Prof. Dr. Tobina Brinker, Geschäftsführerin des Netzwerk hdw nrw, geht in den Ruhestand
Das Netzwerk Hochschuldidaktische Weiterbildung NRW (Netzwerk hdw nrw) mit Sitz an der HSBI unterstützt Lehrende an Hochschulen in Nordrhein-Westfalen dabei, ihre Lehrveranstaltungen zeitgemäß zu gestalten. Geschäftsführerin Prof. Dr. Tobina Brinker hat das Netzwerk hdw nrw in den vergangenen 25 Jahren federführend aufgebaut. Ihr Ansatz: gute Lehre auf Augenhöhe entwickeln und offen bleiben für neue Herausforderungen wie Künstliche Intelligenz und digitale Lehre. Nun geht Brinker in den wohlverdienten Ruhestand.
Bielefeld (hsbi). Gute Hochschuldidaktik gelingt nicht durch Vorgaben, sondern durch Zusammenarbeit – diesen Ansatz verfolgte Prof. Dr. Tobina Brinker, Geschäftsführerin des Hochschuldidaktischen Netzwerks Nordrhein-Westfalen (hdw nrw), von Anfang an. Als sie 2001 ihre Arbeit als Referentin für Hochschuldidaktik an der damaligen FH Bielefeld aufnahm, war das Bewusstsein für Hochschuldidaktik noch längst nicht selbstverständlich. Nicht nur das hat sich mittlerweile geändert. Hochschulen stehen vor immer neuen Herausforderungen wie dem Einsatz von digitaler Lehre oder Künstliche Intelligenz. Anlässlich ihres Ruhestands blickt Prof. Brinker auf 25 Jahre Netzwerkarbeit und Weiterentwicklung in der Hochschuldidaktik zurück.
Das Netzwerk hdw nrw vermittelt grundlegende didaktische Kenntnisse und macht Lehrende an Hochschulen fit für aktuelle und künftige Herausforderungen etwa durch den Einsatz digitaler Technologien. Gegründet 1998 von der Landesrektor:innenkonferenz NRW mit Anschubfinanzierung des Ministeriums für Wissenschaft und Forschung NRW, soll das Netzwerk als gemeinsame Einrichtung von heute 19 Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) helfen, die Lehre qualitativ zu verbessern und aktuellen Erfordernissen anzupassen.
Die Alternative zum Frontalunterricht ist seminaristisch, aktivierend und anwendungsorientiert
Zum Hintergrund: Wer auf eine Professur an eine HAW berufen wird, muss in der Regel zwar Erfahrung in der Lehre, z.B. als Lehrbeauftragte, mitbringen, aber didaktisches Wissen und Vermittlungskompetenz sind bei den infragekommenden Kandidat:innen oft nicht so stark ausgeprägt wie die ebenfalls obligatorische wissenschaftliche und berufliche Vorerfahrung. „Die Folge war, dass vor der Gründung des Netzwerks hdw nrw viele Lehrende einfach so lehrten, wie sie es selbst einst erlebt haben: als Vorlesung“, so Tobina Brinker. Um die Lehrenden mit dem nötigen Handwerkszeug für eine Lehre auszustatten, die auch den didaktischen Anforderungen an die Vermittlung genügt, baute Brinker das Netzwerk hdw nrw federführend auf – erst an der damaligen FH Bielefeld, damals einer von ursprünglich drei Standorten des Netzwerks, dann als Leiterin der zentralen Geschäftsstelle des gewachsenen Netzwerks, angesiedelt an der heutigen Hochschule Bielefeld (HSBI).
Vom Netzwerkaufbau zur überregionalen Wirkung
Nach ihrem Diplom-Studium der Pädagogik mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung an der Universität Hannover promovierte Brinker über den Einsatz damals sogenannter „Neuer Medien“ im Führungskräftetraining. Nach einigen Jahren als Trainerin und Lernprogrammautorin führte sie 2001 ihr Weg in die Hochschuldidaktik. Brinker: „Das damals bestehende Netzwerk aus drei Arbeitsstellen in Aachen, Hagen und Bielefeld nahm seine Arbeit auf, aber die angebotenen Kurse wurden nicht voll. Also nahm ich alles als Herausforderung an und ging grundsätzlich von einem anderen Erscheinungsbild der Hochschuldidaktik aus. Nicht: ,So musst Du Deine Lehre gestalten!‘, sondern „Wir, Lehrende und ich, gestalten moderne Hochschullehre zusammen und auf Augenhöhe.‘“
Ein wichtiger Schritt für den Aufbau des Netzwerk hdw nrw war das erste Forum Hochschullehre im April 2003 in Bielefeld. Die damals 16 Mitgliedshochschulen präsentierten neue Ideen für die Lehre, hinzu kamen Vorträge und Arbeitskreise. Mit einem Sammelband und der Website „Lehridee.de“ wurden Anregungen auch über die Veranstaltungen hinaus zugänglich. Bereits im Folgejahr verzeichnete sie mehr als 100.000 Benutzerzugriffe. Parallel entwickelte sich das Netzwerk organisatorisch weiter. 2006 übernahm die Geschäftsstelle in Bielefeld sämtliche Aufgaben. Zwei Jahre später vereinbarten die inzwischen 20 Mitgliedshochschulen erstmals vertraglich ihre Zusammenarbeit und sicherten die Finanzierung gemeinsam ab. Aus den anfänglich drei Arbeitsstellen war eine dauerhaft von den Hochschulen getragene Einrichtung geworden. Die Geschäftsstelle in Bielefeld entwickelte sich vom „Ein-Frau-Betrieb“ zu einer Einrichtung mit einem Leitungsteam aus drei wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen und vier Mitarbeiter:innen für Koordination und Buchhaltung.
Gute Vernetzung und Austausch sind entscheidend
Auch über das Netzwerk hinaus engagierte sich Brinker für die Weiterentwicklung der Hochschuldidaktik: 2007 wurde sie Vorstandsmitglied und stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik. Im selben Jahr gründete sie aus einem fachdidaktischen Arbeitskreis des Netzwerk hdw nrw heraus die Gesellschaft für Schlüsselkompetenzen in Lehre, Forschung und Praxis e. V., deren Vorsitz sie übernahm.
„Aktuell beschäftigt die Hochschulen unter anderem die Frage, wie Künstliche Intelligenz das Lehren, Lernen und Prüfen beeinflusst“, so Brinker. Das Netzwerk hdw nrw begleitet Lehrende dabei, diese Entwicklungen einzuordnen und für die eigene Praxis nutzbar zu machen und setzt deshalb – wie auch bei anderen Themen – vor allem auf Referent:innen, die aus der Praxis kommen, das heißt: aus der Hochschullehre. „Sie setzen die neuen Technologien selbst schon in der Lehre ein, manche forschen sogar dazu und können ihr Wissen, ihre Erfahrungen und Erkenntnisse auf Augenhöhe vermitteln,“ Wichtig: Die Inhalte der Workshops sind beim Netzwerk hdw nrw immer auch wissenschaftlich flankiert, die Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik ist eng.
Für die scheidende Geschäftsführerin bleibt eine Überzeugung entscheidend: „Als Hochschuldidaktikerin kann ich viel bewirken, aber nur auf Augenhöhe, mit partnerschaftlichem Vorgehen und guter Vernetzung!“.
Weitere Informationen:
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