Mit kreativen Ideen gegen den Leerstand
Leerstehende Ladenflächen bieten Raum für kreative Nutzungsideen. Die Bremerhavener Studentin Theresa Krönner hat Bürger:innen zu einem Kreativworkshop eingeladen, bei dem diese ihre Wünsche, Bedürfnisse und Ideen für die Entwicklung der ungenutzten Flächen in der Innenstadt einbringen konnten. Die Ergebnisse werden noch ausgewertet.
Leere Schaufenster so weit das Auge reicht – das ist die traurige Realität in vielen deutschen Innenstädten. Besonders kleine stationäre Händler:innen können sich nur schwer neben dem Angebot großer Versandhäuser behaupten. Das zeigt sich auch in Bremerhaven, wo viele Ladenflächen seit längerer Zeit leer stehen. Für Theresa Krönner, die an der Hochschule „Gründung, Innovation, Führung“ studiert, ist dieser Zustand auch eine Chance, sich neue Nutzungsideen zu überlegen. Eine davon hat sie bereits im Januar 2026 gemeinsam mit zwei Kommiliton:innen getestet und den Indoor-Flohmarkt „InFloh“ veranstaltet. Die Ladenfläche wurde von der Initiative Springflut zur Verfügung gestellt. Jetzt wollte sie im Rahmen ihres Wahlpflichtmoduls „Kreativität & Visualisierung“ keine eigene Idee umsetzen, sondern vielmehr die Bremerhavener:innen selbst kreativ werden lassen. „Mein Ziel war es, gemeinsam mit den Bürger:innen Ideen, Wünsche und Bedürfnisse für die zukünftige Nutzung leerstehender Ladenflächen zu sammeln, insbesondere mit Blick auf das Columbus-Center. Dabei stand für mich im Vordergrund, den Menschen Raum für ihre Gedanken und Vorstellungen zu geben, ihnen zuzuhören und sie aktiv in die Entwicklung neuer Perspektiven für bislang ungenutzte Flächen einzubeziehen“, erklärt Theresa Krönner.
Bei Kreativ-Workshop konnten sich alle Bürger:innen einbringen
Für ihren zweitägigen Workshop nutzte die Studentin eine Ladenfläche im Columbus Center, die ebenfalls bis vor einigen Monaten leer stand. Heute betreibt darin der Studiengang „International Tourism Management“ eine Co-Working-Fläche namens „COCO“, die auch von Studierenden anderer Studiengänge genutzt werden kann. Theresa Krönner hatte vier interaktive Stationen aufgebaut, an denen die Teilnehmenden ihre Wünsche, Bedürfnisse und Ideen festhalten konnten – alles eigenständig und im eigenen Tempo. „Die Stationen habe ich bewusst niederschwellig und selbsterklärend gestaltet, sodass Interessierte jederzeit dazukommen und sich ohne vorherige Anmeldung beteiligen konnten“, sagt die Studentin. Außerdem gab es keine Verpflichtung, alle Stationen zu bearbeiten. Für alle Teilnehmenden stand frisches Obst bereit, das von der Bremerhavener Obsthandlung Dietzel gesponsert worden war.
Über die beiden Tage verteilt fanden immer wieder Interessierte den Weg in die Räumlichkeiten. Manche von ihnen kamen spontan, andere waren der Ankündigung in den Medien gefolgt. Theresa Krönner freut sich über die Vielfalt der Teilnehmenden und den intensiven Austausch. „Es kamen Menschen aus ganz verschiedenen Altersgruppen zusammen. Die jüngste Teilnehmerin war gerade einmal acht Jahre alt, aber auch viele ältere Menschen zeigten großes Interesse und brachten ihre Gedanken, Wünsche und Ideen ein. Ich hatte den Eindruck, dass es den Menschen viel bedeutet hat, dass sich jemand Zeit für sie nimmt, ihnen zuhört und ihre Ideen aufgreift. Dabei wurde mir noch einmal besonders bewusst, wie viele Menschen das Thema Leerstand beschäftigt und wie viel sie dazu zu sagen haben.“
Auswertung fließt in Modulprüfung
Für Theresa Krönner waren ihre beiden Workshop-Tage eine besondere Erfahrung – auch, weil sie sich aus ihrer Komfortzone bewegen und Passant:innen ansprechen musste. Die daraus entstandenen Begegnungen und Gespräche waren die vorherige Nervosität aber wert. „Ich würde sehr gerne noch einmal einen solchen Kreativ-Workshop anbieten. Der direkte Austausch mit den Menschen, ihre unterschiedlichen Sichtweisen und die vielen Ideen haben mir gezeigt, wie wertvoll es ist, Räume für Begegnungen und Beteiligung zu schaffen“, erklärt sie. Welche Ergebnisse der Workshop liefert, kann Theresa Krönner derzeit noch nicht sagen. Sie sind Teil ihrer Modularbeit und müssen noch von ihr ausgewertet werden.
Der Studiengang „Gründung, Innovation, Führung“ richtet sich an unternehmerisch interessierte und denkende Menschen, die Unternehmertum nicht nur verstehen, sondern erleben wollen. Die Studierenden lernen, wie innovative Ideen im Team entwickelt und umgesetzt werden. Statt an Fallstudien oder Simulationen arbeiten sie von Anfang an praktisch im eigenen Unternehmen, der Team Academy Bremerhaven e.G. – kurz TAB. Dabei gründen, entscheiden und lernen sie gemeinsam mit echten Projekten, echten Entscheidungen und echter Verantwortung. Teamarbeit ist dabei die Basis. Das Studienmodell stammt aus Finnland und ist weltweit als Team Academy bekannt.
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