Personalisierte Spar-Erinnerungen können die Altersvorsorge stärken
Studie zeigt, wie viel gezielte Verhaltensinterventionen für die private Altersvorsorge bewirken können / Veröffentlichung in Scientific Reports
Die private Altersvorsorge gerät zunehmend in den Fokus gesellschaftlicher Diskussion. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten, Spar-Erinnerungen zu formulieren: Man betont entweder, was jemand verliert, wenn er nicht spart. Oder man betont, was er gewinnt, wenn er spart. Die bisherige Forschung dazu, welche der beiden Erinnerungsnachrichten effektiver die Sparbemühungen beeinflusst, ist widersprüchlich. Ein Team aus Wissenschaftlern der Universitäten Köln, München und Paderborn konnte nun zeigen, dass Menschen sehr unterschiedlich auf dieselbe Kernbotschaft reagieren, je nachdem wie sie formuliert ist. Die Verlustbotschaft wirkt eher bei Menschen, deren Beruf viel Informationsverarbeitung verlangt. Die Gewinnbotschaft wirkt eher bei Älteren ab 50 und bei Menschen, die schon oft zusätzlich eingezahlt haben.
Das Paper „Causal machine learning reveals heterogeneous effects of loss versus gain framing on retirement savings“ im Fachjournal Scientific Reports zeigt, wie stark gezielte Verhaltensinterventionen die private Altersvorsorge erhöhen können. Beteiligt sind neben Professor Dr. Markus Weinmann von der Universität zu Köln noch Kevin Bösch und Professor Dr. Oliver Müller von der Universität Paderborn, Professor Dr. Stefan Feuerriegel von der LMU München.
Die Wissenschaftler unternahmen 2021 und 2022 zwei Feldexperimente zusammen mit einem europäischen privaten Anbieter von Altersvorsorge, mit insgesamt rund 41.000 Kundinnen und Kunden, die meisten davon in der Schweiz. Sie bekamen über eine App eine Erinnerung an ihren noch steuerlich absetzbaren Sparbetrag. Per Zufall war die Erinnerung entweder als Verlust oder als Gewinn formuliert. Das Team wertete die Daten mit kausalem maschinellem Lernen aus – einem Verfahren, das aus Experimentdaten lernt, bei wem bestimmte Maßnahmen Wirkung zeigen. So konnten die Forschenden ermitteln, wer auf welche Botschaft anspricht. Diese Vorhersage prüften sie es an den Kundinnen und Kunden des zweiten Experiments.
Im Durchschnitt wirken beide Botschaften fast gleich. Doch dahinter stecken große Unterschiede: Im Viertel der Kundinnen und Kunden, das am stärksten auf die Verlustbotschaft anspricht, steigt der Anteil der Sparenden um 9,4 Prozentpunkte. Im Viertel, das am stärksten auf die Gewinnbotschaft anspricht, sinkt er durch die Verlustbotschaft um 8,4 Prozentpunkte.
Bekäme jede Person die Botschaft, die zu ihr passt, würden nach Hochrechnung der Forschenden 51 Prozent mehr Menschen sparen (6,86 statt 4,53 Prozent der Angeschriebenen). Der durchschnittliche Sparbetrag würde um 18 Prozent steigen (2.442 statt 2.062 Euro je sparender Person). Verglichen wird mit der Variante, allen die Verlustbotschaft zu schicken. Der Kölner Wirtschaftswissenschaftler Weinmann erklärt: "Wir zeigen, wie viel gezielte Verhaltensinterventionen für die private Altersvorsorge bewirken können. Bekommt jede Person die Erinnerung, auf die sie anspricht, würden rund die Hälfte mehr Menschen zusätzlich fürs Alter sparen. Sie würden im Schnitt fast ein Fünftel mehr einzahlen als bei einer einheitlichen Botschaft für alle. Dafür reicht bereits eine anders formulierte Nachricht."
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Professor Dr. Markus Weinmann
der Universität zu Köln
markus.weinmann@uni-koeln.de
Originalpublikation:
https://www.nature.com/articles/s41598-026-76813-1
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