KI in der Medizin und nachhaltiger Kakaoanbau – Dr. Hans Messer Stiftungspreis würdigt zwei Forscherinnen der TU
Professorin Ekaterina Jussupow aus dem Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften und Dr. Carolina Ocampo-Ariza aus dem Fachbereich Biologie der TU Darmstadt haben gestern (5. November 2026) den Dr. Hans Messer Stiftungspreis erhalten. Mit dem Preisgeld planen die Forscherinnen Projekte von hoher Relevanz für Gesellschaft und Natur.
Der diesjährige Dr. Hans Messer Stiftungspreis würdigt zwei Wissenschaftlerinnen der TU Darmstadt, die auf ganz unterschiedlichen Gebieten zukunftsrelevante und anwendungsnahe Forschung betreiben. Professorin Ekaterina Jussupow, seit März 2023 Tenure-Track-Professorin im Fachgebiet Wirtschaftsinformatik, analysiert Mensch-KI-Interaktionen. Sie will verstehen, wie die zunehmende Nutzung von KI menschliches Denken und Handeln verändert. Dr. Carolina Ocampo-Ariza, seit April 2025 Postdoktorandin in der Forschungsgruppe Ökologische Netzwerke, erforscht schädlingsfressende Insekten und andere Gliederfüßer. Sie arbeitet an umweltfreundlichen Alternativen zu chemischen Pestiziden in der Landwirtschaft. Beide Forscherinnen werden mit dem Preisgeld von jeweils 50.000 Euro Untersuchungen in realen Umgebungen durchführen.
Die studierte Psychologin Jussupow plant eine Studie am Universitätsklinikum Toronto. Dort möchte sie Ärztinnen und Ärzte bei der Einführung eines KI-Systems beobachten, das Röntgenbilder auswertet und automatisch Berichte erstellt. Mit speziellen Erhebungsmethoden und Interviewtechniken wird Jussupow erfassen, wie das KI-System ärztliche Kompetenzen und Entscheidungsfindungen beeinflusst. Die Erkenntnisse beantworten Schlüsselfragen der digitalen Medizin der Zukunft und sind zudem essenziell für Gesetze zur KI-Regulierung. Die Jury würdigte die hohe gesellschaftliche und wissenschaftliche Relevanz von Jussupows Forschungsfrage, die hohe Bedeutung für die medizinische Praxis sowie die Aktualität angesichts des zunehmenden Einsatzes von KI in der Medizin.
Das Projekt der Biologin Ocampo-Ariza widmet sich dem Kakaoanbau in der Elfenbeinküste, der durch Schädlinge und Pflanzenkrankheiten bedroht ist. Sie wird bestimmte schädlingsfressende Ameisen und Spinnen untersuchen, die natürlicherweise in den Plantagen vorkommen. Bei Wahl geeigneter Anbaubedingungen könnten die Gliederfüßer chemische Pestizide ersetzen. So will Ocampo-Ariza Natur- und Biodiversitätsschutz mit Ertragssteigerungen in der Landwirtschaft verbinden. Die Jury lobte die hohe gesellschaftliche und ökologische Relevanz des Projekts, den Beitrag zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft sowie die hohe Praxis- und Anwendungsorientierung.
Beide Preisträgerinnen stehen am Anfang ihrer akademischen Karrieren. Jussupow baut ihre Forschungsgruppe noch aus, Ocampo-Ariza arbeitet an ihrer Habilitation. Der hochdotierte Dr. Hans Messer Stiftungspreis bietet beiden ein Sprungbrett in größere Projekte. Sowohl Jussupow als auch Ocampo-Ariza möchten die Daten und Erkenntnisse, die sie in den jetzt geplanten Vorhaben gewinnen werden, für Förderanträge beim European Research Council nutzen. Ideen für zukünftige Studien haben die Preisträgerinnen reichlich, zumal sie mit ihren unkonventionellen Ansätzen auf Forschungslücken treffen, die dringend geschlossen werden müssen. Wenn der Mensch die Hoheit über KI-Systeme behalten will und wenn die Landwirtschaft eine wachsende Weltbevölkerung nachhaltig mit Nahrungsmitteln versorgen soll, sind wissenschaftliche Untersuchungen wie die von Jussupow und Ocampo-Ariza unabdingbar. In der gemeinsamen Begründung für die Auswahl beider Preisträgerinnen hob die Jury die innovativen Forschungsansätze hervor sowie den Mut der Wissenschaftlerinnen, sich anspruchsvollen und gesellschaftlich bedeutsamen Forschungsfragen zu widmen.
Die Auszeichnung
Der Dr. Hans Messer Stiftungspreis, verliehen von der Hans und Ria Messer Stiftung (bis 2024 Dr. Hans Messer Stiftung), wird jährlich zur Förderung von Forschung und Lehre für Wissenschaftler:innen in einer frühen Karrierephase mit hervorragenden Leistungen auf den Gebieten der Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften sowie Wirtschafts-, Sozial- und Geisteswissenschaften vergeben. Zu Ehren des Hauptgründers und Stifters Dr. Hans Messer, der 2025 100 Jahre alt geworden wäre, wurde das Preisgeld seit vergangenem Jahr auf 100.000 Euro verdoppelt.
Die Hans und Ria Messer Stiftung fördert bundesweit Aus- und Weiterbildung sowie Wissenschaft und Forschung. Die Stiftung wurde im Jahr 1978 von Dr. Hans Messer ins Leben gerufen und ist seit dem Jahr 1979 als gemeinnützige Stiftung anerkannt. Unter dem Vorsitz von Dr. Hans Messer wurde auch der Stiftungspreis an der TU Darmstadt eingeführt. Die Stiftung fördert Forschungsprojekte, unterstützt wissenschaftliche und schulische Einrichtungen und vergibt kontinuierlich Bildungs- und Forschungsstipendien. Die Stiftung verleiht ihren Stiftungspreis an der TU Darmstadt regelmäßig seit 1994. Er ist der derzeit höchstdotierte Preis für Early Career Researchers an der TU Darmstadt.
Bildmaterial
Bildmaterial zu der Veranstaltung und den Preisträgerinnen kann unter presse@tu-darmstadt.de angefordert werden.
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MI-Nr. 52/2026, Uta Neubauer/mih
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