IWH-Insolvenztrend: Firmenpleiten verharren im Oktober auf hohem Niveau, Lichtblick zum Jahresende
Wie das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) in einer heute veröffentlichten Analyse feststellt, ist die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland im Oktober leicht gestiegen. Die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze nahm deutlich zu. Die Frühindikatoren deuten jedoch darauf hin, dass die Insolvenzzahlen im November und Dezember zurückgehen dürften.
Die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland liegt laut IWH-Insolvenztrend im Oktober bei 1683 (vgl. Abbildung 1). Das sind 1% mehr als im September und 9% mehr als im Oktober 2025. Im Vergleich zu einem durchschnittlichen Oktober der Jahre 2016 bis 2019 – also vor der Corona-Pandemie – liegt die aktuelle Zahl um 83% höher. In Hessen wurde mit 180 Insolvenzen der höchste Wert seit Beginn der IWH-Erhebungen im Januar 2020 erreicht.
Schließungen großer Arbeitgeber führen häufig zu erheblichen und dauerhaften Einkommens- und Lohnverlusten bei den betroffenen Beschäftigten. Die Zahl der von Großinsolvenzen betroffenen Jobs liefert zudem eine gute Annäherung an die Gesamtzahl der von Insolvenz betroffenen Arbeitsplätze. Laut IWH-Insolvenztrend waren im Oktober in den größten 10% der insolventen Unternehmen etwa 16800 Arbeitsplätze betroffen. Damit liegt die Zahl der betroffenen Beschäftigten 45% über dem Vormonatswert, 21% über dem Vorjahresmonat und ist mehr als doppelt so hoch (+104%) wie im Oktober-Durchschnitt der Vor-Corona-Jahre 2016 bis 2019 (vgl. Abbildung 2).
Im Verarbeitenden Gewerbe waren bundesweit insgesamt etwa 9400 Arbeitsplätze betroffen. Das ist der zweithöchste Wert seit Beginn der IWH-Erhebungen im Januar 2020. Nur im September 2024 lag die Zahl mit etwa 10500 höher. In Baden-Württemberg wurde mit etwa 6500 betroffenen Arbeitsplätzen ein neuer Höchstwert erreicht. Zu den bekanntesten Insolvenzeröffnungen in Deutschland zählten im Oktober die VARTA AG und mehrere damit verbundene Unternehmen.
Das IWH erhebt Frühindikatoren, die dem Insolvenzgeschehen in der Regel zwei bis drei Monate vorauslaufen. In den vergangenen Monaten waren die Frühindikatoren rückläufig. Für November und Dezember ist daher mit sinkenden Insolvenzzahlen zu rechnen.
„Die Insolvenzzahlen bewegen sich weiterhin auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Zudem waren im Oktober wieder deutlich mehr Arbeitsplätze betroffen als im Vormonat“, sagt Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung. „Einen Lichtblick liefern die Frühindikatoren: Sie lassen zum Jahresende einen Rückgang der Insolvenzzahlen erwarten.“
IWH-Insolvenztrend: Hintergrund, Daten, Methodik
Deutlich schneller als die amtliche Statistik liefert der IWH-Insolvenztrend des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) jeden Monat einen belastbaren Befund zum bundesweiten Insolvenzgeschehen für Personen- und Kapitalgesellschaften. Die Ergebnisse weisen nur geringfügige Abweichungen von den amtlichen Zahlen auf, die mit etwa zwei Monaten Zeitverzug eine umfassende Einschätzung der Lage erlauben (vgl. Abbildung 3).
Der IWH-Insolvenztrend ist deshalb ein verlässlicher Frühindikator für das Insolvenzgeschehen und die wirtschaftliche Entwicklung. Für seine Analysen wertet das IWH die aktuellen Insolvenzbekanntmachungen der deutschen Registergerichte aus und verknüpft sie mit Bilanzkennzahlen betroffener Unternehmen. Dank seiner langjährigen Expertise, gebündelt in der IWH-Insolvenzforschungsstelle, gehört das Institut bundesweit zu den führenden Einrichtungen auf diesem Themengebiet.
Die im IWH-Insolvenztrend gemeldeten Insolvenzen von Kapital- und Personen-gesellschaften umfassen in der Regel mehr als 90% der von Unternehmensinsolvenz betroffenen Arbeitsplätze und 95% der Forderungen. Damit bilden diese Zahlen verlässlich die direkten volkswirtschaftlichen Konsequenzen des Insolvenzgeschehens ab.
Anders abgegrenzt sind Statistiken zu Regelinsolvenzen und Unternehmensinsolvenzen. Regelinsolvenzen umfassen neben Unternehmensinsolvenzen auch bestimmte natürliche Personen wie Selbstständige oder ehemals selbstständig Tätige mit unüberschaubaren Vermögensverhältnissen sowie privat haftende Gesellschafter und Einzelunternehmer.
Die amtliche Statistik zu den Unternehmensinsolvenzen erfasst zusätzlich zu den im IWH-Insolvenztrend erfassten Personen- und Kapitalgesellschaften auch die gesamtwirtschaftlich wenig relevante Gruppe der Kleinstunternehmen. Die Zahl der insolventen Personen- und Kapitalgesellschaften macht weniger als die Hälfte der Regelinsolvenzen und etwa zwei Drittel der Unternehmensinsolvenzen aus. Die prozentualen monatlichen Veränderungen bei den Regelinsolvenzen und den Unternehmensinsolvenzen können sich aufgrund der Vielzahl gesamtwirtschaftlich unbedeutender Insolvenzfälle deutlich von denen der Personen- und Kapitalgesellschaften unterscheiden.
Mehr zur IWH-Insolvenzforschung und zur Methodik hinter dem IWH-Insolvenztrend:
www.iwh-halle.de/insolvenzforschung
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Professor Dr. Steffen Müller
Tel +49 345 7753 708
Steffen.Mueller@iwh-halle.de
https://www.iwh-halle.de/ueber-das-iwh/team/detail/steffen-mueller
Weitere Informationen:
https://www.iwh-halle.de/presse/pressemitteilungen/detail/iwh-insolvenztrend-firmenpleiten-verharren-im-oktober-auf-hohem-niveau-lichtblick-zum-jahresende IWH-Insolvenztrend vom 05.11.2026
https://www.iwh-halle.de/forschung/daten-und-analysen/iwh-insolvenzforschung IWH-Insolvenzforschung: Hintergrund, Daten, Methodik
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