ChatGPT-Werbung ist mehr als sechsmal weniger rentabel als Google-Anzeigen
Neue Studie zeigt Schwächen bei der Werbewirkung und wirft Fragen zu OpenAIs Geschäftsmodell und Börsenplänen auf
- ChatGPT-Anzeigen erzielen deutlich weniger Käufe und Umsatz als Google-Suchanzeigen und unbezahlte ChatGPT-Empfehlungen.
- Pro investiertem Werbedollar erzielen Unternehmen mit ChatGPT-Anzeigen nur 0,52 US-Dollar Umsatz – bei Google-Suchanzeigen sind es 3,40 US-Dollar.
- Die Ergebnisse stellen OpenAIs Werbestrategie und die langfristige Finanzierung kostenloser KI-Dienste infrage.
Werbung auf ChatGPT ist für Unternehmen bislang deutlich weniger rentabel als Werbung auf Google. Das zeigt eine neue Studie von Christian Schulze, Associate Professor of Marketing an der Frankfurt School of Finance & Management, und Maximilian Kaiser, Assistant Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien. Die Forscher untersuchten die Wirksamkeit bezahlter ChatGPT-Anzeigen und deren Auswirkungen auf das Nutzerverhalten. Die Ergebnisse werfen Fragen zu OpenAIs Geschäftsmodell und einem möglichen Börsengang auf.
ChatGPT-Werbung deutlich weniger effektiv als Google-Anzeigen
Während ein Besuch über eine Google-Suchanzeige durchschnittlich 2,45 US-Dollar Umsatz generierte, waren es bei ChatGPT-Anzeigen lediglich 0,89 US-Dollar – rund 64 Prozent weniger. Auch die Kaufwahrscheinlichkeit war mit 0,37 Prozent deutlich geringer als bei Google-Suchanzeigen (1,17 Prozent). Von 102 untersuchten Werbetreibenden mit vollständigen Umsatzdaten verzeichneten 82 Prozent keinen einzigen Kauf über ChatGPT-Anzeigen. Insgesamt bot Google-Suchmaschinenwerbung, gemessen an öffentlich berichteten ChatGPT-Anzeigenpreisen, ein 6,6-mal besseres Verhältnis von Werbeausgaben zu erzieltem Umsatz.
„ChatGPT ist derzeit noch weit davon entfernt, eine wirtschaftlich gleichwertige Alternative zu Google als Werbeplattform zu sein. Für Unternehmen zählt, ob Werbung zu Käufen führt und sich die Investition rechnet. Genau hier sehen wir erhebliche Schwächen. Bemerkenswert ist, dass selbst unbezahlte ChatGPT-Empfehlungen deutlich besser abschneiden als bezahlte Anzeigen“, erklärt Christian Schulze.
Mehr Werbung könnte die Attraktivität von ChatGPT beeinträchtigen
Die Studie deutet zudem darauf hin, dass ChatGPT nach Einführung der Werbung rund sechs bis acht Prozent weniger Besucherinnen und Besucher über unbezahlte Empfehlungen an Online-Shops vermittelte. Die Kaufwahrscheinlichkeit der weiterhin vermittelten Nutzer blieb hingegen unverändert.
Für OpenAI entsteht daraus ein Dilemma: Um die Werbeeinnahmen zu steigern, könnte das Unternehmen Anzeigen stärker in die Antworten integrieren. Dies könnte jedoch das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Empfehlungen gefährden.
„OpenAI steht vor einem grundlegenden Zielkonflikt: Werbung muss wirtschaftlich attraktiv sein, darf aber gleichzeitig den Nutzen von ChatGPT nicht beeinträchtigen. Eine stärkere Integration von Werbung in die Antworten könnte ihre Wirksamkeit erhöhen, gleichzeitig aber das Vertrauen der Nutzer gefährden“, sagt Christian Schulze.
Studie stellt OpenAIs Wachstumspläne infrage
Die Ergebnisse sind auch mit Blick auf einen möglichen Börsengang von OpenAI relevant. Laut den in der Studie herangezogenen Unternehmensangaben kostet ein ChatGPT-Nutzer ohne Bezahl-Abonnement rund fünf US-Dollar jährlich, während die prognostizierten Werbeeinnahmen derzeit nur bei etwa einem US-Dollar liegen. Um die Kosten zu decken und die ambitionierten Umsatzziele zu erreichen, müsste OpenAI den wirtschaftlichen Wert seiner Werbung erheblich steigern. Die zentrale Herausforderung besteht darin, dies zu schaffen, ohne die Attraktivität von ChatGPT für die Nutzer zu beeinträchtigen.
Über die Studie
Für die Studie „Can Advertising Fund Free AI? Evidence from ChatGPT’s International Advertising Rollout“ analysierten die Forscher Daten von 1.898 internationalen Online-Shops mit fast zehn Milliarden Website-Besuchen zwischen Juni 2025 und August 2026. Die Werbewirkung wurde anhand von 387 Websites untersucht, darunter 102 mit vollständigen Umsatzdaten. Detaillierte Informationen zur Studie sind unter https://ecommerceresearch.org/chatgpt-ads kostenlos verfügbar.
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Über die Frankfurt School of Finance & Management
Die Frankfurt School of Finance & Management ist eine private Business School, die von EQUIS, AMBA und AACSB akkreditiert ist. Sie ist auf Finanz-, Wirtschafts- und Management-Themen spezialisiert und bietet Bachelor-, Master-, MBA- und Promotionsprogramme an sowie Executive Education und Seminare für Berufstätige und Auszubildende. In renommierten Hochschul-Rankings erreicht die Frankfurt School regelmäßig Spitzenpositionen. Beispielsweise belegt sie im European Business School Ranking der Financial Times Platz 31, in den prestigeträchtigen UTD Top 100 Business School Research Rankings ist sie auf Platz eins in Deutschland, im Hochschulranking der WirtschaftsWoche für Betriebswirtschaftslehre belegt sie den dritten Platz. Ein zentrales Anliegen der Frankfurt School ist es, Unternehmertum und Startups zu fördern, insbesondere mit dem hauseigenen Entrepreneurship Centre und der Tochtergesellschaft Futury als Startup Factory für die Rhein-Main-Region. Darüber hinaus zeichnet sich die Frankfurt School durch ihre Beratungsleistungen aus. Ein Schwerpunkt liegt dabei in der Beratung von Unternehmen und Organisationen in Schwellen- und Entwicklungsländern, insbesondere im Bereich ESG. Neben dem Frankfurter Campus unterhält die Frankfurt School Studienstandorte in Hamburg, München und Dubai. Mit rund 150 Partneruniversitäten ist sie eine weltweit vernetzte Business School. www.frankfurt-school.de
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