vortragenden beteiligte sich Markus Lurz von der Kriminalpolizei Würzburg und brachte die Perspektive der Sicherheitsbehörden ein. Im Mittelpunkt stand dabei unter anderem die Frage, wie sich das Energienetz nicht nur vor Cyberangriffen, sondern auch vor physischen Angriffen auf Leitungen, Umspannwerke oder andere technische Einrichtungen schützen lässt. Besprochen wurde auch, welche Lehren aus Katastrophen wie der Flut im Ahrtal gezogen werden können. Solche Ereignisse zeigten, wie schnell mehrere kritische Infrastrukturen gleichzeitig betroffen sein können.
Auch die Rolle von KI wurde kontrovers beleuchtet. KI könne Angriffe erleichtern, etwa durch automatisierte Schwachstellensuche oder täuschend echte Phishing-Angriffe. Gleichzeitig biete sie große Chancen, Sicherheitslücken frühzeitig zu erkennen und Angriffe schneller zu detektieren. Ob KI eher Fluch oder Segen sei, hänge daher entscheidend davon ab, wie verantwortungsvoll sie eingesetzt werde und wie gut Organisationen darauf vorbereitet seien.
Resilienz und ganzheitlicher Schutz in der Energiewende
Im Symposium wurde herausgestellt, dass die Energiewende die Energieversorgung nachhaltiger, regionaler und flexibler mache, jedoch auch neue Schwachstellen durch Digitalisierung und Vernetzung schaffe. Der Schutz kritischer Infrastruktur erfordere einen ganzheitlichen Ansatz, der IT-Sicherheit, bauliche Maßnahmen und Krisenkommunikation kombiniere. Ein zentrales Ergebnis war das Verständnis von Resilienz: Sie bedeute nicht, jeden Störfall zu verhindern, sondern die schnelle Wiederherstellung eines handlungsfähigen Betriebszustands nach einer Krise, auch mit Einschränkungen. Wichtig seien vorausschauende Planung, klare Verantwortlichkeiten, geschulte Mitarbeitende, robuste Back-up-Strategien und regelmäßige Übungen. Das dritte regionale Energietechnik-Symposium hob die Bedeutung des interdisziplinären Austauschs hervor, um in einer kritischen Situation koordiniert handeln zu können.
Über das Institut für Energie- und Hochspannungstechnik
Über die THWS
Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) zählt zu den größten Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Bayern und steht seit ihrer Gründung im Jahr 1971 für hervorragende Lehre und angewandte Forschung. Mit rund 9.200 Studierenden, einem breit gefächerten Angebot von mehr als 60 Studiengängen sowie zwei Promotionszentren deckt die THWS ein weites Spektrum ab, das von Technik über Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Sprache bis hin zu Gestaltung reicht. Die THWS ist nicht nur regional in Franken und Bayern verwurzelt, sondern auch stark international ausgerichtet, was sich in zahlreichen Kooperationen und Austauschprogrammen weltweit und nicht zuletzt in einem vielseitigen englischsprachigen Studienangebot widerspiegelt.
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