Mehr Pflegeexpertise für komplexe Fälle
Forschungsprojekt zeigt, wie speziell ausgebildete Advanced Practice Nurses die pflegerische Versorgung stärken können
Wenn ältere Menschen nach einem Unfall ins Krankenhaus kommen, treffen Verletzungen oft auf weitere gesundheitliche Herausforderungen: etwa chronische Erkrankungen oder kognitive Einschränkungen. Speziell ausgebildete Advanced Practice Nurses (APN) können die Stationsteams dabei unterstützen, sowohl die Unfallverletzungen der Patientinnen und Patienten als auch deren komplexe Begleiterkrankungen möglichst zielgerichtet und vollumfänglich zu versorgen. Das zeigt die Bilanz des Forschungsprojekts PATIENCE, an dem die FH Münster, die Evangelische Hochschule Bochum, die Universität Witten-Herdecke, die BG Kliniken als Unternehmensgruppe sowie das BG Universitätsklinikum Bergmannsheil beteiligt sind. Zur Präsentation der Ergebnisse versammelten sich die Projektbeteiligten am 15. Oktober im Bergmannsheil.
Advanced Practice Nurses (APN) sind Pflegefachpersonen, die sich nach ihrer Grundausbildung mit einem Masterabschluss akademisch weiterqualifiziert und spezialisiert haben. In Deutschland gibt es dieses Berufsbild bereits vereinzelt, aber noch nicht flächendeckend, während es international längst etabliert ist. Das Projekt PATIENCE hat eine spezielle APN-Rolle für den Bereich der Alterstraumatologie entwickelt und ihren Einsatz auf einer unfallchirurgischen Station konkret erprobt. Im Projektverlauf identifizierte die APN frühzeitig Versorgungssituationen besonders komplexer Patientinnen und Patienten und initiierte Maßnahmen, zum Beispiel bei Verwirrtheitsanzeichen oder Sturzrisiken sowie bei der Versorgung schwieriger Wunden. Sie begleitete Visiten, beriet Patientinnen, Patienten und Angehörige sowie Teammitglieder und brachte wissenschaftliche Erkenntnisse in die pflegerische Praxis ein.
Rollen- und Aufgabenprofil erstellt
Ein wesentlicher Baustein des Projekts war die enge Einbeziehung des Behandlungsteams. In Gesprächen und gemeinsamen Arbeitsrunden brachten die Mitglieder ihre Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit der APN und mit dem neuen Berufsbild ein. So entstand ein Rollen- und Aufgabenprofil, das sowohl die Kompetenzen einer APN beschreibt als auch zeigt, wie sie in die Abläufe des Teams eingebunden werden kann.
Das partizipative Vorgehen sollte Herausforderungen in der Versorgungspraxis sichtbar machen und gemeinsam konsentierte Lösungen hervorbringen. „Eine APN-Rolle lässt sich nicht einfach nach einem fertigen Plan einführen: Sie muss sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Betroffenen und den Abläufen auf der Station orientieren“, sagt Prof. Dr. Christiane Knecht, Studienleiterin und Professorin für Akutpflege an der FH Münster. PATIENCE habe gezeigt, wie wichtig es ist, diese Rolle zudem gemeinsam mit den Menschen zu entwickeln, die täglich an der Versorgung beteiligt sind. Dabei entwickelt sich die Rolle erst durch stetige Aushandlung über die Zeit und muss im Verlauf immer wieder angepasst werden.
Ansprechpartnerin und Koordinationsstelle
Im Klinikalltag wurde die APN zunehmend als verlässliche Ansprechpartnerin und Koordinationsstelle wahrgenommen. Zugleich war nicht immer klar, welche Aufgaben zur Rolle gehören und wer für Entscheidungen zuständig ist. Die Einbindung ins Team führte also nicht automatisch zu einem gemeinsamen Verständnis der Rolle. „Damit eine APN ihre besonderen Kompetenzen einbringen kann, müssen Aufgaben und Handlungsspielräume im Alltag klar definiert sein“, resümiert Katja van Bracht, Pflegedirektorin des Bergmannsheils. „Wichtig ist außerdem, dass das Pflegemanagement die Rolle unterstützt und ihre Zusammenarbeit mit den anderen Berufsgruppen aktiv begleitet.“
Die Erfahrungen aus dem Projekt zeigen: Eine APN kann spezialisierte Pflegeexpertise, direkte Versorgung und Koordinationsaufgaben innerhalb des Behandlungsteams verbinden. Für eine dauerhafte Einführung reicht es jedoch nicht, eine Stelle zu schaffen. Teams brauchen ein gemeinsames Verständnis der Rolle, verlässliche Zusammenarbeit und klare Unterstützung durch die Organisation. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen somit dazu beitragen, den Nutzen von APN-Angeboten herauszustellen und zugleich die klinischen und organisatorischen Voraussetzungen zu klären, die für eine erfolgreiche Etablierung von Advanced Practice Nurses erforderlich sind.
Über das Projekt PATIENCE
Das Projekt PATIENCE – Partizipative Entwicklung und Implementierung einer Advanced Practice Nurse für Patientinnen und Patienten in der (Alters-)Traumatologie – startete am 1. Oktober 2022 und lief über vier Jahre. Es wurde vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt in der Förderlinie FH Kooperativ unter dem Förderkennzeichen 13FH558KA0 gefördert und partnerschaftlich von der FH Münster als Verbundkoordinatorin, der Evangelischen Hochschule Bochum und den BG Kliniken mit dem Standort Bergmannsheil durchgeführt.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Prof. Christiane Knecht Ph.D. - https://www.fh-muenster.de/de/mdh/forschung/patience
Weitere Informationen:
https://www.fh-muenster.de/de/mdh/forschung/patience - Zur Website des PATIENCE-Projektes
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