Zwei Thüringer Forschungspreise gehen an die Universität Jena
Forschungsteams für Arbeiten zum Grundwassermikrobiom und zur Präzisionsmedizin ausgezeichnet
Zwei der drei Thüringer Forschungspreise 2026 gehen an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Universitätsklinikums Jena. Ausgezeichnet werden zwei interdisziplinäre Forschungsteams für die Entdeckung einer bislang kaum erforschten Lebenswelt im Grundwasser und die Entwicklung neuartiger Wirkstofftransporter für die Medizin. Die Preise sind heute (27. Oktober) im neu eröffneten Festsaal des Stadtschlosses Weimar verliehen worden.
Den Preis für Grundlagenforschung haben Prof. Dr. Kirsten Küsel, Dr. Martina Herrmann, Dr. Martin Taubert und Dr. Akbar Adjie Pratama erhalten. In der Kategorie Angewandte Forschung sind Prof. Dr. Ulrich S. Schubert, Prof. Dr. Anja Träger, Prof. Dr. Michael Bauer und Prof. Dr. Adrian T. Press für die Entwicklung von Nanopartikeln ausgezeichnet worden, mit denen sich medizinische Wirkstoffe gezielt in bestimmte Organe transportieren lassen.
„Die beiden ausgezeichneten Jenaer Forschungsteams zeigen, welche Bedeutung wissenschaftliche Erkenntnisse für unsere Gesellschaft haben und wie wichtig interdisziplinäre Herangehensweisen sind“, sagte Thüringens Wissenschaftsminister Christian Tischner bei der Preisverleihung. „Wir sind sehr stolz auf die wissenschaftlichen Spitzenleistungen aus Jena – beide Forschungsprojekte stehen beispielhaft für die hohe wissenschaftliche Qualität, die an dem Forschungsstandort erbracht wird.“
Uni-Präsident Prof. Dr. Andreas Marx betont: „Beide Teams zeigen, was Forschung in Jena auszeichnet: exzellente Köpfe, starke interdisziplinäre Zusammenarbeit und Erkenntnisse mit gesellschaftlicher Wirkung. Genau solche Verbindungen zwischen Menschen, Disziplinen und Ideen wollen wir als Exzellenzuniversität weiter stärken.“
Grundlagenforschung: Eine verborgene Lebenswelt im Grundwasser
Grundwasser ist kein isolierter Wasserspeicher, sondern ein dynamisches Ökosystem, das eng mit der Erdoberfläche verbunden ist und den globalen Kohlenstoffkreislauf beeinflusst. Das hat das Team um Prof. Dr. Kirsten Küsel vom Institut für Biodiversität, Ökologie und Evolution gezeigt. Gemeinsam mit Dr. Martina Herrmann, Dr. Martin Taubert und Dr. Akbar Adjie Pratama untersuchte sie über mehr als ein Jahrzehnt mikrobielle Lebensgemeinschaften im Grundwasser, unter anderem an einem Forschungsstandort im Hainich in Thüringen.
„Wir haben eine verborgene Lebenswelt entdeckt, deren Bedeutung lange unterschätzt wurde“, erklärt Küsel. „Besonders fasziniert uns, mit welcher Effizienz und durch welche vielfältigen Wechselwirkungen Mikroorganismen selbst unter extremem Energiemangel überleben und dabei wichtige Prozesse unseres Planeten mitgestalten.“
Die Forschenden wiesen nach, dass Mikroorganismen im Grundwasser Kohlendioxid binden und einen erheblichen Teil des dort enthaltenen Methans abbauen, bevor es an die Oberfläche gelangen kann. Zudem entdeckten sie, dass bislang weitgehend unbekannte Viren den Stoffwechsel der Mikroorganismen und damit zentrale Stoffkreisläufe beeinflussen. Bemerkenswert ist, wie die Mikroorganismen trotz äußerst knapper Energieressourcen überleben: Sie nutzen diese hocheffizient und kooperieren eng miteinander.
Die Arbeiten entstanden insbesondere im von Küsel geleiteten Sonderforschungsbereich AquaDiva und im Exzellenzcluster „Balance of the Microverse“.
Angewandte Forschung: Nanopartikel bringen Wirkstoffe gezielt an ihren Einsatzort
Wie lassen sich Medikamente gezielt in erkrankte Organe transportieren, ohne dabei gesunde Zellen unnötig zu belasten? Dafür hat ein interdisziplinäres Forschungsteam der Universität Jena und des Universitätsklinikums Jena eine neuartige Technologie entwickelt. Prof. Dr. Ulrich S. Schubert vom Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie, Prof. Dr. Anja Träger vom Institut für Pharmazie sowie Prof. Dr. Michael Bauer und Prof. Dr. Adrian T. Press von der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Universitätsklinikums Jena nutzen winzige polymerbasierte Partikel als Transportmittel für medizinische Wirkstoffe.
Spezielle Farbstoffe wirken dabei als molekulare Adressetiketten: Sie steuern, in welchen Organen und Zellen die Nanopartikel aufgenommen werden, und ermöglichen zugleich, ihren Weg im Körper sichtbar zu machen. In präklinischen Untersuchungen zeigten die Forschenden, dass sich Wirkstoffe auf diese Weise gezielt beispielsweise in die Leber transportieren lassen. Besonders interessant ist der Ansatz für die Behandlung einer Sepsis, bei der eine fehlgesteuerte Reaktion des Körpers auf eine Infektion zu lebensbedrohlichem Organversagen führen kann.
Aus der Zusammenarbeit, die unter anderem im von Schubert geleiteten Sonderforschungsbereich „PolyTarget“ vorangetrieben wurde, ging die Ausgründung SmartDyeLivery GmbH hervor. Über das Unternehmen wurde die Technologie bis zur klinischen Erprobung weiterentwickelt. Ein erster Wirkstoffkandidat befindet sich bereits in der klinischen Prüfung am Menschen.
Hintergrund Forschungspreise
Die Thüringer Forschungspreise würdigen herausragende wissenschaftliche Leistungen in der Grundlagenforschung und der Angewandten Forschung. Die beiden Kategorien sind regulär mit jeweils 25.000 Euro dotiert.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Grundlagenforschung
Prof. Dr. Kirsten Küsel
Institut für Biodiversität, Ökologie und Evolution
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Telefon: 03641 9-49461
E-Mail: kirsten.kuesel@uni-jena.de
Angewandte Forschung
Prof. Dr. Ulrich S. Schubert
Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Telefon: 03641 9-48200
E-Mail: ulrich.schubert@uni-jena.de
Prof. Dr. Michael Bauer
Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin
Universitätsklinikum Jena
Telefon: 03641 9-323101
E-Mail: michael.bauer@med.uni-jena.de
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