Programm für Sekundärprävention nach Schlaganfall feiert 15-jähriges Bestehen
Klinik für Neurologie am Uniklinikum etabliert Case-Management-Programm, das Nachsorge konsequent verfolgt und nachhält. Lotsenprogramm gibt Betroffenen und Angehörigen fachliche Begleitung an die Seite, als Grundlage für bessere Genesung. Bilanz zeigt bessere klinische Ergebnisse und höhere Lebensqualität nach einem Schlaganfall.
Seit 15 Jahren stellt die Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden Schlaganfallpatientinnen und -patienten in Dresden und Umgebung das Case-Management-Programm „SOS-Care“ zur Verfügung. Verbunden mit dem Jubiläum ist die erfolgreiche Etablierung einer Sekundärprävention für Schlaganfallpatientinnen und -patienten am Uniklinikum Dresden. Schlaganfall-Lotsinnen und -Lotsen stärken die Eigenverantwortung durch Edukation, helfen durch die vielfältigen Problemlagen und stellen sicher, dass die Medikamentenverordnung konsequent umgesetzt wird. Das sorgt für bessere klinische Ergebnisse nach dem Schlaganfall und für höhere Lebensqualität der Betroffenen. Bisher haben knapp 1.800 Patientinnen und Patienten und ihre Angehörigen davon profitiert. Rund um den Welt-Schlaganfalltag 2026 feiert das Programm das Jubiläum und die erreichten Erfolge.
„Eine koordinierte Schlaganfallnachsorge erscheint hinsichtlich der Komplexität der Erkrankung sinnvoll. Sie zielt darauf ab, den Dialog zwischen den einzelnen Elementen der Schlaganfallnachsorge zu verbessern und die Einhaltung von Therapiezielen der Sekundärprävention entsprechend den Leitlinien sicherzustellen“, sagt Prof. Hagen Huttner, Direktor der Klinik für Neurologie. „Prävention ist nicht nur wichtig, um möglichst lange gesund, eigenständig zu leben. Sie ist auch in einem zweiten Schritt wichtig, nämlich wenn es darum geht, nach einer akuten, potentiell körperlich behindernden oder einschränkenden Erkrankung zurück in den gewohnten Alltag zu kommen. Programme wie SOS-Care beweisen, dass sich auch hier jede Mühe lohnt. Wir sind sehr stolz, dass aus dem Universitätsklinikum Dresden heraus ein solches Angebot der Sekundärprävention entstanden ist, das zunehmend mehr Betroffene erreicht“, sagt Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand am Universitätsklinikum Dresden.
Das Universitätsklinikum Dresden und die AOK Plus haben 2011 mit „SOS-Care – Hilfe nach Schlaganfall“ eine innovative Struktur zur Optimierung der Versorgung nach akutem Schlaganfall und TIA (Transitorische ischämische Attacke) etabliert. Ein Team aus insgesamt vier Case Managerinnen und Case Managern, die sogenannten „Schlaganfall-Lotsinnen und -Lotsen“, begleiten seitdem Betroffene und Angehörige ab der Akutbehandlung im Krankenhaus über den Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik bis in die Häuslichkeit. Hier setzt die wichtigste Aufgabe der Lotsinnen und Lotsen an. Bei einem Hausbesuch sprechen sie mit den Betroffenen und ihren Angehörigen. Durch gezielte Edukation des Krankheitsbildes und durch Evaluation der individuellen Bedarfe sind sie Ansprechpersonen für alle auftretenden Fragen. Bei Aufnahme in das Programm werden gemeinsam Zielvereinbarungen getroffen und individuelle Risikofaktoren ermittelt, welche innerhalb eines Jahres erreicht bzw. verringert werden sollen. Nach dem strukturierten Case Management Behandlungspfad wird der Behandlungsverlauf überwacht, besprochen und gegebenenfalls angepasst. Diese Form der Folgeprävention stärkt die Eigenverantwortung und setzt Hilfsmittelempfehlungen konsequenter um. Damit werden weitere Schlaganfälle vermieden und ein möglicher Pflegebedarf so gering wie möglich gehalten. Seit Gründung haben knapp 1.800 Patientinnen und Patienten davon profitiert. Das Nachsorgeprogramm kann von AOK-Versicherten im Versorgungsgebiet der kooperierenden Einrichtungen genutzt werden und ist zuzahlungsfrei. SOS-Care wird für AOK Plus versicherte Betroffene, neben dem Uniklinikum Dresden, seit 2021 auch in der Helios Weißeritztal-Klinik Freital und seit 2022 im Elblandklinikum Meißen sowie im sächsische Krankenhaus Arnsdorf angeboten. Seit einem Jahr gibt es auch im Städtischen Klinikum Dresden das Lotsenprogramm.
Wie sich diese Begleitung auf die Patientinnen und Patienten auswirkt, belegen Studien. Sowohl bei Zielparametern wie Blutdruckeinstellung und vollständiger medikamentöse Sekundärprophylaxe, als auch bei der Rezidivrate, also der Vermeidung eines erneuten Schlaganfalls, zeigen SOS-Care-Patientinnen und -Patienten deutlich bessere Ergebnisse als Betroffene, die das SOS-Care-Nachsorgeprogramm nicht durchlaufen haben. Regelmäßig wird die Arbeit auch weiterhin wissenschaftlich betreut.
Dresdner Schlaganfalllotse für Motivationspreis 2026 nominiert
Einer der Dresdner Schlaganfalllotsen ist Uwe Helbig. Er begleitet das Programm SOS-Care seit seiner Gründung. Der gelernte Anästhesie- und Intensivpfleger arbeitete bereits vor Projektstart auf der anästhesiologischen Intensivstation im Uniklinikum Dresden und hatte zudem eine Weiterbildung im Case Management absolviert. Im Laufe seiner Tätigkeit als SOS-Care Schlaganfall-Lotse gründete er eine Selbsthilfegruppe für junge Schlaganfall-Betroffene und deren Angehörige, die sich mittlerweile selbstständig organisiert und trägt. Für sein Engagement ist Uwe Helbig für den Motivationspreis 2026 der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe nominiert. Die Gütersloher Stiftung verleiht den Preis alle zwei Jahre an Menschen, die sich als Betroffene, Ehrenamtliche oder Fachleute in herausragender Weise für das Thema Schlaganfall engagieren. Die Preisverleihung findet Anfang Dezember in Berlin statt.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Bereich Kommunikation
Annechristin Bonß, Pressesprecherin
Tel. 0351 / 458 4162
E-Mail: pressestelle@uniklinikum-dresden.de
Weitere Informationen:
https://www.schlaganfall-hilfe.de/de/das-tun-wir/aktivitaeten/motivationspreis-nominierte-menschen-und-ihre-geschichten/uwe-helbig
https://Weitergehende Informationen
https://www.sos-net.de/das-netzwerk/struktur/sos-care
https://Allgemeine Informationen von der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
https://www.schlaganfall-hilfe.de/de/start
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