Deutschland braucht eine wachsende Anzahl an Abiturienten und Hochschulabsolventen
Hamburgs Schulsenator weiß manchmal gar nicht, wo er anfangen soll: Rechtschreibung, Informatik, Schwimmunterricht, Begabtenförderung, Berufsorientierung … ihm fallen sofort zahllose Forderungen der Gesellschaft an die Schule ein. „Da würde ich mir mehr Maß und Mitte wünschen. Wir müssen mehr Mut haben, uns auf wichtige Dinge zu konzentrieren“, so Ties Rabe vor etwa 120 Gästen bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Machen Schule und Hochschule fit für den Arbeitsmarkt?“, zu der die private Schule Schloss Salem und die HSBA Hamburg School of Business Administration in die Handelskammer Hamburg eingeladen hatten.
Er betont die wichtige Rolle von Berufsausbildung und Studium nicht nur bei der Vermittlung von Fachwissen, sondern auch bei der Entwicklung der Persönlichkeit. Diese Rolle habe durch die Schulzeitverkürzung und die Bologna-Reform spürbar an Bedeutung gewonnen, bestätigt Astrid Nissen-Schmidt, Vorsitzende des Bildungsausschusses der Handelskammer Hamburg. „Die Wirtschaft sieht das aber durchaus auch als Chance, den Nachwuchs noch besser für das eigene Unternehmen auszubilden“, so Nissen-Schmidt. Während die HSBA sich als Partner der Wirtschaft betrachtet und bei der Neu- und Weiterentwicklung ihrer Angebote eng mit Unternehmen zusammenarbeitet, sieht Prof. Dr. Dr. Ingrid Gogolin von der Arbeitsstelle für interkulturelle Bildungsforschung der Universität Hamburg es nicht als Aufgabe der Universität, die Studierenden „fit für den Arbeitsmarkt“ zu machen. Aus ihrer Sicht müsse die Universität zwar Grundlagen für die Berufsfähigkeit legen, nicht aber die konkrete Einführung in bestimmte Berufe.
Während die Universität Hamburg über die Einführung eines Studium Generale nachdenkt, um die angehenden Studierenden auf die Anforderungen des Studiums vorzubereiten, berichtet Bernd Westermeyer, Schulleiter des Internats Schloss Salem, von dem Erfolg des Salem-Kollegs für Abiturienten, die nach ihrem Schulabschluss zunächst Orientierung suchten. Nach seiner Erfahrung sei diese Orientierung außerordentlich wichtig, damit die jungen Menschen tatsächlich ein Studium oder Beruf wählten, mit dem sie glücklich würden. „In Deutschland ist Scheitern gesellschaftlich nicht akzeptiert“, so Westermeyer, daher würden viele um jeden Preis den einmal eingeschlagenen Weg weitergehen. Salem versuche dagegen, den Schülern zu helfen, ihre Persönlichkeit zu entwickeln, indem sie herausgefordert würden und ihnen gleichzeitig vermittelt werde „Du schaffst das!“. So werde aus manch einem „Schulversager“ ein motivierter, guter Schüler.
In diesem Zusammenhang betonte Senator Rabe, dass eine solche Förderung tatsächlich bewirken könne, dass mehr Schüler als früher die Hochschulreife erreichen. „Wenn wir mehr Abiturienten haben, heißt das nicht automatisch, dass das Niveau gesunken ist“, so Rabe. Durch den demografischen Wandel, die zunehmende Automatisierung und die Verlagerung von einfachen Tätigkeiten ins Ausland, sei Deutschland darauf angewiesen, dass möglichst viele Menschen für die immer komplexer werdenden Aufgaben ausgebildet würden.
Über die HSBA
Die HSBA Hamburg School of Business Administration ist die Hochschule der Hamburger
Wirtschaft. Gegründet 2004 von der Handelskammer Hamburg, kooperiert sie heute mit 240 Unternehmen. Als staatlich anerkannte Hochschule bietet sie betriebswirtschaftliche Studiengänge in dualer und berufsbegleitender Form für knapp 800 Studierende an. Prägend für die HSBA sind die Vermittlung von praxisorientierten Inhalten auf hohem Niveau, ausgezeichnete Studienbedingungen und die Orientierung an den Werten des Ehrbaren Kaufmanns. Hochwertige Weiterbildung für Fach- und Führungskräfte sowie anwendungsorientierte Forschung und Beratung vervollständigen das Angebot. Weitere Informationen unter www.hsba.de und www.facebook.com/hsba.hamburg.
Über die Schule Schloss Salem
Die Schule Schloss Salem ist mit über 600 Schülerinnen und Schülern das größte deutsche Internat. Sie hat ihren Hauptsitz in der ehemaligen Reichsabtei Salem unweit des Bodensees. 1920 von Kurt Hahn und Prinz Max v. Baden gegründet, legt Salem nicht nur Wert auf eine exzellente schulische Ausbildung, sondern bekennt sich zu einem ganzheitlichen Bildungskonzept, das die Erziehung zur Verantwortung sowie die Ausbildung der individuellen Persönlichkeit in das Zentrum der pädagogischen Arbeit stellt. In Salem leben und arbeiten derzeit Schüler aus mehr als 40 Nationen. Dieser Internationalität wird in der Mittelstufe durch einen deutschen sowie einen rein englischsprachigen Zweig Rechnung getragen, und man kann Salem nach der Jahrgangsstufe 12 entweder mit dem Abitur oder mit dem International Baccalaureate (IB) abschließen. Weitere Informationen unter www.salem-net.de.
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