100 Jahre Geiseltal-Forschung: MLU zeigt Originalfunde und Urzeit-Bilder
Vor 100 Jahren begannen im Braunkohlerevier Geiseltal Grabungen, die Tausende gut erhaltene Tierfossilien aus der Zeit vor rund 45 Millionen Jahren zutage förderten. Anlässlich dieses Jubiläums zeigt das Geiseltalmuseum der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) vom 6. bis 8. November eine Auswahl der Originalfunde der ersten Grabung und zahlreiche paläontologische Zeichnungen. Präsentiert wird auch eine Graphic Novel über das urzeitliche Leben im Geiseltal, die zum Jubiläum erscheint.
Im Frühjahr 1926 erhielt der gebürtige Brite Ben Barnes vom Geologen Prof. Dr. Johannes Walther von der Universität Halle den Auftrag, die erste systematische Grabung nach Wirbeltieren im Braunkohlerevier Geiseltal durchzuführen. „Während der ersten vergleichsweise kurzen Feldkampagne kam eine kleine, aber beeindruckende Fauna fossiler Wirbeltiere zum Vorschein“, sagt Dr. Frank Steinheimer, Leiter des Zentralmagazins Naturwissenschaftlicher Sammlungen der MLU, zu dem die Geiseltalsammlung gehört. Zu den ersten Funden gehören Fossilien von Schlangen, Schildkröten sowie Zähne und Knochen verschiedener Huftiere. Mit seiner Arbeit über diese Funde wurde Barnes an der Universität Halle promoviert.
„Die erste Grabung und die darauffolgende Doktorarbeit markieren den Beginn der Forschung zur Fossillagerstätte Geiseltal“, so Steinheimer weiter. Die Grabungen liefen bis in die frühen 2000er Jahre, heute ist das Gebiet renaturiert. Zu den bekanntesten und bedeutendsten Funden zählen hundsgroße Urpferdchen, an Land lebende Krokodile und flugunfähige Riesenvögel. Mehrere Hundert wissenschaftliche Studien sind zu den rund 50.000 Fossilien des Geiseltals erschienen. Die Sammlung ist seit 2012 als Teil des „Verzeichnis national wertvolles Kulturgut“ geschützt. „Auch heute wird die Fossilienforschung mit den vorhandenen Funden fortgesetzt, obwohl kein neues Material mehr gewonnen werden kann. Jährlich kommen Forschende aus aller Welt in die Geiseltalsammlung, um neue vergleichende Studien durchzuführen“, so Steinheimer.
Um das Wissen über das urzeitliche Leben im Geiseltal einem breiten Publikum zu vermitteln, wurden laut Steinheimer schon früh Rekonstruktionszeichnungen von Pflanzen, Tieren und Landschaften des eozänen Geiseltals erstellt und im Geiseltalmuseum ausgestellt. Ein Teil dieser über die Jahrzehnte entstandenen Paläokunst ist nun anlässlich des Jubiläums zu sehen.
Auch neuere Werke werden im Geiseltalmuseum gezeigt: Präsentiert wird die neue Graphic Novel des Paläokünstlers Joschua Knüppe zum Geiseltal, die von der Volkswagen-Stiftung gefördert wurde. Vorgestellt werden auch Arbeiten von Sandra Hähle, die die Welt des Geiseltals im Comic-Stil rekonstruierte, und zwei detaillierte Zeichnungen von Karol Schauer, der für seine Abbildungen für das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale) bekannt ist. Zudem stellen Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten aus, die in den vergangenen Jahren im Umfeld der Naturwissenschaftlichen Sammlungen der MLU entstanden.
Sonderöffnungszeiten Geiseltalmuseum
Freitag, 6. November, und Samstag, 7. November, jeweils 10 bis 18 Uhr
Sonntag, 8. November, 10 bis 16 Uhr
Geiseltalmuseum, Neue Residenz
Domstraße 5
06108 Halle (Saale)
Der Eintritt ist frei. Der Zugang ist nicht barrierefrei und erfolgt über eine Treppe.
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