Alanus Hochschule baut Forschung zur Anthroposophie aus
Rudolf Steiners Welt- und Menschenbild steht aktuell wieder verstärkt im öffentlichen Fokus und wird kritisch diskutiert. Die Alanus Hochschule beschäftigt sich seit vielen Jahren wissenschaftlich mit der Anthroposophie und dem Werk Steiners. Auch der Wissenschaftsrat betont die Bedeutung einer vertieften kritisch-diskursiven Auseinandersetzung. Mit der Berufung von Dr. Johanna Hueck und Dr. Jens Heisterkamp baut die Hochschule diesen Forschungsschwerpunkt mit philosophisch-erkenntnistheoretischen sowie historisch-praxisbezogenen Perspektiven weiter aus.
Rudolf Steiners Welt- und Menschenbild, das unter anderem die Waldorfpädagogik prägt, steht aktuell wieder verstärkt im öffentlichen Fokus und wird kritisch diskutiert. An der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter gehört die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Anthroposophie und dem Werk Rudolf Steiners seit vielen Jahren zum Forschungsprofil. Auch der Wissenschaftsrat hat im Rahmen der institutionellen Akkreditierungen der Alanus Hochschule wiederholt auf die Bedeutung einer vertieften kritisch-diskursiven Auseinandersetzung mit der Anthroposophie hingewiesen. Mit der Berufung von Dr. Johanna Hueck und Dr. Jens Heisterkamp baut die Hochschule diesen Schwerpunkt weiter aus. Beide bringen unterschiedliche Perspektiven ein: eine philosophisch-erkenntnistheoretische sowie eine historisch und praxisbezogen ausgerichtete.
Philosophische Grundlagen und eigenständiges Denken
Dr. Johanna Hueck wurde zur Professorin für Philosophie, insbesondere philosophische Erkenntnisgrundlagen der Anthroposophie, ernannt. In ihrer Forschung und Lehre an der Alanus Hochschule möchte sie unter anderem der Frage nachgehen, wie sich ein lebendiges, kreatives und eigenständiges Denken fördern lässt und welchen Beitrag die Anthroposophie dazu leisten kann. Ein weiterer Schwerpunkt ist die historische Einordnung von Steiners Denken in die Philosophiegeschichte. Dazu untersucht Hueck die philosophischen Quellen der Anthroposophie und vergleicht Steiners Positionen mit anderen philosophischen Ansätzen. Ziel ist es, sowohl die Eigenständigkeit seiner Gedanken als auch ihre Bezüge zur Philosophiegeschichte nachvollziehbar zu machen. Damit möchte sie auch ein Bewusstsein dafür schaffen, wie heutige Weltbilder und wissenschaftliche Denkweisen historisch entstanden sind.
Hueck promovierte 2021 an der Universität Freiburg mit der Arbeit „Aktive Passivität. Krisis und Selbsttransformation neuzeitlicher Subjektivität im Denken F. W. J. Schellings“ mit dem Prädikat summa cum laude. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Erkenntnistheorie, Naturphilosophie und Geschichte der Philosophie sowie in der Existenz- und Bildungsphilosophie. Bereits von 2010 bis 2013 studierte sie mit den Schwerpunkten Wirtschaft und Philosophie an der Alanus Hochschule. Von 2019 bis 2026 war sie Mitarbeiterin am Philosophischen Seminar e. V. in Stuttgart und gehörte dort dem Leitungsteam an.
Historische Entwicklung und gesellschaftliche Praxis
Dr. Jens Heisterkamp wurde zum Professor für Erkenntnisgrundlagen der Anthroposophie und ihrer Praxisfelder ernannt. Ein Schwerpunkt seiner Lehr- und Forschungsarbeit in den kommenden Semestern ist unter anderem Steiners Entwurf einer neuen sozialen Ordnung, den er 1918/19 vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs, des Zusammenbruchs des Kaiserreichs und der revolutionären Umbrüche in Deutschland entwickelte. Mit seiner Idee der sozialen Dreigliederung suchte Steiner nach einer grundlegenden Neuordnung des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Heisterkamp geht den historischen Voraussetzungen und praktischen Umsetzungsversuchen dieses Entwurfs nach und untersucht die Bedeutung der Kunst für die Gestaltung gesellschaftlicher Entwicklung.
Heisterkamp studierte Geschichte und Literaturwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum und promovierte 1988 über die Geschichtsauffassung Rudolf Steiners. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit war er in der anthroposophischen Erwachsenenbildung, Heilpädagogik und als Waldorflehrer tätig. Seit 1995 arbeitet er für die Zeitschrift info3, heute als deren Chefredakteur. Zudem engagiert er sich in der Veranstaltungsreihe „Anthroposophie im Dialog“ der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland.
Hueck und Heisterkamp teilen sich die von der Firma Sonett unterstützte Professur und treten damit die Nachfolge von Prof. Dr. Dr. Wolf-Ulrich Klünker an, der die Professur für Philosophie und Erkenntnisgrundlagen der Anthroposophie seit 2014 innehatte. Mit ihren unterschiedlichen fachlichen Zugängen führen sie die Arbeit an den philosophischen Grundlagen sowie der historischen Entwicklung und den gesellschaftlichen Praxisfeldern der Anthroposophie fort und setzen neue Akzente in der Forschung.
Weitere Informationen:
https://www.alanus.edu
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