Gemeinsam am Patienten lernen: DGN-Lehrpreis 2026 für interprofessionelles Ausbildungskonzept aus Jena
Die Versorgung von Menschen mit Schlaganfall ist Teamarbeit: Ärztlicher Dienst, Pflege, Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie müssen eng zusammenarbeiten. In der Ausbildung lernen die verschiedenen Berufsgruppen jedoch häufig noch weitgehend getrennt voneinander. Die „Interprofessionelle Stroke-Ausbildungsstation“ (InStA) am Universitätsklinikum Jena setzt genau hier an: Angehende Neurologen sowie Pflegekräfte übernehmen gemeinsam Verantwortung für Patienten und lernen dabei auch die Perspektiven anderer Gesundheitsberufe kennen. Für das innovative Lehrprojekt zeichnet die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) Dr. Caroline Klingner mit dem DGN-Lehrpreis 2026 aus.
Seit März 2024 ist InStA auf der Stroke Unit der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Jena etabliert. Medizinstudierende im Praktischen Jahr und Auszubildende der Pflege betreuen dort über zwei bis vier Wochen kontinuierlich zwei bis vier Patientinnen und Patienten. Dabei werden sie von speziell geschulten ärztlichen und pflegerischen Lernbegleiterinnen und Lernbegleitern unterstützt. Auch Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie sind in das Ausbildungskonzept eingebunden.
Das Besondere: Interprofessionelle Zusammenarbeit wird nicht nur theoretisch vermittelt, sondern im realen klinischen Alltag eingeübt. Die Lernenden analysieren gemeinsam die Situation ihrer Patienten, formulieren Ziele und stimmen die erforderlichen Maßnahmen aufeinander ab. Feste Strukturen wie die interprofessionelle Teamübergabe und eine gemeinsame Lehrvisite schaffen dafür Raum. „Wir wollten mit InStA keinen künstlichen Lehrbetrieb schaffen, sondern den echten Arbeitsalltag abbilden“, erklärt Dr. Klingner. „Gerade bei der Behandlung eines Schlaganfalls greifen ärztliche Diagnostik und Therapie, pflegerische Versorgung sowie Physio-, Ergo- und Sprachtherapie unmittelbar ineinander. InStA macht diese Schnittstellen für die Lernenden sichtbar.“
„In der modernen Neurologie hängt eine hochwertige Versorgung ganz wesentlich davon ab, dass unterschiedliche Professionen ihre Kompetenzen zusammenbringen. Genau das vermittelt InStA bereits in der Ausbildung – nicht abstrakt, sondern in der gemeinsamen Verantwortung für reale Patientinnen und Patienten. Das Projekt verbindet damit auf überzeugende Weise klinisches Lernen, Interprofessionalität und Patientenzentrierung. Diesen Ansatz möchten wir mit dem DGN-Lehrpreis sichtbar machen und würdigen“, erklärt Prof. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN.
Ein wesentliches Prinzip von InStA ist das Lernen durch eigenes Handeln. Die Studierenden übernehmen Aufgaben und Verantwortung, bleiben dabei jedoch eng supervidiert. Für Klingner ist genau dies eine Voraussetzung guter klinischer Lehre. Lernende sollten nicht lediglich bei Visiten mitlaufen, sondern konkrete Beobachtungs- und Entscheidungsaufgaben erhalten. Ihre Rolle als Lehrende sieht sie deshalb weniger in der reinen Wissensvermittlung als darin, zu zeigen, wie Wissen angewendet wird und wie klinisches Denken funktioniert.
Nach der Projektphase soll InStA nun dauerhaft in bestehende Strukturen integriert werden. Dazu gehört auch, die Lernbegleitung weiterzuentwickeln. Klingner setzt auf das Prinzip einer „Lernkaskade“: Erfahrenere Kolleginnen und Kollegen leiten die jeweils nächste Ausbildungsstufe an und schulen damit zugleich ihre eigenen Lehrkompetenzen. So soll eine Lehrkultur entstehen, die nicht von einzelnen besonders engagierten Personen abhängig ist.
Den DGN-Lehrpreis versteht Klingner daher ausdrücklich als Auszeichnung für das gesamte InStA-Team: „Ohne unsere Assistenzärzte, die Pflege und unsere Therapeuten würde dieses Projekt nicht funktionieren.“ Besonders freue sie, dass das Jenaer Lehrprojekt durch den Preis deutschlandweit Schule machen könnte.
Fotos der Preisträgerin können bei der Pressestelle angefragt werden.
Pressekontakt
Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
Pressesprecher: Prof. Dr. Peter Berlit
Leiterin der DGN-Pressestelle: Dr. Bettina Albers
Tel.: +49(0)174 2165629
E-Mail: presse@dgn.org
Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
ist mit ihren über 14.000 Mitgliedern die Stimme der Neurologie in medizinischer, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Verantwortung und steht für beste neurologische Versorgung und Hirngesundheit in Deutschland. Sie fördert als offene, praxisnahe, digital vernetzte, interprofessionell und interdisziplinär arbeitende Fachgesellschaft neurologischen Fortschritt, bildet kulturelle Vielfalt ab und ist sowohl wissenschaftlich als auch gesundheitspolitisch wirksam. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin. www.dgn.org
Präsidentin: Prof. Dr. Daniela Berg
Stellvertretender Präsident: Prof. Dr. Dr. Sven Meuth
Past-Präsident: Prof. Dr. Lars Timmermann
Generalsekretär: Prof. Dr. Peter Berlit
Geschäftsführer: David Friedrich-Schmidt
Geschäftsstelle: Budapester Str. 7/9, 10787 Berlin, Tel.: +49 (0)30 531437930, E-Mail: info@dgn.org
Ähnliche Pressemitteilungen im idw